"Schämen Sie sich! Sie Idiot!" - Maxi Schafroth sorgt für Eklat auf Grönland

Maxi Schafroth versucht in der grönländischen Hauptstadt Nuuk, eine US-Flagge zu hissen. Mitarbeiter des Kulturzentrums verhindern die Aktion, bevor die Polizei eintraf. Die Aktion löst Kritik und Empörung aus.
von  André Wagner
Maxi Schafroth versucht in der Stadt Nuuk im Westen Grönlands, eine amerikanische Flagge zu hissen.
Maxi Schafroth versucht in der Stadt Nuuk im Westen Grönlands, eine amerikanische Flagge zu hissen. © INA FASSBENDER (AFP)

Über diesen Scherz konnten die Grönländer überhaupt nicht lachen. Seit Wochen wird in den Medien weltweit über die Übernahmefantasien von US-Präsident Donald Trump berichtet. Die Angst der Inselbewohner, dass ihre Heimat Opfer einer US-Militärintervention werden könnte, ist groß. Entsprechend angespannt ist derzeit die Stimmung auf der zu Dänemark gehörenden Insel.

Daher fiel die Kritik der Einheimischen besonders harsch auf den Scherz des deutschen Schauspielers Maxi Schafroth aus. Für die NDR-Satiresendung Extra 3 versuchte der 41-Jährige, der von 2019 bis 2025 die Fastenrede beim traditionellen Derblecken auf dem Nockherberg hielt, am Mittwoch eine US-Flagge vor dem Kulturzentrum in der grönländischen Hauptstadt Nuuk zu hissen.

Schafroth versucht US-Flagge in Grönland zu hissen

Maxi Schafroth soll sich als ein Vertreter der US-Regierung ausgegeben haben.
Maxi Schafroth soll sich als ein Vertreter der US-Regierung ausgegeben haben. © Ina Fassbender/afp

Vor Ort kam diese Aktion jedoch alles andere als gut an. Ein Video, welches der grönländische Aktivist Orla Joelsen bei X postete, zeigt, wie ein Mann mit einer großen US-Flagge an einem Fahnenmast zugange ist. Bei dem Mann soll es sich um Maxi Schafroth handeln, der von Mitarbeitern des Kulturzentrums daran gehindert wurde, die US-Flagge zu hissen, noch bevor die Polizei vor Ort eintraf. "Wenn Sie unsere Werte nicht respektieren, warum sind Sie dann in Nuuk?!", schreibt Joelsen zu seinem Video in Richtung des deutschen Schauspielers und TV-Moderators.

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In einem weiteren Post ergänzte der Aktivist kurz darauf, dass es sich bei dem Mann mit der US-Flagge  um einen deutschen Komiker der deutschen Satiresendung Extra 3 handelt, der versuchte "witzig zu sein, indem er sich als Vertreter der US-Regierung ausgab."

"Das hat hier in Grönland auf Facebook heftige Emotionen ausgelöst. Schämen Sie sich! Sie Idiot!", schimpfte der grönländische Aktivist.

Auf vielfache Medienanfragen bestätigte der NDR, dass ein Team von Extra 3 in Nuuk am Dienstag und Mittwoch einen "satirischen Film" gedreht habe. "Dabei hat ein Mitglied des Teams vorgegeben, eine US-Flagge auf einem öffentlichen Platz hissen zu wollen. Dafür wurde vor Ort ein Bußgeld verhängt." Auf Bildern einer AFP-Fotografin soll eindeutig zu erkennen sein, dass es sich bei dem Mann mit der US-Flagge um Maxi Schafroth handelt. Der Kabarettist und sein Management waren für Nachfragen nicht zu erreichen.

Mitarbeiter des Kulturzentrums hinderten Schafroth daran, die Flagge zu hissen.
Mitarbeiter des Kulturzentrums hinderten Schafroth daran, die Flagge zu hissen. © Ina Fassbender/afp

Redaktion erklärt ihr Bedauern gegenüber den Menschen in Grönland

Gegenüber t-online erklärte eine NDR-Sprecherin, dass zu keinem Zeitpunkt der Eindruck entstehen sollte, dass die Grönländer und Grönländerinnen Ziel der Satire seien. "Die Redaktion erklärt ihr Bedauern gegenüber den Menschen in Grönland, sollte dieser Eindruck entstanden sein."

Einer Augenzeugin zufolge soll sich der 41-Jährige wirklich als US-Vertreter ausgegeben haben. "Er hat Angst bekommen, als er sah, wie groß der Gegenwind war", erzählte die Augenzeugin gegenüber t-online. Er habe den Platz deshalb schnell verlassen. "Er hat eine Menge Chaos verursacht, gerade in der angespannten politischen Situation." Viele Menschen könnten nun der Meinung sein, dass es sich bei Schafroth wirklich um einen Vertreter der US-Regierung gehandelt habe, so die Frau. Der NDR ließ verlauten, dass der Anlass für die Extra-3-Aktion das weltweit diskutierte Vorgehen der USA gewesen sei. 

Satirische Streiche wie diese Flaggenhissung sind ebenso generell Geschmackssache wie in die Hose gegangene Witze, die in einer Pressemitteilung erst erklärt werden müssen. In dem Fall könnte sich außer den Grönländern auch der Gebührenzahler ein wenig verarscht fühlen. Die angeblich so klammen Öffentlich-Rechtlichen schicken für einen lauen Sketch, der dem Thema bei der Ausstrahlung um Wochen hinterherhinkt, tatsächlich einen Komiker plus Fernsehteam mit dem Flugzeug nach Grönland? Muss man Sketche am Originalschauplatz drehen? Reicht da kein Greenscreen? Oder der Schnee vor dem Studio?

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