Peinlich-Präsentation statt Sternstunde bei Milliarden-Projekt "Star Citizen"
Ein Showcase-Stream von Cloud Imperium Games (CIG) sollte den aktuellen Entwicklungsstand der All(es)-Simulation "Star Citizen" in bestem Licht präsentieren. Stattdessen bekam die Community fast zwei Stunden lang hakende Spielmechaniken, wehrlose Gegner und aussetzende Synchronisation zwischen den Mitspielern zu sehen.
Interner Build statt Testserver
Im Mittelpunkt des Streams "Star Citizen Live" standen die neue Instanzierungstechnik sowie die Mission "Belagerung von Orison". Um für einen möglichst reibungslosen Ablauf zu sorgen, griffen vier CIG-Mitarbeitende sogar nicht auf die öffentlichen Testserver zurück, auf denen normalerweise auch alle anderen Spielerinnen und Spieler unterwegs sind, sondern auf einen internen Entwicklungs-Build. Community-Manager Jared Huckaby kündigte die Präsentation entsprechend selbstbewusst an: "Das ist das Spiel, so wie es funktionieren soll."
Was folgte, war allerdings genau das Gegenteil: Die Computer-Gegner reagierten kaum oder gar nicht und endeten als reihenweise Kanonenfutter. Einzelne Werkzeuge funktionierten nicht zuverlässig. Und ein schwerer Fehler sperrte das Team zwischenzeitlich komplett aus der Mission aus. Hinzu kam nach übereinstimmenden Berichten ein unprofessioneller Umgangston zwischen einzelnen Mitarbeitenden vor laufender Kamera, der bei vielen Zuschauenden zusätzlich für Irritation sorgte.
Community sieht grundsätzliches Problem
In den Kommentaren des Livestreams sowie im offiziellen Spectrum-Forum hagelte es Kritik. Bislang war unter vielen Fans die Annahme verbreitet, ruckelige Performance und Bugs seien vor allem auf Serverlast und Netzwerkprobleme zurückzuführen. Der missglückte Auftritt nährt nun jedoch den Verdacht, dass es tiefer liegende Probleme im Code gibt - schließlich traten die Fehler nicht auf überlasteten öffentlichen Servern auf, sondern in einer eigens für die Präsentation vorbereiteten Umgebung.
Manche werteten den Stream trotz allem als aufschlussreich, weil er ungewollt offenlegte, dass grundlegende Systeme überarbeitet werden müssen, statt nur Serverkapazitäten zu erhöhen. Das optische Erscheinungsbild der neuen Orison-Mission wurde von mehreren Beobachtern sogar ausdrücklich gelobt, unabhängig von der technischen Instabilität.
Zu der Kritik hat sich das Studio bislang nicht offiziell geäußert. Ob die für "Belagerung von Orison" und das Instancing-System vorgesehenen Inhalte, die bereits seit rund einem Monat auf den Testservern hängen, dadurch einen weiteren Aufschub erhalten, ist offen.
"Star Citizen": Notorisch spät - und dennoch rekordverdächtig
Der Vorfall trifft ein Projekt, das finanziell so erfolgreich ist wie kaum ein anderes der Spielebranche: Erst im Mai überschritt die seit 2012 laufende Crowdfunding-Kampagne von "Star Citizen" die Marke von einer Milliarde US-Dollar - finanziert über Jahre hinweg größtenteils durch den Verkauf virtueller Raumschiffe und Unterstützerpakete. Damit ist es das bis dato höchstfinanzierte Crowdfunding-Projekt überhaupt.
Berichten zufolge blieben die Einnahmen auch nach dem missglückten Stream stabil und lagen sogar rund 40 Prozent über dem Vorjahreswert. Den grundsätzlichen Ruf des Spiels als technisch fragil und notorisch verspätet dürfte der Auftritt dennoch weiter bestärkt haben. Ein konkretes Release-Datum steht nach wie vor in den Sternen.
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