Schwiegertochter von Andrea Berg über psychisches Tief: "Muss lernen, damit umzugehen"

Vanessa Mai (34) liebt ihren Job. Als Schlagersängerin steht sie regelmäßig auf den großen Musikbühnen und gibt für ihr Publikum alles. Doch auf einen Aspekt ihres Jobs könnte sie wohl getrost verzichten: die beklemmende Stille nach einem Auftritt vor Tausenden Fans. Mit Freundin Lola Weippert (30) spricht die Künstlerin nun über das psychische Tief, das sie manchmal einholt.
Vanessa Mai überwältigt nach Auftritt: "Irgendwie auch krass leer"
Erst kürzlich erlebte Vanessa Mai einen ganz besonderen Bühnenauftritt, von dem sie im Podcast "Schön laut" schwärmt. Dabei erinnert sie an Gefühle, die sie auf dem Heimweg überkommen haben: "Dann fährst du natürlich auch mit so einem Energieball nach Hause. [...] Und dann kommst du heim und bist irgendwie glücklich und voll mit Glücksgefühlen, aber irgendwie natürlich auch krass leer." Während eines Auftritts würde die Schwiegertochter von Schlager-Ikone Andrea Berg "krass hochfahren": "Puls auf 140, 150, das ist dann Sport", erzählt Mai.
Podcast-Kollegin Lola Weippert, die als Moderatorin auch an große Auftritte gewöhnt ist, meint dazu: "Ganz ehrlich, da muss ich auch mal eine Lanze brechen für alle Künstlerinnen und Künstler, die irgendwann psychisch komplett hohldrehen. Weil das, was du auf der Bühne erlebst, das erlebst du als normaler Mensch 'off stage' niemals. Diese tausenden Menschen, die für dich applaudieren. Deine Endorphine, die drehen durch." Das Schlimmste danach? "Diese Stille im Hotel", weiß auch Weippert.

Die Moderatorin habe daher Verständnis für Künstler, die dem Ganzen nicht standhalten können: "Das ist so unnormal, deswegen verstehe ich es so sehr, die Künstlerinnen und Künstler, die psychisch überhaupt nicht darauf klarkommen." Vanessa Mai glaubt aber, dass die Bewältigung dieser Gefühle zum Job dazugehören: "Man muss lernen, damit umzugehen."
Lola Weippert findet: "Wo viel Licht fällt, fällt viel Schatten"
Für Lola Weippert liege auf der Hand, warum manche Künstler Drogenprobleme entwickeln – auch wenn sie selbst nie zu Drogen greifen würde: "Weil sie diese Stille betäuben wollen." Sobald der Bühnenmoment vorbei sei und man alleine im Hotelzimmer sitze, würden Rauschmittel zumindest augenscheinlich helfen: "Ich kann es nachvollziehen. [...] Wo viel Licht fällt, fällt viel Schatten." Vanessa Mai gibt zu bedenken: "Na ja, aber dieses Drogennehmen ist halt auch nur ein Verschieben des Moments."

Doch kenne die Sängerin das Gefühl, das ihre Kollegin beschreibt, natürlich auch: "Du bist wie ausgesaugt erst mal, weil du alles da oben auf der Bühne gibst." Momente, die mit nichts anderem zu vergleichen sind: "Da gibt es keine Gedanken an das links, rechts, du lebst nur in dieser Bubble gerade und nichts anderes zählt. Und das ist wirklich so special und besonders", findet Vanessa Mai. "Und deswegen fühlt man sich danach auch komplett leer körperlich, weil du halt alles da hinschmeißt auf die Bühne."