Promis nehmen Abschied: "In diesem Moment zeigte Mario Adorf seinen wahren Charakter"

Mit Mario Adorf verliert die Film- und Fernsehlandschaft eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Über Jahrzehnte hinweg begeisterte der gebürtige Züricher mit markanter Stimme, großer Präsenz und unverwechselbarem Charisma ein Millionenpublikum – in Deutschland ebenso wie international. Ob im Kino, im Fernsehen oder auf der Bühne: Adorf gehörte zu den wenigen Schauspielern, die Generationen von Zuschauern geprägt und die Branche nachhaltig beeinflusst haben. Adorf schlief am Mittwoch (8. April) in seiner Pariser Wohnung ein. Ehefrau Monique (81) fand ihn leblos in seinem Bett. Er wurde 95 Jahre alt.
Entsprechend groß ist die Trauer bei Publikum, Wegbegleitern und Prominenten:
Christine Neubauer sagt der AZ: "Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Mit dem Tod von Mario Adorf ist für mich nicht nur ein großer Schauspieler gegangen, sondern auch ein Mensch, der mich auf ganz besondere Weise begleitet hat. Ich durfte mehrfach mit ihm drehen, sogar in einer Zeit, in der ich selbst noch ganz am Anfang stand. Diese Begegnungen haben mich geprägt. Als Kollege war er warmherzig, aufmerksam und von einer Größe, die man nicht lernen kann. Als Mensch habe ich ihn von Herzen geschätzt."

Christine Neubauer: "Für mich war er immer eine Legende"
Neubauer meint weiter: "Und doch trägt meine Erinnerung noch eine andere, fast kindliche Facette in sich: Als junge Zuschauerin, als Winnetou-verliebtes Mädchen, hatte ich eine unglaubliche Antipathie. Nicht wirklich zu ihm, sondern zu seiner Rolle. Aber genau darin lag seine unglaubliche Kraft. Er war so überzeugend, so wahrhaftig in seinen Rollen, dass man gar nicht anders konnte, als mitzufühlen. Dieses 'Groll-Gefühl' war in Wahrheit nichts anderes als Bewunderung für sein außergewöhnliches Talent. Für mich war er immer eine Legende. Einer von denen, die das Kino größer gemacht haben, die Geschichten zum Leben erwecken konnten, wie es nur die ganz Großen vermögen. Und wieder verlässt einer dieser Großen die Bühne. Einer der Stars, die diese Filmwelt geprägt haben wie nur wenige. Was bleibt, ist Dankbarkeit und eine tiefe, leise Wehmut."
Heiner Lauterbach: "Ein letzter Gruß von mir an den großen Mario Adorf"
Heiner Lauterbach richtet einen letzten Gruß an Adorf: "Lieber Mario, schon als Kind hatte ich Bilder von dir über meinem Bett hängen. Aus den alten Karl-May-Filmen. Du hast in diesen Filmen meist die Bösewichte gespielt. In Wirklichkeit warst du ein herzensguter Mensch, ein großer Kollege und wahrer Freund. Ich erinnere mich noch, als wir uns näher kennenlernten, am Set vom 'Schattenmann', bei dem ich wochenlang an deiner Seite spielen durfte. Ich habe so viel von dir gelernt. Natürlich als Schauspieler: wie demütig man in diesem Beruf sein muss, wie fleißig, wie zielstrebig, wie fantasievoll und wie geduldig. Wie man mit seinen Kollegen umgehen sollte. Und dem ganzen Team natürlich. Aber auch, wie man sich durchsetzt, seine Meinung vertritt, speziell den Oberen gegenüber. Wie man für seine Sache und seine Ansichten kämpfen sollte. All das hast du mir beigebracht, oder hast es zumindest versucht. Und dafür bin ich dir unendlich dankbar. Mach’s gut, alter Freund, wo immer du im Moment auch sein magst. Wir sehen uns… Dein Heiner."

Veronica Ferres: "Es fällt mir unendlich schwer, Worte zu finden"
Schauspielerin Veronica Ferres meint: "Bei 'Rossini' begegnete ich dem Superstar Mario Adorf zum ersten Mal und durfte den privaten Mario dann näher kennenlernen." Dann spricht sie ihn direkt an: "Du warst einer der warmherzigsten Menschen, der mir je begegnet ist. Wenn ich an dich denke, sehe ich nicht nur den großen Schauspieler, den alle bewundert haben. Ich sehe den herzlichen und humorvollen Menschen, mit dem ich so viele kostbare Momente teilen durfte. Du hast mir Vertrauen geschenkt, mich inspiriert und mich immer wieder daran erinnert, warum wir diesen Beruf lieben. Nicht wegen des Ruhms, sondern wegen der Menschen, der Begegnungen, der Wahrheit in einem Moment. Jetzt bist du nicht mehr hier, und da ist eine Leere, die sich kaum beschreiben lässt. Ich bin dankbar, dich gekannt zu haben. Dankbar für jede Minute, die wir teilen durften. Du fehlst."

Florian Silbereisen: "Auch im Himmel wird man ihm gerne zuhören"
Florian Silbereisen trauert in der AZ. Adorf war 2016 beim Entertainer in der ARD-Sendung: "Ich werde seinen Auftritt, in unserer 'Adventsfest'-Show nie vergessen: Er war wirklich ein ganz Großer! Auch im Himmel wird man ihm gerne zuhören, wenn er mit seiner Weisheit und einem Schmunzeln Geschichten erzählt..."

"Mario Adorf war selbst beim Dinner ein Schauspieler. Er war immer lustig"
Frederic Prinz von Anhalt erfährt von der AZ vom Tod von Mario Adorf. Seine Stimme bricht: "Ich bin schockiert. Das gibt's doch gar nicht. Das geht mir jetzt sehr nahe. Ich erinnere mich gerne an unsere gemeinsame Zeit in London. Wir waren jedes Mal im Hotel Claridge's beim Dinner. Selbst am Tisch war Mario Adorf Schauspieler. Er war immer munter, fröhlich und lustig. Seine Sprüche waren urkomisch und treffend. Mario blieb immer bodenständig, sich immer treu und den Menschen, die er mochte, loyal. Ich werde seine Schnauze sehr vermissen."
Roberto Blanco: "Alle Momente mit ihm waren besonders"
Roberto Blanco zur AZ: "Ich kannte ihn sehr lange und gut. Wir haben uns immer wieder getroffen, sei es auf Events, bei privaten Festen oder auch in der Lounge von Lufthansa. Alle Momente mit ihm waren besonders, wir haben uns viel über das Showbiz und das Leben ausgetauscht. Es tut mir sehr leid, dass er nun nicht mehr unter uns weilt. Das Leben geht weiter. Zu seinem letzten Geburtstag konnten wir leider nicht persönlich erscheinen, aber wir haben ihm ein schönes Video mit Glückwünschen geschickt. Er war ein toller Schauspieler und Freund."
Heinz Hoenig: "Der Abschied fühlt sich an, wie das Ende eines Kapitels"
Schauspieler Heinz Hoenig zur AZ: "Mario und ich haben einige wunderbare Filme (u.a. "Der Schattenmann") zusammengedreht. Ich habe ihn als Kollegen immer sehr geschätzt. Mario war eine Ausnahmeerscheinung des deutschen Films, ein Schauspieler mit enormer Präsenz und Tiefe, ein Vorbild, das Generationen geprägt hat. Die Nachricht über seinen Tod macht mich sehr traurig. Mit Mario verlieren wir einen großartigen Schauspieler und eine Persönlichkeit. Der Abschied fühlt sich an, wie das Ende eines Kapitels, dass uns alle ein Stück begleitet hat. Seine Werke bleiben – und mit ihnen, ein Stück von ihm. Danke für all die Geschichten, die bleiben!"

"Es gibt eine Anekdote, die für ihn und seine Art Menschsein stand"
TV-Star Julian F.M. Stoeckel erinnert sich in der AZ: "Mario Adorf hat über die Grenzen des deutschsprachigen Raums gedreht und war damit DER deutsche Schauspieler, u.a. mit Billy Wilder. Kein Deutscher war so international berühmt wie Mario Adorf. Meine Freundin Hannelore Elsner hatte ihn mir mal vorgestellt. Die kannten sich ja über 50 Jahre. Ich durfte Mario Adorf danach noch einmal von einer anderen Seite kennenlernen."

Stoeckel erzählt der AZ von einem ganz besonderen Adorf-Moment: "Es gibt eine Anekdote, die für ihn und seine Art Menschsein stand. Bei der Trauerfeier für Hannelore Elsner saß ich hinter Hannelores Sohn und fragte meinen Freund, wo denn Mario Adorf bleibe. Er kam als allerletzter in die Kirche, hat sich nicht fotografieren lassen und hat sich hinten irgendwo hingesetzt, um für sich zu trauern. Das zeigte seinen wahren Charakter und Stil, dass er sich nicht in den Mittelpunkt gerückt und selbst zelebriert hat. Beim anschließenden Leichenschmaus war Mario Adorf die tiefe Trauer über den Tod von Hannelore Elsner deutlich ins Gesicht geschrieben. Mario Adorf war eine besondere, integre Persönlichkeit, die man heutzutage gar nicht mehr findet."
Markus Söder: "Mario Adorf ist Teil bayerischer Fernsehgeschichte"
Ministerpräsident Markus Söder: "Deutschland verliert einen Giganten des deutschen Films. Mario Adorf war ein Schauspieler mit unglaublicher Wucht, großem Charisma und einer unverwechselbaren Stimme. Er hat seine Rollen nicht nur gespielt, sondern gelebt. Seine Schauspielkunst war kraftvoll und vielschichtig zugleich – er beherrschte das Laute und Raue genau wie das Leise und Verletzliche. Mario Adorf war auf der Leinwand wie im Leben ein echter Charakterkopf. Bedeutende Filmproduktionen wie 'Die Blechtrommel', 'Rossini' und 'Winnetou' stehen für sich. Bayern war dabei ein wichtiger Anker seines Lebens: Seine große Schauspielkarriere begann in München und mit der Rolle als Heinrich Haffenloher in 'Kir Royal' ist Mario Adorf Teil bayerischer Fernsehgeschichte. In diesen schweren Stunden gilt seiner Familie und allen Angehörigen unser tiefes Mitgefühl. Bayern wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren und sein Wirken in dankbarer Erinnerung halten."