"Pure Angst": Marine-Soldatin packt in der ARD über ihr Bundeswehr-Martyrium aus

In der am Dienstagabend (29. September) im Ersten ausgestrahlten "Report Mainz"-Reportage "Belästigt. Gemobbt. Missbraucht. Soldatinnen in Gefahr?" spricht die heute 19-jährige Sina F. über ihre Erfahrungen und darüber, wie sehr sie die Erlebnisse bis heute verfolgen.
Nach ihrer Grundausbildung kommt Sina in eine Kaserne in Norddeutschland. Sie berichtet von Schikanen: Sie habe bellen und Gegenstände ablecken müssen. Gleichzeitig sei ihr gedroht worden, dass sie eine schlechte Bewertung bekomme, sollte sie die Forderungen nicht erfüllen. Doch damit nicht genug. Ein Kamerad sei immer aufdringlicher geworden und habe sie ungefragt berührt. Dann sei es zu einem Vorfall gekommen, der besonders verstörend ist.
"Er hatte mir seinen speichelnassen Finger ins Ohr gesteckt und mich gefragt, ob mir das gefallen würde, und ob ich noch mal etwas von ihm so tief in mir haben wollen würde", erzählt die junge Frau. Sina habe nicht gewusst, wie sie reagieren solle. Dennoch habe sie an das System geglaubt und den Vorfall gemeldet. Doch Unterstützung von Vorgesetzten habe sie keine erfahren.
"Ich fühle mich von der Bundeswehr im Stich gelassen"
Stattdessen sei sie als "Meldeschlampe" beleidigt worden. Nachts sei gegen die Tür ihrer Stube getreten und geschrien worden. Monatelang habe sie nur noch in "purer Angst" gelebt. Die psychische Belastung sei schließlich so groß geworden, dass Sina nicht mehr weiter gewusst habe. "Ich wollte irgendwann nicht mehr leben. Ich wollte nur noch sterben", erklärt die junge Frau in der Doku. Immer wieder habe sie bei Vorgesetzten, Gleichstellungsbeauftragten und Truppenärzten um Hilfe gebeten. Doch sie habe "keine Hilfe bekommen". Ein Truppenarzt habe sie nicht länger krankschreiben wollen. Psychologische Probleme seien kein Grund, krank zu sein.
Sina leidet heute unter einer schweren Depression und einer posttraumatischen Belastungsstörung. Wie es für sie bei der Bundeswehr weitergeht, ist ungewiss. Ihr Vertrauen in den Dienstherrn ist verloren gegangen. Dabei habe sie einst große Pläne gehabt. "Ich fühle mich von der Bundeswehr im Stich gelassen. Ich wollte alles tun für die Bundeswehr. Ich habe da meine Zukunft gesehen."
Die Reportage "Belästigt. Gemobbt. Missbraucht. Soldatinnen in Gefahr?" ist in der ARD-Mediathek verfügbar.