Interview

"Rosenheim-Cops"-Star Karin Thaler über Affäre mit Kollege: "Er hat mir gutgetan"

Seit fast 25 Jahren steht Karin Thaler als "Marie Hofer" für die "Rosenheim Cops" vor der Kamera. Für ihre Biografie "Stark, weil ich stark sein musste – Die Doppelrolle meines Lebens" zeigt sich die Schauspielerin offen wie selten. Im Interview mit der AZ spricht die 60-Jährige über die Spielsucht ihrer Mutter, ihre große Liebe – und verrät, wie es bei den "Rosenheim-Cops" weitergeht.
von  Daniela Schwan
Karin Thaler steht seit 2002 als Marie Hofer für die "Rosenheim-Cops" vor der Kamera.
Karin Thaler steht seit 2002 als Marie Hofer für die "Rosenheim-Cops" vor der Kamera. © Martin Hangen

"Leben mit einem Dauerlächeln – aber heute ist es echt", fasst "Rosenheim-Cops"-Star Karin Thaler (60) ihre Memoiren zusammen. Am 1. April erscheint ihr Buch "Stark, weil ich stark sein musste – Die Doppelrolle meines Lebens" (Knaur Verlag). Mit der AZ sprach die Schauspielerin, die mit Ehemann Milos Malesevic (58) in Unterföhring und in einem kleinen Dorf an der Küste Sloweniens lebt, über die Spielsucht ihrer Mutter, ihre Affäre mit einem Schauspielkollegen und darüber, warum sie nie eigene Kinder wollte.

Karin Thaler: Senta Berger und ihr Mann haben mich entdeckt 

AZ: Frau Thaler, gerade halten wir Ihr Buch in den Händen, auf der Rückseite hat sich auch Senta Berger verewigt. Zu ihr gibt es ja auch eine Anekdote…
KARIN THALER: Senta und ihr leider inzwischen verstorbener Mann Michael Verhoeven haben mich 1986 entdeckt. Ich habe sie damals an einer Straßenbahnhaltestelle in Grünwald stehen sehen, sie war wunderschön, ich war fasziniert. Und schrieb ihr dann einen Brief, in dem ich ihr meine Bewunderung aussprach und um Tipps als junge Schauspielerin bat. Als Anschrift gab ich an: Senta Berger, Grünwald. Und stellen Sie sich vor: Zwei Wochen später hat sie mir geantwortet und mich zum Casting ihres Mannes für den Fernsehfilm "Gundas Vater" eingeladen, ich bekam prompt die Hauptrolle. Senta brachte mich obendrein zu ihrer Agentin Carla Rehm, ich landete bei einer der führenden Schauspielagenturen Deutschlands und meine Karriere ging beständig bergauf. Dafür bin ich ihr ewig dankbar, später durfte ich mit ihr auch in einer kleinen Rolle in "Die schnelle Gerdi" spielen, wir sind regelmäßig in Kontakt, sie ist eine ganz entzückende Person.

Karin Thaler: "Meine Mutter war ein grundguter Mensch, aber krank" 

Toll, dass Sie sich getraut haben, ihr einfach einen Brief zu schreiben. Das ist auch eine schöne Mutmacher-Message.
Trau dich, sei mutig, mehr als ein Nein kann es nicht geben! So hoffe ich auch, dass mein Buch mutmachend ankommt. Die große Botschaft, die ich weitergeben will, lautet: verzeihen und vergeben, anderen und vor allem auch sich selbst. Das war für mich der Anfang der Heilung. Meine Mutter Hedwig, um die es hier geht, hat es ja nicht böse gemeint, sie war ein grundguter, liebevoller Mensch, aber krank, sie hatte eine manisch-depressive Störung und war spielsüchtig. Ich bin stark geworden, weil ich stark sein musste. Aber nicht hart, im Gegenteil, ich bin der wohl weichste und einfühlsamste Mensch und versuche, niemanden zu verurteilen. Bei uns am Land in Deggendorf, wo ich herkomme, standen wir immer im Fokus und alle haben auf uns gedeutet, schon wegen meines Erzeugers Hannes, der kaum da war, immer andere Frauen hatte und mir nie ein Vater war. Aber ich hege keinen Groll gegen ihn, habe auch ihm verziehen.

Karin Thaler (l.) und Mutter Hedwig im März 1987. In ihrem neuen Buch "Stark, weil ich stark sein musste – Die Doppelrolle meines Lebens" berichtet die Schauspielerin offen von der Spielsucht ihrer Mutter, aber auch der großen Liebe, die sie bis heute mit ihr verbindet.
Karin Thaler (l.) und Mutter Hedwig im März 1987. In ihrem neuen Buch "Stark, weil ich stark sein musste – Die Doppelrolle meines Lebens" berichtet die Schauspielerin offen von der Spielsucht ihrer Mutter, aber auch der großen Liebe, die sie bis heute mit ihr verbindet. © imago

Spielsucht: Diese Familiengeheimnisse bewahrte Karin Thaler 

Tauchen wir doch mal tiefer ein: Ihre Mutter hatte, um ihre Spielsucht zu finanzieren, zweimal größere Geldsummen unterschlagen und landete nach einer missglückten Erpressung sogar im Gefängnis. Immer wieder haben Sie ihr aus der Patsche geholfen, sogar im sechsstelligen Bereich eine Bürgschaft für sie übernommen, jeden Drehjob angenommen und rund um die Uhr gearbeitet, um Ihrer Mutter zu helfen.
Ich habe mich schon früh für meine Mama verantwortlich gefühlt, sie war meine große Liebe und ich wollte einfach, dass es ihr gut geht. Nach außen hin habe ich gestrahlt und dauergelächelt, innerlich oftmals geweint. Am Set sagte man immer: "Hier kommt unser Sonnenschein!" Jedenfalls hat die Mama immer wieder neue Lügen erfunden, sie war sehr manipulativ, hat mich immer wieder beschwichtigt und zugleich immer mehr Schulden gemacht in unserem gesamten Umfeld. Und ich habe es als meine Mission gesehen, für sie da zu sein, habe das Familiengeheimnis nach außen hin vertuscht, bin damals sogar im Fahrwasser meiner Mama mitgeschwommen: Notlügen, Halbwahrheiten, Schönrederei, um uns zu schützen und das Gesicht zu wahren.

Karin Thalers Motto: "Kämpfen und weiterkämpfen!"

Das ganze Spielsucht-Ausmaß haben Sie dann erst nach dem Tod Ihrer Mutter vor vier Jahren realisiert.
Ja! Beim Ausräumen haben wir ihre Aufzeichnungen, ihre Lebensgeschichte, genannt "Mein anderes Leben", gefunden, da hatte sie alles haargenau beschrieben. Als ich das gelesen habe, habe ich mich gefühlt, als hätte man mir einen Gedanken in den Kopf implantiert! Ich habe mich mit meinen Lieben besprochen und irgendwann beschlossen, ein Buch zu schreiben mit der ganzen Wahrheit. Ein Buch voller Liebe und Wertschätzung, aber auch mit den Fakten und meinen Gefühlen. Vielleicht auch als Lebenshilfe für andere! Das Motto: kämpfen und weiterkämpfen! Aber ich wollte auch mein eigenes Saubermann-Image zurechtrücken, nämlich, dass ich NICHT mit dem goldenen Löffel geboren wurde und mein Leben nicht immer perfekt verlief, was viele glauben! Ich war immer extrem fleißig, habe bisher in mehr als 100 TV-Produktionen und Serien mitgewirkt. Als ich das fertige Buch jetzt in den Händen hielt, habe ich mich gefreut wie ein Schnitzel, mit meiner Ghostwriterin Carina Heer saßen wir letztendlich elf Monate dran, haben gemeinsam jeden Monat ein Kapitel erarbeitet. Vor jedem ersten Gespräch hatte ich Schiss, ich habe alles gesagt bis auf Sexdetails (lacht). Ich war und bin stolz, ich war erleichtert, ich habe das Buch gerochen und an mich gedrückt.

Karin Thalers Buch "Stark, weil ich stark sein musste – Die Doppelrolle meines Lebens" (Knaur Verlag) erscheint am 1. April.
Karin Thalers Buch "Stark, weil ich stark sein musste – Die Doppelrolle meines Lebens" (Knaur Verlag) erscheint am 1. April. © privat

Nach ihrem Tod: Karin Thaler hat Mutter "verziehen und vergeben"

Wie geht es Ihnen heute?
Heute denke ich voller Liebe an meine Mama. Ich habe mich befreit, verziehen und vergeben. Ich habe nach wie vor ein hohes Energielevel und bin eine extreme Lachwurzn, wie man in Bayern sagt. Und ich habe das innere Kind in mir wiederentdeckt, das versuche ich mit allem, was mir zur Verfügung steht, zu schützen, lasse keine toxischen Menschen mehr näher in mein Umfeld und mich durch nichts mehr vergiften. Ich will mir selbst am wertvollsten sein, mir guttun! Diese Botschaft, sich selbst lieb zu haben, möchte ich auch jungen Mädels mit auf den Weg geben. Darin hat mich auch meine Mama immer sehr bestärkt, wahrscheinlich konnte ich deswegen alles so gut verkraften.

Über ihre Kindheit: "Meine Mama war Liebe pur"

Inwiefern?
Mama hat immer gesagt: "Du bist die Tollste, die Schönste, die Klügste, die anderen können einpacken, wenn du kommst". Wenn du das über Jahrzehnte hinweg immer wieder hörst, dann glaubst du es, ob es stimmt oder nicht. Meine Mama war Liebe pur, bei uns wurde viel gekuschelt und gebusselt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass das Ganze anders verlaufen wäre, ich bin ja über 20 Jahre lang für sie aufgekommen. Aber meine Mutter hat mir eben auch gezeigt, welche Kraft die Liebe hat!

Trotz ihrer Spielsucht: "Meine Mama war Liebe pur", sagt Karin Thaler im Gespräch mit der AZ über Mutter Hedwig.
Trotz ihrer Spielsucht: "Meine Mama war Liebe pur", sagt Karin Thaler im Gespräch mit der AZ über Mutter Hedwig. © privat

"Ein Wahnsinns-Typ": Karin Thaler über ihre Affäre mit Sascha Hehn

Apropos: In Ihrer Autobiografie legen Sie auch ein paar Affären an den Tag, unter anderem geht es um Ihre zweite große Liebe. Nämlich mit dem Schauspielkollegen Sascha Hehn, mit dem Sie auch unter anderem 1992 "Ein Engel für Felix" gedreht haben.
Meine Mama und meine Freundin Tine sagten damals: "So ein Wahnsinns-Typ der Sascha Hehn, in den wirst du dich sofort verlieben!" Ich lachte und sagte: "So ein Schmarrn, auf keinen Fall." Doch ein Blick von ihm genügte, und ich war hin und weg (lacht). Die eineinhalb Jahre mit dem Sascha waren für mich eine positive Zeit nach meiner unglücklich verlaufenen ersten Liebe, er hat mein Selbstwertgefühl gesteigert, ich habe mich mit ihm wohlgefühlt, er hat mir gutgetan! Leider haben wir uns inzwischen aus den Augen verloren, ich habe nicht mal mehr eine aktuelle Telefonnummer von ihm.

Karin Thaler und Sascha Hehn bei den Dreharbeiten zu "Ein Engel für Felix". Auch abseits des Sets knistert es gewaltig.
Karin Thaler und Sascha Hehn bei den Dreharbeiten zu "Ein Engel für Felix". Auch abseits des Sets knistert es gewaltig. © imago

Große Liebe: Das ist Karin Thalers Ehemann Milos

Zu Ihrer wirklich großen Liebe, dem Musiker Milos Malesevic, den Sie 1997 standesamtlich und 2019 in einer romantischen Zeremonie auf den Malediven nochmals geheiratet haben.
Es heißt ja: in guten wie in schlechten Zeiten. Wir haben mit den schlechten angefangen! Die ersten Jahre waren geprägt von Existenzängsten, Sorgen, wir mussten uns so viel verwehren, konnten nicht reisen, sind kaum essen gegangen, konnten uns nichts leisten. Die Liebe und Begierde waren da. Er ist ein wahrhaftiger, ein richtiger Mann, der mich beschützt, auch manchmal vor mir selbst. Als mir die Situation mit meiner Mama über den Kopf gewachsen war, wollte ich alles aufgeben, meinen Job, meine Ehe. Doch Milos hat gekämpft und sich nicht wegstoßen lassen. Seine Liebe war stärker als alles! Später sagte er mal: "Es ging doch nur um Geld!" Milos war immer schon ein Macher, er ist zuverlässig und klug, er weiß, wie er mich glücklich machen kann. Ich bin im Beruf stark, aber privat liebe ich es, auch mal das Weibchen zu sein, mich beschützen zu lassen.

Die große Liebe ihres Lebens: Karin Thaler und Ehemann Milos Malesevic sind seit fast 30 Jahren verheiratet.
Die große Liebe ihres Lebens: Karin Thaler und Ehemann Milos Malesevic sind seit fast 30 Jahren verheiratet. © privat

Karin Thaler hat keine Kinder: "Das entscheidest du, es ist dein Körper!"

Haben Sie – vielleicht unbewusst – wegen Ihrer von Verantwortung geprägten Zeit in Bezug auf Ihre Mutter vielleicht deshalb nie eigene Kinder in die Welt setzen wollen?
Bestimmt! Ich war immer so extrem in der mir selbst aufgebürdeten Pflicht - als es ein bisschen leichter wurde, hätte ich es mir gar nicht vorstellen können, nochmals alles zu geben. Was ich sicherlich getan hätte, denn ich bin so ein Typ. Aber da dachte ich mir: Jetzt bin ich mal dran, jetzt kommt meine Zeit, ich will frei sein, ich will leicht sein und nicht schon wieder verantwortlich eingebunden werden. Mein Mann hatte schon mal eine Phase, in der er gerne ein Kind gehabt hätte, er sagte aber dann: "Das entscheidest du, es ist dein Körper!"

Als "Marie Hofer": So geht es mit den "Rosenheim-Cops" weiter 

Wie geht es mit der erfolgreichen ZDF-Serie "Die Rosenheim-Cops" mit Ihnen als Bäuerin und Stadträtin "Marie Hofer" weiter?
Ab Mitte April drehen wir 24 neue Folgen. Insgesamt drehe ich etwas weniger, was aber dem Zuschauer gar nicht so auffällt (lacht). Mit der Marisa Burger bin ich noch in Kontakt, wir haben erst vor ein paar Tagen telefoniert. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, die Sarah Thonig tritt ja eine große Erbschaft von ihr als Sekretärin des Polizeipräsidiums an, sie ist auch eine Sympathieträgerin. Ich finde es clever von der Produktion, dass sie jemanden intern aus der Serie übernommen haben. Und ich selbst wurstel mich noch ein bisschen durch, solange sie mich haben wollen und solange ich mich anschauen mag! Die Anfragen an sich sind aber viel weniger geworden und kommen nur noch tröpfchenweise. Das ist mit Sicherheit dem Alter geschuldet, obwohl ich damit gar nicht hadere, denn ich mag mich und finde mich gut.

Verraten Sie uns noch Ihr persönliches Resümee?
Ich bin dankbar, dass wir so die Kurve gekriegt haben und uns inzwischen sogar in Milos' Heimat in Slowenien am Meer eine kleine Wohnung erarbeiten konnten. Dort verbringen wir so viel Zeit wie möglich, fahren mit dem Boot hinaus und fischen. Ostern sind wir dort, ich gehe ja schon ab 15 Grad ins Meer. Beim Tauchen fällt auch jeglicher Druck von mir selbst ab, dabei habe ich es gelernt, den Moment zu genießen… Ich bin eine Durchhalterin und eine treue Seele, stehe seit 40 Jahren vor der Kamera und seit 25 Jahren für "Die Rosenheim-Cops", bin seit über 30 Jahren mit meinem Milos zusammen und seit 50 Jahren mit meiner besten Freundin Tine, die mit mir durch dick und dünn geht und mein zweiter lebender Schutzengel ist. Ich mag mein Leben so, wie es im Augenblick ist.

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