Schmerzhafte Ablehnung: Michaela May für bayerische Wurzeln verurteilt

Michaela May zählt zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen mit bayerischen Wurzeln. Die Münchnerin ist stolz auf ihre Herkunft – auch wenn diese ihr schon Steine in den Weg gelegt hat. Nun verrät May, wie schwer die Anfänge als bayerische Schauspielerin für sie wirklich waren.
von  Eva Meeks
Michaela May ist gebürtige Münchnerin.
Michaela May ist gebürtige Münchnerin. © imago/Michael Wigglesworth

Michaela May (74) wirkte seit 1964 in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit. Die Münchnerin ist aus der deutschen TV-Landschaft kaum wegzudenken. Doch das Schauspielbusiness kann hart sein, daraus macht auch Michaela May kein Geheimnis. Sie verrät nun, ausgerechnet für ihren bairischen Dialekt verurteilt worden zu sein.

Michaela May über sprachliche Färbung: "Gar nicht gefragt"

Bereits im Kindesalter konnte Michaela May ihre ersten Schauspielrollen ergattern. Doch sie erinnert sich trotz Erfolges an eine gewisse Ablehnung zurück: "Eine Weile war das Bairische gar nicht gefragt: Als Kind musste ich es ganz schnell sprachlich ausradieren und zum Sprachunterricht gehen", erzählt May im Gespräch mit der dm-Zeitschrift "alverde". "Ich wurde im Film synchronisiert", erinnert sich die Schauspielerin.

Eine Helmut-Dietl-Produktion, die Mays großen Durchbruch bedeutete, sollte endlich ein Umdenken erwirken: "Nach den 'Münchner Geschichten' in den 70er-Jahren wollte man plötzlich wieder bayerische Identität haben", erinnert sich die 74-Jährige. "Ich glaube, es gibt ein paar Dialekte, die gesamtdeutsch funktionieren, und da gehört Bayerisch dazu." Eine Entwicklung, die scheinbar bis heute anhält: "Aktuell wird wieder ganz stark das Regionale gemocht", ist sich May zumindest sicher.

Michaela May arbeitete oft mit Helmut Dietl zusammen. Der Regisseur prägte die Münchner Filmlandschaft wie kaum ein anderer.
Michaela May arbeitete oft mit Helmut Dietl zusammen. Der Regisseur prägte die Münchner Filmlandschaft wie kaum ein anderer. © imago/United Archives

Urgroßvater von Michaela May: Ofenbauer für König Ludwig II.

Auch wenn die Schauspielerin heute als Michaela May bekannt ist, lautete ihr bürgerlicher Name einst: Gertraud Elisabeth Berta Franziska Mittermayr. Die Änderung erfolgte Mitte der Sechziger auf Anraten ihrer Agentur: Aus dem germanischen "Gertraud" wurde "Michaela", was der Schauspielerin persönlich besser gefiel, und "Mittermayr" wurde ins einfachere "May" verwandelt.

Trotzdem bleibt May natürlich ein Mittermayr-Spross: Bayerische Wurzeln, die sie vor einigen Jahren bis ins Schloss Neuschwanstein führten. Denn tatsächlich gibt es eine Verbindung zwischen König Ludwig II. und Mays Urgroßvater Josef Xaver Mittermayr. Dieser hatte seit 1783 eine Hafnerei in der Münchner Innenstadt betrieben und war einst vom König als Ofenbauer beauftragt worden. Bis heute stehen 15 Mittermayr-Kachelöfen im Schloss Neuschwanstein – und May schaute sich diese schon vor Ort an, um auf den Spuren ihres Ahnen zu wandeln.

Harte Schauspielbranche: "Macht bei manchen die Seele kaputt"

Heute ist Michaela May überzeugt davon, dass ihre bayerischen Wurzeln und eine sprachliche Authentizität letztendlich sogar ihr Erfolgsrezept waren: "Ich glaube generell: Je stärker man sich auf seine Identität besinnt, desto mehr Kraft hat man aus sich heraus." Dass sie sich als Schauspielerin generell kein leichtes Berufsfeld ausgesucht hat, ist ihr bewusst: "Es gibt manchmal zwei, drei Jahre Leerlauf und manchmal dauert es sehr lange, bis man Erfolg hat. Dieses Durchhalten macht bei manchen die Seele kaputt."

Daher solle man sich nie nur auf ein Standbein verlassen, findet Michaela May: "Man muss kreativ werden und andere Dinge anpacken, versuchen, selbst etwas zu schreiben, Stoffe zu finden und anzubieten, Lesungen zu machen, Hörbücher. Man muss rausgehen und mit einer unheimlichen Energie herausfinden, was kann ich gut, wo möchte ich hin, und dahinein muss man seine ganze Energie stecken", so die 74-Jährige.

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