"Rust"-Tragödie: Alec Baldwin weiß, dass er "nicht verantwortlich" ist

Alec Baldwin fühlt sich nicht schuldig am Tod der Kamerafrau Halyna Hutchins, jemand anders sei dafür verantwortlich. Im Interview reagiert er zudem auf George Clooneys Kommentar.
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Nach dem tödlichen Schuss auf die Kamerafrau Halyna Hutchins (1979-2021) am Set seines Westerns "Rust" in New Mexico vor mehr als einem Monat (21.10.) sprach Hollywood-Star und Produzent Alec Baldwin (63) am Donnerstag in seinem ersten TV-Interview seit diesem Tag mit George Stephanopoulos von "ABC News" über den Vorfall, die Schuldfrage, seine psychische und physische Gesundheit und einen Kommentar von Hollywood-Star George Clooney (60).

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Der Ablauf des Unglücks

Baldwin sagte, dass sie in den Momenten vor dem Vorfall an einer "Markierungsprobe" teilgenommen hätten, wobei Hutchins Baldwin Anweisungen gab. "Sie stand neben der Kamera, schaute auf einen Monitor und gab mir Anweisungen, wie ich die Waffe für diesen Winkel halten sollte", sagte Baldwin. "Die Waffe war nicht dafür gedacht, in diesem Winkel abgefeuert zu werden. Ich habe die Waffe dort gehalten, wo mir gesagt wurde, dass ich sie halten sollte, nämlich direkt auf Achselhöhe. Ein Winkel, der vielleicht gar nicht gefilmt wird."

Baldwin sagte weiter, dass er die Waffe spannte und mit Hutchins besprach, wie es vor der Kamera aussehen würde. "Ich zeigte es einfach. Ich sagte: 'Wie wäre es damit? Funktioniert das? Seht ihr das? Seht ihr das? Und dann sagte sie: 'Ja, das ist gut'. Ich ließ den Hahn los und peng, die Waffe ging los. Alle waren schockiert", beschreibt er den Hergang.

Baldwin gab außerdem an, dass er nach dem Vorfall erst gar nicht auf die Idee kam, dass scharfe Munition verwendet worden sein könnte. Als Halyna Hutchins zu Boden fiel, habe er gedacht, sie sei vielleicht ohnmächtig geworden. "Sie ging zu Boden. Ich dachte mir: 'Ist sie ohnmächtig geworden?'", sagt er. "Nun, sie lag da und ich dachte: 'Wurde sie von Watte getroffen? War es eine Platzpatrone?'", fügte er hinzu. "Manchmal haben diese Platzpatronen eine Watte im Inneren, die das Schießpulver einschließt, wie ein Tuch. Manchmal tritt die Watte aus und kann Menschen treffen, und das kann sich wie ein kleiner Schlag anfühlen", so Baldwin.

Die Vorstellung, dass jemand eine scharfe Kugel in die Pistole gesteckt hat, sei nicht realistisch gewesen. "Der Gedanke, dass eine scharfe Patrone in der Waffe war, kam mir erst 45 Minuten bis eine Stunde später." Regieassistent Dave Halls bestätigte über seinen Anwalt Baldwins Darstellung.

Darum überprüfte Alec Baldwin seine Waffe nicht

Auf die Frage, warum er seine Waffe nicht überprüft habe, antwortete Baldwin, dass ihm das vor Jahren von jemandem beigebracht worden sei: "Wenn ich eine Waffe nahm und ein Magazin aus einer Waffe herauszog oder das Patronenlager einer Waffe berührte, nahm man mir die Waffe weg und machte sie neu. Der Requisiteur sagte dann: 'Mach das nicht'. Ich meine, ich war jung", erinnert der Schauspieler sich.

"Und sie sagten: 'Eine Sache, die du verstehen musst, ist, dass wir nicht wollen, dass der Schauspieler die letzte Verteidigungslinie gegen eine katastrophale Verletzung der Sicherheit mit der Waffe ist." Dies sei ihr Job. "Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Waffe sicher ist, dass ich Ihnen die Waffe übergebe und dass ich sie für sicher erkläre. Die Mannschaft verlässt sich nicht darauf, dass Sie sagen, dass sie sicher ist. Sie verlassen sich darauf, dass ich sage, dass sie sicher ist", habe der Experte damals gesagt.

"Als mir die Person, die mit dieser Aufgabe betraut war, die Waffe übergab, vertraute ich ihr. Und ich hatte nie ein Problem, niemals", erklärt Baldwin. Er sagte, er habe anderen am Set vertraut, dass sie ihre Arbeit machen. Dazu gehörten im Fall des "Rust"-Sets auch Hannah Gutierrez-Reed, die Waffenmeisterin, und Dave Halls, der Regieassistent. "Eine Person hat die Verantwortung für die Wartung der Waffe", so Baldwin weiter.

George Clooneys Kommentar lässt ihn kalt

Hollywood-Star George Clooney hatte den Vorfall Anfang des Monats kommentiert und den Schuss dabei als "wahnsinnig" und "ärgerlich" bezeichnet. "Jedes Mal, wenn mir am Set eine Waffe in die Hand gedrückt wird, schaue ich sie mir an, öffne sie, zeige sie der Person, auf die ich sie richte, und zeige sie der Crew", sagte Clooney. "Bei jeder einzelne Aufnahme. Und wenn man fertig ist, gibt man die Waffe zurück", fügte er hinzu. Dieser Umgang mit Waffen liege "zum Teil daran, was mit Brandon [Lee, 1965-1993, Red.] passiert ist. Jeder macht es. Jeder weiß es", erinnerte Clooney an den am "The Crow"-Set versehentlich erschossenen Schauspieler. "Vielleicht hat Alec das getan - hoffentlich hat er das getan."

Baldwin zeigte sich gegenüber Stephanopoulos von Clooneys Äußerungen unbeeindruckt. "Es gab eine Menge Leute, die es für nötig hielten, einen Kommentar zu der Situation abzugeben, was der Situation überhaupt nicht geholfen hat." Und er schob hinterher: "Wenn Ihr Reglement vorsieht, dass Sie jedes Mal die Waffe überprüfen, nun, gut für Sie. Schön für Sie."

Er selbst habe wahrscheinlich so oft mit Waffen hantiert wie jeder andere Schauspieler in Filmen mit einer durchschnittlichen Karriere auch, "ohne jemals zu schießen oder von jemandem erschossen zu werden", so Baldwin. Und in dieser Zeit habe er einen Standardablauf gehabt, der ihn nie im Stich gelassen habe.

Wer ist schuldig, wer verantwortlich?

Auf die Frage des ABC-Journalisten George Stephanopoulos, ob er sich schuldig fühle, antwortete Baldwin: "Nein. Nein. Ich habe das Gefühl, dass jemand für das Geschehene verantwortlich ist, und ich kann nicht sagen, wer das ist, aber ich weiß, dass ich es nicht bin." Jemand anderes sei dafür verantwortlich, dass die scharfe Munition an den Drehort gebracht wurde.

Er fügte hinzu: "Ich meine, ganz ehrlich, wenn ich mich verantwortlich fühlen würde, hätte ich mich vielleicht umgebracht [...]. Und das sage ich nicht leichtfertig."

Psychische und physische Probleme

Alec Baldwin teilte außerdem mit, dass er unter Nachwirkungen leide und dass er "ständig" von diesem Tag träume, insbesondere von Bildern von Waffen, was ihn nachts wachhalte. "Ich habe körperlich zu kämpfen. Ich bin davon erschöpft, weil ich versuchen muss, für meine Kinder da zu sein. Meine Familie ist alles, was ich habe. Ich schwöre bei Gott, meine Karriere ist mir völlig egal", sagte Baldwin, der sechs kleine Kinder und eine erwachsene Tochter hat.

Stephanopoulos fragte später: "Ist das das Schlimmste, was Ihnen je passiert ist?" Baldwin antwortete schnell: "Ja, genau. Denn ich denke zurück und überlege, was ich hätte tun können."

Halyna Hutchins "war fantastisch"

Über Halyna Hutchins sagte Alec Baldwin, sie sei "fantastisch" gewesen, ihre Arbeit "wunderbar". "Sie war jemand, der von allen, die mit ihr gearbeitet haben, geliebt wurde, und von allen, die mit ihr gearbeitet haben, gemocht und bewundert wurde", so der US-Star. Dann brach er in Schluchzen aus.

Er sagte, dass er nur noch selten Filme drehe, da er dafür lange Zeit von seiner Frau Hilaria (37) und den gemeinsamen Kindern getrennt sei. "Rust" habe er zugesagt, weil ihm das Drehbuch gefallen und er sich auf die Dreharbeiten in New Mexico gefreut habe. "Dieser Film hat mir wieder Spaß am Filmemachen gemacht", sagt er. "Ich dachte wirklich, es ist etwas Besonderes."

Die strafrechtliche Untersuchung des Vorfalls wird vom Büro des Sheriffs von Santa Fe County und der Staatsanwaltschaft des ersten Gerichtsbezirks von New Mexico durchgeführt und könnte Monate dauern. Baldwin sagte Stephanopoulos, er erwarte, dass Hutchins Ehemann, Matthew Hutchins, mit dem sie einen neunjährigen Sohn hatte, eine Klage wegen des Todes seiner Frau einreichen werde. "Wie könnte es anders sein? Seine Frau wurde getötet. Hier ist etwas passiert, das zum Tod seiner Frau geführt hat", sagte Baldwin.

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