Skandal: Ikke Hüftgold erhebt Vorwürfe gegen Sat.1 wegen "Plötzlich arm, plötzlich reich"-Dreh

Sat.1 und die Produktionsform Imago TV planten mit Partysänger Ikke Hüftgold aka Matthias Distel eine Folge der Reality-Sendung "Plötzlich arm, plötzlich reich". Doch zur Ausstrahlung wird es nicht kommen. Distel deckt einen Skandal auf und erhebt schwere Vorwürfe. "Quotenjagd auf dem Rücken missbrauchter Kinder."
| Steffen Trunk
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Ikke Hüftgold bracht den TV-Dreh zu "Plötzlich arm, plötzlich reich" ab.
Ikke Hüftgold bracht den TV-Dreh zu "Plötzlich arm, plötzlich reich" ab. © imago images/Future Image

Der Partyschlager-Sänger hat die Dreharbeiten von "Plötzlich arm, plötzlich reich" abgebrochen, das gab Ikke Hüftgold, der im echten Leben Matthias Distel heißt, in einem Video auf Instagram bekannt. Er macht Sender Sat.1 und der Produktionsfirma Imago TV schwere Vorwürfe. Das Konzept von "Plötzlich arm, plötzlich reich" sah vor: Distel und eine ihm unbekannte "arme" Familie sollten für eine Woche das Leben tauschen.

"Quotenjagd auf dem Rücken missbrauchter Kinder"

Distel spricht jetzt über die Dreharbeiten und von "skandalösen Zuständen bei Sat.1 und Imago TV", die das "Kindeswohl von zwei schwer traumatisierten Kindern mit Füßen treten" würden. Die Rede ist von "Missachtung des Kindeswohls" und einer "gewissenlosen Quotenjagd auf dem Rücken missbrauchter Kinder".

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Ikke Hüftgold drehte für "Plötzlich arm, plötzlich reich"

Der Zustand der Mini-Wohnung seiner vierköpfigen Tauschfamilie habe ihn fassungslos gemacht, so Distel. Schon nach einer Stunde entstand zwischen Distel und dem Kamera-Team eine Diskussion. "Ich stellte Fragen, aber ich bekam anfänglich für mich nur unbefriedigende Antworten der Redakteurin, die zunehmend nervöser wurde", so der Sänger. Abends, als das Team weg war, habe er im Kalender der Tauschfamilie entdeckt, dass zwei Kinder und die Mutter schon länger in psychologischer Behandlung seien. Von der Therapie der Kinder hätte die Produktionsfirma gewusst, behauptet Distel. 

Kinder in psychologischer Behandlung: Matthias Distel äußerte Kritik 

Ein Zustand, der für Distel unerträglich schien. Am nächsten Tag konfrontierte er das Produktionsteam: "Laut Redakteurin berief man sich lediglich auf die selbst in psychologischer Behandlung befindlichen Aussagen der Mutter und ein angebliches Telefonat mit der Familienhilfe." Weil sich Matthias Distel in den weiteren zwei Tagen kritisch äußerte und wiederholt negative Aussagen über die Situation vor laufender Kamera tätigte, sei er daraufhin "mit Nachdruck darum gebeten [worden], meine Stimmung doch bitte ins Positive zu drehen, damit die Geschichte in ein ‘Happyend’ gedreht werden könne".

TV-Kinder: Missbrauch durch Vater?

Als der Sänger in einem Gespräch mit der besten Freundin der Mutter erfuhr, dass die Kinder in der Vergangenheit durch ihren Vater misshandelt worden sind, brach er den Dreh ab. "Ich zitierte die anwesende Redakteurin umgehend ins Nachbarzimmer und fragte sie, ob der Sender Sat.1, Imago TV und das komplette Team noch alle Tassen im Schrank habe", so Distel. "Ethik, Moral, Anstand und das Kindeswohl wurden dabei vollkommen und in meinen Augen vorsätzlich ignoriert", beklagt Distel.

Vom Aufnahmeleiter will Distel erfahren haben, was zeitgleich in seiner Wohnung, wo die Tauschfamilie war, geschehen sein soll: Eines der Kinder soll sich selbst verletzt haben, das andere äußerte auf dem Balkon gar Suizidgedanken. 

Produktionsfirma Imago TV reagiert auf Vorwürfe

Die Geschäftsführerin der Produktionsfirma Imago TV widerspricht dieser Darstellung. "Herr Distel bezieht sich hier auf Aussagen unseres Aufnahmeleiters vor Ort, der diese Aussagen bestreitet", so Andrea Schönhuber gegenüber "DWDL". Sie wolle jetzt gemeinsam mit ihrem Team aufklären, wie es zu so einer Situation kommen konnte.

Ziel sei es nicht, Menschen bloßzustellen, so die Imago-TV-Chefin. In Castings vor Dreharbeiten soll ausgeschlossen werden, dass Menschen ins Fernsehen gebracht werden, "die sich in so schwierigen Lebenssituationen befinden, die der Öffentlichkeit nicht unterbreitet werden sollen". Die Missbrauchs-Vorwürfe seien erst während des Drehs bekannt geworden.

Schönhuber erklärt weiter, ihr Team habe den Drehabbruch mitgetragen und habe "eine lückenlose Aufklärung schriftlich zugesichert". Die Chefin der Produktionsfirma habe von den Zuständen vor Ort nichts gewusst und wehrt sich gegen Distels Vorwürfen.

Matthias Distel will Strafanzeige stellen

Matthias Distel werde am heutigen Dienstag Strafanzeige gegen Sender und Produktionsfirma stellen - und erwartet, dass nach seiner skandalösen Enthüllung auch ein Strafverfahren auf ihn wartet, weil er gegen eine Vertragsklausel verstoße.

Was sagt Sat.1 zum Skandal-Dreh?

Sender Sat.1 reagiert auf Instagram und bedankt sich beim Ballermann-Star, dass er sie "über die Umstände beim Dreh zu 'Plötzlich arm, plötzlich reich' informiert" habe. "Unmittelbar nachdem wir seine Mail erhalten haben, haben wir begonnen, mit der Produktionsfirma und der Familienhilfe zu reden, um der Familie zu helfen und um die Zusammenhänge aufzuarbeiten." 

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Produktionsfirma will von Missbrauchs-Vorwürfen nichts gewusst haben

Imago TV räumt gegenüber "DWDL" "Fehler bei der Recherche" ein. Der Redaktion sei klar gewesen, dass Mutter und Kinder eine "schwierige Trennungsgeschichte mit Gewalterfahrungen vom leiblichen Vater" hinter sich hatte. "Nicht umsonst war der Mutter das alleinige Sorgerecht zuerkannt worden, dieser Beschluss vom Amtsgericht hatte sich die Redaktion vorlegen lassen." Die konkreten Missbrauchs-Vorwürfe seien allerdings erst während des Drehs bekannt geworden.

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"Trotz der Einhaltung unserer Sorgfaltspflicht scheint es in diesem besonderen Fall zu einer Ausnahmesituation gekommen zu sein. Imago TV – vertreten durch seine Geschäftsführerin Andrea Schönhuber – distanziert sich ausdrücklich von den Vorwürfen von Herrn Distel", heißt es von der Produktionsfirma gegenüber "DWDL". "In keiner Weise geht es Imago TV darum, Familien in Notsituationen auf der Jagd nach 'Quoten und Kapital' auszunutzen."

Matthias Distel äußert sich auch selbstkritisch und bezeichnet sich als "mitschuldig, weil ich selbst Teil dieser perversen, deutschen Medien und Fernsehkultur geworden bin".

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