Sicherungsverwahrter klagt im ZDF: "Ich habe die Hälfte meines Lebens hier verplempert"

Jan ist 49 Jahre alt und hat mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht. "Ich sitze jetzt über 20 Jahre in Haft - 26 oder so", erzählt er dem ZDF-Team im Rahmen der "37°"-Doku "Im Gefängnis: Das Prinzip Hoffnung". Heute ist Jan in der JVA Offenburg als Sicherungsverwahrter untergebracht. Seine eigentliche Haftstrafe hat er bereits abgesessen. Trotzdem darf er nicht in Freiheit leben.
Der Grund: Jan wird weiterhin als Gefahr für die Allgemeinheit eingestuft. Deshalb befindet er sich in Sicherungsverwahrung, die zeitlich nicht begrenzt ist. Ein Gericht prüft jedes Jahr, ob von ihm noch eine Gefahr ausgeht. Kommt es zu dem Schluss, dass dies weiterhin der Fall ist, kann Jan im schlimmsten Fall lebenslang in Sicherungsverwahrung bleiben.
Davon hat er allerdings genug. "Ich bin jetzt 49. Ich habe so viele Haftjahre hinter mir, dass ich gar kein Bock mehr habe. Ich habe die Schnauze voll", erklärt Jan in der Doku. Ursprünglich saß er wegen einer Gangprügelei in Haft. Sollte er irgendwann aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden, möchte Jan aufs Dorf ziehen. Ein kleines Häuschen, dazu eine Arbeit, die ihm zumindest "halbwegs" Spaß macht. Viel mehr brauche er gar nicht. "Aber kriminelle Sachen würde ich einfach nicht mehr machen, weil ich bin davon echt fertig", stellt er klar.
"Ich kann für sie gar nichts sein im Endeffekt"
Viel Zeit will Jan allerdings nicht mehr verlieren. "Ich habe vielleicht noch 15 gute Jahre", sagt er. Die möchte er nutzen. "Ich habe die Hälfte meines Lebens hier verplempert", erzählt er. Deshalb würde er gerne noch "was machen" und vor allem "die Welt sehen".
Auch sein Privatleben ist von der ungewissen Zukunft geprägt. Jan war verheiratet, doch er und seine Exfrau ließen sich im gegenseitigen Einverständnis scheiden. Niemand weiß, wann Jan wieder aus dem Gefängnis kommt. Eine Beziehung unter diesen Umständen sei für ihn schwierig. "Jemand braucht eine starke Schulter zum Ausheulen, das kann ich nicht für sie sein. Ich kann für sie gar nichts sein im Endeffekt", sagt Jan. Er selbst sieht sich in seiner Rolle als Ehemann eher als "Belastung".
Als Kind erlebte Jan Gewalt durch seinen Vater. Wegen "Kleinigkeiten" sei er geschlagen worden. Mit 14 Jahren lief er schließlich von zu Hause weg und rutschte in die kriminelle Szene ab. Trotzdem schiebt Jan die Verantwortung für seine Taten nicht auf seine schwierige Kindheit. Er weiß, dass er selbst die Straftaten begangen hat - und auch die Verantwortung für seine Haft und die anschließende Sicherungsverwahrung trägt.
Ob Jan seit Ende der Dreharbeiten in Freiheit lebt oder noch immer in Sicherheitsverwahrung, klärt die Doku nicht auf. "37°: Im Gefängnis: Das Prinzip Hoffnung" läuft am Dienstag, 25. August, um 22.15 Uhr, im ZDF und ist bereits vorab im Streamingportal des Senders abrufbar.