Schiedsrichter-Legende Eugen Strigel ist tot
Der deutsche Fußball hat eine prägende Figur verloren: Eugen Strigel (1949-2026) ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Der gebürtige Baden-Württemberger widmete nahezu sein gesamtes Erwachsenenleben dem Schiedsrichterwesen - mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. "Ganz oder gar nicht", lautete sein Motto. Strigel lebte es bis zuletzt.
Bereits 1968 begann seine Laufbahn als Unparteiischer. Was damals auf Kreisebene startete, führte ihn bis in die höchsten Sphären des deutschen Fußballs. Zwischen 1987 und 1995 leitete Strigel 70 Erstliga-Partien, wie der "DFB" am Dienstag mitteilte. Den krönenden Abschluss seiner aktiven Karriere bildete das DFB-Pokalfinale 1995 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg. "Ich hätte nicht im Traum gedacht, das alles zu erleben", sagte Strigel 2020 rückblickend.
Pionier der Video-Lehrarbeit
Doch mit dem letzten Pfiff endete sein Engagement längst nicht. Im Gegenteil: Strigel fand seine wahre Berufung abseits des Rasens. Als einer der ersten erkannte er das Potenzial von Videoszenen in der Schiedsrichter-Ausbildung und setzte diese Methode konsequent durch. Ab 1995 übernahm er für 15 Jahre die Position des DFB-Lehrwarts und formte damit eine ganze Generation von Referees.
Parallel dazu stieg Strigel in der Verbandshierarchie auf. Von 1998 bis 2010 fungierte er als stellvertretender Schiedsrichter-Chef unter Volker Roth. In dieser Zeit erlangte er auch beim breiten Publikum Bekanntheit: Im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF analysierte er unter dem Titel "Pfiff des Tages" die Leistungen seiner Kollegen bei der WM 2002, der EM 2004 sowie im Bundesliga-Alltag. Seine Einschätzungen galten als fundiert und fair.
Bis zuletzt im Einsatz für den Fußball
Selbst der offizielle Ruhestand hielt Strigel nicht vom Fußball fern. Bis 2020 verantwortete er das Beobachtungswesen der Schiedsrichter-Kommission und wertete wöchentlich die Bewertungsbögen von der Bundesliga bis zur 3. Liga aus. International begleitete er als Beobachter für UEFA und FIFA Topspiele.
Vor etwa 16 Jahren erlitt der passionierte Skifahrer einen Herzstillstand. Das Erlebnis veränderte seine Perspektive grundlegend: "Ich habe gesehen, was wichtig ist, und zwar nur eines: deine Gesundheit und die deiner Mitmenschen", sagte er später. Schließlich wurde bei ihm die unheilbare Nervenkrankheit ALS diagnostiziert.
"Die Schiri-Familie wird Eugen vermissen"
Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH, würdigte den Verstorbenen mit emotionalen Worten: "Wir sind tieftraurig und bestürzt von Eugens Tod. Er wird uns nicht nur als stets kompetenter Ansprechpartner oder Motivator fehlen, sondern in erster Linie auch als Mensch und Freund." Noch bis vor wenigen Monaten habe Strigel wöchentlich im Video-Assist-Center in Köln ausgeholfen und ihn bei Stadionbesuchen begleitet.
Strigels Philosophie blieb zeitlebens dieselbe: "Da sind zwei Mannschaften, die Fußball spielen wollen. Dazu braucht es einen Schiedsrichter. Ein Schiedsrichter, der zwei Mannschaften braucht, um sich selbst darzustellen, ist fehl am Platz."
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