Standing Ovations: Sandra Hüller begeistert in Cannes

Fünf Minuten stehende Ovationen im Grand Palais - Sandra Hüller hat beim Filmfestival Cannes mit "Vaterland" von Paweł Pawlikowski die Kritiker begeistert. Damit rücken auch die Oscar-Chancen bereits ins Blickfeld.
von  (eyn/spot)
Sandra Hüller begeisterte auch auf dem roten Teppich.
Sandra Hüller begeisterte auch auf dem roten Teppich. © imago/Bestimage/JACOVIDES-MOREAU

Sandra Hüller (48) hat beim Filmfestival Cannes einmal mehr bewiesen, warum sie derzeit zu den gefragtesten Schauspielerinnen Europas zählt. Für den Wettbewerbsbeitrag "Vaterland" von Regisseur Paweł Pawlikowski (68) erntete die deutsche Darstellerin am Donnerstagabend im Grand Palais eine fünfminütige stehende Ovation. Noch auf der Bühne verlor die sonst so stoisch wirkende Hüller deshalb sogar kurz ihre Fassung.

Auch der polnische Regisseur Pawlikowski zeigte sich bewegt. "Hier mit diesen wunderbaren Menschen zu sein, die unter wirklich schwierigen Bedingungen an diesem Film gearbeitet haben - wir sind in Versailles angekommen, in diesem schönen Tempel des Kinos, und all unsere Mühen und Sorgen sind vergessen", sagte er laut "Hollywood Reporter" nach der Vorstellung. "Und ich glaube, ich habe meinen Film diesmal wirklich genossen."

Vater und Tochter im zerstörten Deutschland

"Vaterland" ist ein Schwarz-Weiß-Drama in der Tradition von Pawlikowskis Erfolgsfilmen "Ida" (Oscar 2015) und "Cold War" (Cannes 2018). Wie seine Vorgänger kreist auch das neue Werk um die Wunden der jüngeren europäischen Geschichte: Der Film spielt im Sommer 1949 und folgt dem Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler, 78), der nach Jahren des Exils in den USA erstmals nach Deutschland zurückkehrt, um sowohl im westdeutschen Frankfurt als auch im sowjetisch kontrollierten Weimar Preise entgegenzunehmen und auf verschiedene Welten trifft.

An seiner Seite ist dabei seine Tochter Erika, Schauspielerin, Schriftstellerin und Rallyefahrerin, die von Hüller gespielt wird. Die Kritik zeigte sich einmal mehr beeindruckt von ihrer Arbeit in dem Film, der mit einer Laufzeit von nur 82 Minuten der kürzeste Wettbewerbsbeitrag des Jahres ist.

Abseits der Leinwand sorgte Hüller auch auf dem roten Teppich für Aufsehen. Sie erschien in einem überlangen schwarzen Kleid mit weißer Schleife und langer Schleppe sowie einer spektakulären Federjacke aus dem Hause Chanel. Laut "Vogue Germany" flossen 845 Arbeitsstunden und 6.700 aufgenähte Einzelelemente in die Kreation. Hüller ist seit Kurzem Markenbotschafterin von Chanel, als erst zweite Deutsche nach Hannah Herzsprung.

Anwärterin für die Oscars

Für das kommende Oscar-Rennen gilt Hüller auch durch den Cannes-Erfolg bereits jetzt als heiße Anwärterin. 2024 war sie gleichzeitig für "Anatomie eines Falls" und "The Zone of Interest" nominiert und gilt seither als eine der zuverlässigsten Kräfte des europäischen Autorenkinos. In diesem Jahr gewann sie zudem den Berlinale-Preis für die Beste Darstellerin im Film "Rose", stand in "Der Astronaut" an der Seite von Ryan Gosling und wird ab Oktober in "Digger" neben Tom Cruise in einem weiteren internationalen Großprojekt zu sehen sein.

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