Interview

Reiner Schöne: Deutsche Stimme von "Darth Vader" verliebte sich in Maskenbildnerin

Er ist die deutsche Stimme von "Darth Vader" oder "Optimus Prime" und stand bereits mit Hollywood-Größen wie Clint Eastwood vor der Kamera: Der deutsche Schauspieler und Synchronsprecher Reiner Schöne (84) beschreibt seine bewegte Karriere in seiner Autobiografie. Der AZ verrät er, woran er sich besonders erinnert, welche Art Vater er ist – und was es mit seinem "Ich-verliebe-mich-schnell-Gen" auf sich hat.
von  Daniela Schwan
Der Schauspieler, Synchronsprecher und Musiker Reiner Schöne (84) hat seine Autobiografie auch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vorgestellt.
Der Schauspieler, Synchronsprecher und Musiker Reiner Schöne (84) hat seine Autobiografie auch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vorgestellt. © IMAGO/Christian Grube

Er ist einer der ganz Großen, und das nicht nur wegen seiner 1,94 Meter: Der Schauspieler und Synchronsprecher Reiner Schöne (84, u. a. die deutsche Stimme von Willem Dafoe und Mickey Rourke) gibt in seiner jüngst erschienenen Autobiografie "Immer Sehnsucht nach der Ferne - mein Leben" (Knabe, 32 Euro) fesselnde Einblicke in seine Gedanken und Erlebnisse - geprägt von Kampfgeist, Humor, Glück und eisernem Durchhaltevermögen.

Reiner Schöne: "Eine Biografie zu schreiben, gleicht einem Tsunami"

AZ: Herr Schöne, Flüchtlingslager, Durchbruch in München, Hollywood-Glamour neben Clint Eastwood, Lee van Cleef, Kris Kristofferson, große persönliche und berufliche Erfolge, herbe Schicksalsschläge, wie der Selbstmord Ihrer Oma - und alles mit einer Leichtigkeit verfasst. Was hat Sie beim Schreiben am meisten gebeutelt?
REINER SCHÖNE: Eine Biografie zu schreiben, gleicht einem Tsunami. Nun hat mich die Monsterwelle durch acht Jahrzehnte getragen. Man kann leicht in die verschiedenen geschichtlichen und politischen Epochen eintauchen und in Situationen, die sich heute keiner mehr vorstellen kann, zum Beispiel, dass man statt Toilettenpapier zerknüllte Zeitungen benutzte. Mir sind manchmal die Tränen gekommen. Als ich 1985 den Jungs meiner Band - wir spielten deutschsprachigen Rock - sagte, dass ich nach Amerika gehe. Wer weiß, wie es sonst gekommen wäre. Peter Maffay sagte uns nach einem Gig: "So ‘ne Band hätte ich auch gerne." Mir sind aber auch meine vier verschiedenen Lebensabschnitte so richtig bewusst geworden: DDR in der Nachkriegszeit, 17 Jahre Bundesrepublik, Hollywood, von dort zurück nach Berlin.

Durchbruch in München als Musical-Hauptdarsteller in "Hair" 1968

Und München, nicht zu vergessen! Da, wo 1968 mit dem Musical "Hair" im damaligen Theater an der Briennerstraße Ihr großer Durchbruch kam.
München hat mich, nachdem ich damals aus dem Flüchtlingslager in Berlin-Marienfelde kam, wunderbar empfangen! Im Lager hatte ich aufgrund einer Empfehlung Hans R. Beierlein, Udo Jürgens Manager, angerufen. So hatte ich kurz darauf Verträge mit dem Montana-Management und Ariola und einen Vorschuss von 1000 Mark. Ich habe ein gesichertes Leben verlassen im Osten und ging in eine ungewisse Zukunft, weil ich raus wollte! Und dann beschert mir der Himmel gleich so einen Start! Andere sind an der Mauer erschossen worden und ich kriegte eine Einladung, um in Westberlin zu singen. So bin ich abgehauen. Über ein Jahrzehnt war München ein Stück Heimat für mich – und ist es noch immer. Mit Marianne Sägebrecht habe ich in den 1970er Jahren das Revue-Kabarett "Opera curiosa" im "Marienkäfer" in Schwabing gemacht, auch das sind schöne Erinnerungen.

Reiner Schönes Autobiografie "Immer Sehnsucht nach der Ferne - mein Leben" erschien im Knabe Verlag.
Reiner Schönes Autobiografie "Immer Sehnsucht nach der Ferne - mein Leben" erschien im Knabe Verlag. © Knabe Verlagsgruppe

Der Liebe wegen: Von Hollywood zurück nach Deutschland 

Dann die 20 Jahre in Hollywood. Sie drehten unter anderem "Star Trek - The Next Generation". Der Liebe wegen sind Sie nach Deutschland zurückgekehrt. Es folgten Kinohits wie Bullys "(T)Raumschiff Surprise". Sie sind die deutsche Synchronstimme von "Darth Vader". Und gerade standen Sie für einen "Tatort" vor der Kamera.
Ich habe noch viel vor. Eine Kinderbuchreihe mit dem Knabe Verlag ist in Arbeit. Aus meinem bereits erschienenen Fantasy-Buch "Das gläserne Buch" machen gerade die "Independent Hoschis" drei Comics. Das soll dann noch ein Anime-Film werden.

Ein Foto aus den 70er Jahren: Reiner Schöne arbeitete auch mit Schauspielerin Senta Berger.
Ein Foto aus den 70er Jahren: Reiner Schöne arbeitete auch mit Schauspielerin Senta Berger. © Schneider-Press/Erwin Schneider

Schöne: "Ich werde nie erwachsen"

Wie sind Sie als Vater Ihrer Töchter Sophie Charlotte (20) und Luise (14)?
Ich war 64, als mein erstes Kind zur Welt kam. Man hat eine größere Gelassenheit. Obwohl – ich werde nie erwachsen, bin Berufsjugendlicher, habe den Humor meiner Mutter Lilo geerbt.

Also wird man mit fortschreitenden Jahren nicht ruhiger?
No way! Erfahrener und souveräner auf jeden Fall. Auf mich trifft Friedrich Nietzsches Weisheit aus "Zarathustra" zu: "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."

Reiner Schöne und die Liebe: So lernte der Schauspieler seine Frau Anja kennen

Sie schreiben auch über Ihr "Ich-verliebe-mich-schnell-Gen".
Das schlug das letzte Mal zu, als ich 1999 meine Frau Anja kennenlernte! Vorher haben sich schon mal Beziehungen überlappt. Das erste Mal verliebt war ich mit sieben Jahren, in eine Klassenkameradin, die das nie erfahren hat. Ich hatte ihr einen Liebesbrief geschrieben und ihn auf dem Weg zu ihr verloren. Mein Bruder ging hinter mir und hat ihn gefunden und mich ewig damit aufgezogen.

Reiner Schöne und Frau Anja vor Kurzem farbenfroh beim Fashion Raceday auf der Rennbahn Hoppegarten in Brandenburg.
Reiner Schöne und Frau Anja vor Kurzem farbenfroh beim Fashion Raceday auf der Rennbahn Hoppegarten in Brandenburg. © IMAGO/Agentur Baganz

Ihre Verbindung mit Anja, mit der sie seit 16 Jahren verheiratet sind, bezeichnen Sie als "Happy End in der dritten Ehe".
Ich habe 1999 im Berliner Dom den "Jedermann" gespielt, Anja war meine Maskenbildnerin. Nach der letzten Vorstellung habe ich sie zum Essen eingeladen - und wir haben uns verliebt. Ich lebte noch in L.A. Dann habe ich den Song "Long Distance Lovers" geschrieben. Ich bin kein Typ für eine Fernbeziehung, also habe ich mich ins Flugzeug gesetzt und bin zu ihr nach Berlin geflogen. Als unsere erste Tochter kam, war mir klar: Wir werden nicht mehr nach Amerika zurückgehen. Zu gefährlich, zu viele Waffen, zu viele Attentate. Auch wenn die Sehnsucht nach Kalifornien bleibt.

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