Skandal um "Sperrbezirk"-Klassiker: Spider-Murphy-Gang-Frontmann mit klarer Ansage

Seit Jahrzehnten gehört "Skandal im Sperrbezirk" auf die Setlisten bayerischer Partybands wie Bier und Brezn ins Bierzelt. Ausgerechnet auf einem der größten Volksfeste des Freistaats steht der Kult-Hit der Münchner Spider Murphy Gang jetzt aber auf dem Index. In einer Reihe mit Liedern wie "Layla" von DJ Robin & Schürze oder "Die Glöcknerin von Dingolfing" von den Dorfrockern ist "Skandal im Sperrbezirk" auf einer Liste zu finden, die im Vorfeld der Erlanger Bergkirchweih an Festwirte und Bands ging.
"Skandal im Sperrbezirk" auf dem Index in Erlangen: Jetzt spricht Günther Sigl
Hintergrund: Die zwölf Lieder wurden seitens der städtischen Gleichstellungsstelle im mittelfränkischen Erlangen als problematisch eingestuft. Festwirte und Bands wurden also darum gebeten, auf diese Songs zu verzichten.
Dass ausgerechnet der Münchner Kult-Hit auch auf dieser Liste auftaucht, sorgte in den vergangenen Tagen für einen Aufschrei der Empörung gerade in den Sozialen Medien. Auch Wiesn-Chef Christian Scharpf hat sich inzwischen deutlich zu dem Thema geäußert. Und der Frontmann der Spider Murphy Gang selbst? Der meldet sich in der AZ erstmals zur Debatte um die Erlanger Bergkirchweih zu Wort.
Spider-Murphy-Gang-Frontmann erklärt: "In keinster Weise frauenfeindlich"
"Es ist eine ewige Gschicht, dass der Song eigentlich missverstanden wird", seufzt Günther Sigl (79), als ihn die AZ am Mittwoch erreicht. Der Song sei in keinster Weise frauenfeindlich, sondern lediglich ein Tatsachenbericht, wie es 1972, als der Sperrbezirk in München eingeführt wurde, war.
"Die Stadt wollte sich für Olympia sauber präsentieren. Natürlich ist unser Text ein bisschen ironisch und stichelt gegen die Doppelmoral in der Stadt", sagt Sigl und verweist auf den ikonischen ersten Satz des Songs: "In München steht ein Hofbräuhaus, doch Freudenhäuser müssen raus."
"Skandal im Sperrbezirk": Boykotte schon nach der Veröffentlichung 1981
Doch der Party-Hit landet nicht zum ersten Mal auf dem Index: Schon kurz nach der Veröffentlichung 1981 eckte die Spider Murphy Gang mit ihrem Song an. Bayerische Radiosender boykottierten das Lied, ebenso wie die ZDF-Hitparade. Der Grund: Das Wort "Nutten", das im Liedtext vorkommt. Doch "Skandal im Sperrbezirk" trotzte dem Skandal um sich selbst und landete schon im Jahr nach seiner Veröffentlichung auf Platz 1 der deutschen Single-Charts.
Auch zum "Nutten"-Begriff im Lied bezieht Günther Sigl klar Stellung. "Ich habe mich schon informiert, wo das herkommt", schmunzelt der Spider-Murphy-Gang-Frontmann im Gespräch mit der AZ und erklärt den Begriff damit, dass sich auch viele Damen aus dem Gewerbe selbst so bezeichnen würden.
Sigl über seinen missverstandenen Song: "Finde ich schade"
"Dass der Song jetzt im Kontext mit Liedern wie 'Zehn nackte Friseusen' genannt wird, finde ich schade", sagt Sigl weiter. "Das ist ja ein ganz anderer Anspruch. Klar, die meisten finden das Lied im Bierzelt vor allem lustig und singen mit, unser Text ist aber eigentlich ein sozialkritischer. Auch wenn das Thema damals wie heute nicht so sichtbar werden sollte, ist es trotzdem da in der Gesellschaft. Prostitution ist da und das Lied verherrlicht das ja nicht."
Günther Sigl: "Leider kriegen wir auch Zuspruch aus der völkischen Ecke"
Der Sänger zieht auch eine Parallele zu Theaterstücken über die Hexenverbrennung und -prozesse in seiner Geburtsstadt Schongau in Oberbayern. "Die stellen ja auch nur dar, wie es historisch war, müssten dann aber ebenfalls verboten werden."
Auch wenn der Münchner Liedermacher die Debatte rund um die Erlanger Bergkirchweih in den Sozialen Medien, wie er selbst sagt, nicht engmaschig verfolgt, eines stört ihn besonders: "Leider kriegen wir in solchen Fällen dann auch immer Zuspruch aus irgendeiner völkischen Ecke, bloß weil wir deutsch singen. Das will ich nicht haben", macht der 79-Jährige klar.
Münchner Liedermacher mit Forderung in Richtung Erlangen: "Sollten sich den Text gescheit anhören"
Mit seinen Bandkollegen habe Sigl das Thema bislang noch nicht weitergehend diskutiert. Die sehe er erst wieder am Wochenende wieder, wenn die Spider Murphy Gang gemeinsam auf Tour in der Schweiz unterwegs ist - "aber wir hängen das nicht höher als es ist."
Auch wenn Sigl, wie er betont, grundsätzlich sogar für Gleichstellungsstellen sei, eine klare Botschaft richtet der Frontmann dennoch an die Verantwortlichen für die viel diskutierte Liste der Erlanger Bergkirchweih: "Thema verfehlt! Die sollten sich erstmal den Text gescheit anhören."
Auf der Bergkirchweih dröhnte "Skandal im Sperrbezirk" trotz "Sensibilisierungsliste" in den vergangenen Tagen übrigens dennoch aus dem ein oder anderen Bierzelt.