Promi-Umweltschützer Hannes Jaenicke über Wal Timmy: "Nichts kann ihn mehr retten"

Das Schicksal des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals Timmy beherrscht die Schlagzeilen. Auch Hannes Jaenicke verfolgt die Geschehnisse um die geplante Rettungsaktion – doch der Schauspieler und Umweltaktivist hat nur wenig Hoffnung.
von  Sven Geißelhardt
Hannes Jaenicke spricht mit der AZ über seine neue Kampagne zum Umwelt- und Artenschutz und das Drama um Buckelwal Timmy.
Hannes Jaenicke spricht mit der AZ über seine neue Kampagne zum Umwelt- und Artenschutz und das Drama um Buckelwal Timmy. © Alexander von Spreti

Hannes Jaenicke hat genug. Der Schauspieler kann nicht mehr tatenlos die Zerstörung der Umwelt und das daraus resultierende Leid für Tier und Mensch mit anschauen. Mit seiner Stiftung "Pelorus Jack Foundation" will er Aufmerksamkeit schaffen und eine Veränderung bewirken. Die AZ hat ihn bei einer ganz besonderen Aktion in München getroffen – und dabei mit ihm über das Thema gesprochen, welches aktuell alle Schlagzeilen in Deutschland beherrscht: das Drama um den gestrandeten Buckelwal Timmy.

Hannes Jaenicke startet bundesweite Umweltkampagne in München

Mit seiner Stiftung setzt sich Hannes Jaenicke seit Jahren für Umwelt-, Klima- und Artenschutz ein. Dafür hat der Schauspieler eine Spendenkampagne geplant, die bundesweit am 1. Mai starten wird. In Zusammenarbeit mit Unternehmen der digitalen Außenwerbung, der "It Works Group" und dem "Institute for Digital Out of Home Media" (IDOOH), will Jaenicke noch in diesem Jahr eine Million Euro sammeln, um 50.000 Hektar Regenwald in Indonesien zu erwerben. Damit soll der Lebensraum von dort heimischen Tieren, wie Orang-Utans, Gibbons und Makaken gerettet werden, der durch die Industrie immer weiter zerstört wird.

Gestrandeter Wal Timmy: Kinostar und Umweltaktivist spricht Klartext

Mit der "Pelorus Jack Foundation" setzt sich Hannes Jaenicke aber auch für den Erhalt der maritimen Umwelt ein – immerhin ist der Namensgeber seiner Stiftung der weltbekannte Rundkopfdelfin Pelorus Jack, der Anfang des 20. Jahrhunderts Schiffe vor Neuseeland lotste. Die Berichterstattung um den Buckelwal Timmy, der an der Ostseeküste gestrandet ist und seit Wochen ums Überleben kämpft, lässt auch den 66-Jährigen nicht kalt.

Ein Rettungsteam versucht dem gestrandeten Buckelwal Timmy zu helfen.
Ein Rettungsteam versucht dem gestrandeten Buckelwal Timmy zu helfen. © imago/SNS UG

Am 23. März saß der Buckelwal erstmals auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand fest. Bereits Tage zuvor hatte es immer wieder Meldungen über Wal-Sichtungen an der Ostsee gegeben. Die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd stellte schnell fest, dass Timmy Teile eines Netzes am Maul und höchstwahrscheinlich auch im Magen hat. Das Tier konnte am 27. März kurzfristig aus seiner misslichen Lage befreit werden, strandete aber nur wenige Tage später am 30. März vor der Insel Poel. Von dort konnte er bislang noch nicht befreit werden, eine Rettungsmission soll erneut starten.

"Aktuell schreien alle laut über Timmy den Ostsee-Wal", sagt Hannes Jaenicke im persönlichen AZ-Gespräch. "Er verendet an einem Geisternetz, [....] – der kann das nicht überleben." Die Schuld sieht der Schauspieler klar bei uns Menschen: "Er ist also ein Opfer unseres Fischkonsums."

Dieser Wal verendet wegen unseres Appetits auf Fisch, und nichts kann ihn mehr retten. Es ist eine Tragödie, die sich vor unseren Augen abspielt.

- Hannes Jaenicke über den gestrandeten Buckewal Timmy.

Dass Timmy derart im Fokus der deutschen Medien steht, verwundert Hannes Jaenicke dabei nicht. Die Empathie für das Tier, die bei vielen Menschen ausgelöst wird, findet er "großartig", gibt dabei aber zu bedenken: "Wir schlachten jeden Tag in Deutschland 35 Millionen Tiere, denen es keinen Deut besser geht als Timmy. Und keiner redet über die Fischerei-Industrie. Warum sind Stellnetze oder der Einsatz von Grundschleppnetzen in maritimen Schutzgebieten vor der deutschen Küste immer noch erlaubt? Dieser Wal verendet wegen unseres Appetits auf Fisch, und nichts kann ihn mehr retten. Es ist eine Tragödie, die sich vor unseren Augen abspielt."

Hannes Jaenicke hofft auf Umdenken: "Kann einen positiven Effekt haben"

Die Aufmerksamkeit für das Thema Umwelt- und Artenschutz findet Hannes Jaenicke gut und richtig. Dennoch übt er auch Kritik. "Warum ist ein Kalb, eine Pute, ein Schwein oder eine Kuh weniger wert als dieser Wal? Ein Schwein zu schlachten ist kein schöner Vorgang und die Haltung dieser Tiere im Kastenstand ist eine bestialische Quälerei", sagt der TV- und Kinostar der AZ. "Ich finde die Diskussionen rund um die Timmy-Thematik wichtig, aber zu kurz gedacht."

Dennoch hofft Hannes Jaenicke, dass sich aus dem Drama um Buckelwal Timmy etwas Positives entwickeln kann. Eine Diskussion über die Gründe, "warum Wale anstranden und verenden – nämlich aufgrund der Fischereipraktiken, des Schiffsverkehrs und der Lärmbelastung unter Wasser – kann durchaus einen positiven Effekt haben". Der Schauspieler hofft darauf, dass sich die aktuelle Situation in Zukunft weiterentwickelt: "Die Leute fahren hin, bemitleiden den Wal auf seiner Sandbank und essen später ein Fischbrötchen. Wissenschaftliche Schätzungen besagen, dass etwa 650.000 Meeressäuger jedes Jahr an Geisternetzen und Plastikmüll ersticken. Wenn ein Schweinswal in der Nord- oder Ostsee stirbt, kriegt das niemand mit, weil es keiner sieht. Ich hoffe, dass Timmy ein Anstoß ist, darüber nachzudenken, wie wir unsere Meere und das Leben darin besser schützen können."

Ob der Buckelwal es schaffen wird, mit viel Hilfe und Unterstützung wieder ins Meer zurückzufinden, bleibt abzuwarten. Hannes Jaenicke glaubt allerdings nicht an ein Happy End für Timmy – selbst, wenn er von der Küste entkommen kann. " Er kann sich nicht mehr richtig ernähren und ist damit zum Tode verurteilt", so Jaenicke.

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