Nur das Beste für das Kind

Ein Vater betrügt den Vorstand einer Kita um mehrere hunderttausend Euro: Was nach einer erfundenen Geschichte klingt, ist schon einmal so passiert. Das ZDF hat daraus nun der unterhaltsamen Fernsehfilm "Fang mich doch!" gemacht, der gleichzeitig als Spiegel der Gesellschaft funktioniert.
Elisa Eberle |
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Mara Sommer (Pina Bergemann, links), Bernadette (Elise Lindner) und Georg (Jan Krauter) stellen sich in der Kita Regenbogen vor.
ZDF/Omri Aloni 5 Mara Sommer (Pina Bergemann, links), Bernadette (Elise Lindner) und Georg (Jan Krauter) stellen sich in der Kita Regenbogen vor.
Sören (Luka Dimić), Patrizia (Anna Brüggemann, zweite von links), Noemi (Lara-Sophie Milagro, zweite von rechts) und Jule (Friederike Kempter) sind stolz auf ihre Elterninitiative.
ZDF/Christoph Assmann 5 Sören (Luka Dimić), Patrizia (Anna Brüggemann, zweite von links), Noemi (Lara-Sophie Milagro, zweite von rechts) und Jule (Friederike Kempter) sind stolz auf ihre Elterninitiative.
Um seine unerlaubten Ausgaben zu vertuschen, greift Georg (Jan Krauter) zu immer verzweifelteren Methoden.
ZDF/Stefan Erhard 5 Um seine unerlaubten Ausgaben zu vertuschen, greift Georg (Jan Krauter) zu immer verzweifelteren Methoden.
Als er aufzufliegen droht, versucht Georg (Jan Krauter), Anton (Tobias Oertel) auf seine Seite zu ziehen.
ZDF/Christoph Assmann 5 Als er aufzufliegen droht, versucht Georg (Jan Krauter), Anton (Tobias Oertel) auf seine Seite zu ziehen.
In der großzügigen Wohnung von Noemi (Lara-Sophie Milagro, zweite von links) treffen sich Anton (Tobias Oertel, links), Patrizia (Anna Brüggemann, dritte von links), Darius (Timur Isik, vierter von rechts), Sören (Luka Dimić, dritter von rechts), Jule (Friederike Kempter) und Georg Sommer (Jan Krauter) zu Krisengesprächen. Eines davon endet mit einer Runde Joints für alle.
ZDF/Stefan Erhard 5 In der großzügigen Wohnung von Noemi (Lara-Sophie Milagro, zweite von links) treffen sich Anton (Tobias Oertel, links), Patrizia (Anna Brüggemann, dritte von links), Darius (Timur Isik, vierter von rechts), Sören (Luka Dimić, dritter von rechts), Jule (Friederike Kempter) und Georg Sommer (Jan Krauter) zu Krisengesprächen. Eines davon endet mit einer Runde Joints für alle.

Manche Geschichten klingen einfach zu verrückt, um wahr zu sein. Der ZDF-Film "Fang mich doch!" (Regie: Ester Amrami, Buch: Elke Rössler) ist aber tatsächlich von wahren Begebenheiten inspiriert: Georg (durch seine Ambivalenz sehr stark: Jan Krauter) ist ein treusorgender Vater. Für seine an Epilepsie erkrankte Tochter Bernadette (Elise Lindner) will er nur das Beste. Leider ist das Beste oft auch ziemlich teuer. Doch Georg ist ein Meister der Improvisation. Bei der Vorstellung in der neuen Wunsch-Kita für Bernadette in Leipzig biegt sich der Vater deshalb auch die Wirklichkeit zurecht - sehr zum Ärger seiner Frau Mara (Pina Bergemann): "Dienstleistungsbranche? Ehrlich?", klagt sie: "Warum sagst du denen nicht einfach, dass ich putze?"

"Ich weiß, wie ich mit solchen Leuten reden muss", behauptet Georg. Auch dass die Kita ausschließlich von Eltern geführt wird, ist für ihn kein Problem. Im Gegenteil: Gleich bei der ersten Mitgliederversammlung erklärt er sich bereit, den diesjährigen Flohmarkt zu organisieren. Außerdem lässt er sich zum Finanzvorstand wählen. Schließlich hat er doch angeblich BWL studiert. Plötzlich ist er Herr über ein Guthaben von etwa 300.000 Euro.

Weniger gut läuft es derweil in Georgs Ehe: Die finanziellen Sorgen setzen dem arbeitslosen Ex-Strandbarbesitzer und seiner Frau sichtlich zu. Als dann auch noch das klapprige Familienauto liegen bleibt und Georg die Reparatur in der Werkstatt nicht bezahlen kann, greift er zur einzig verbliebenen Lösung: der Kreditkarte der Kita Regenbogen. Man ahnt bereits, dass er damit das Tor zur Hölle aufstößt, und dass aus einem einmaligen Notfall schnell eine neue Gewohnheit wird ...

Inspiriert von einer wahren Geschichte

Ein Mann betrügt eine Elterninitiative, indem er behauptet sich mit Finanzen auszukennen und bringt die Kita dabei um einen großen Batzen Geld: Diese unglaubliche Geschichte hat sich wirklich einst so zugetragen. Filmemacher David Spaeth verarbeitete einen Fall aus München 2018 in seiner ARD-Doku "Betrug". Ob diese wiederum als Vorlage für den nun im ZDF erstausgestrahlten Fernsehfilm diente, ist nicht bekannt.

Fakt ist, dass sich Drehbuchautorin Elke Rössler ebenfalls von einer wahren Geschichte inspirieren ließ: "Als ich diese zum ersten Mal hörte, war ich sofort begeistert", schwärmt sie im Senderinterview: "Diese Geschichte musste erzählt werden. Wie kann es sein, dass die Elternschaft einer Kita sich so ausnehmen und über den Tisch ziehen lässt?" Vor allem die "Unerhörtheit" interessierte sie: "Die Unverfrorenheit und die Chuzpe dieser zwielichtigen, aber doch so vitalen Figur unseres Georg Sommers - der einer ganz bestimmten Schicht, einer wohlhabenden akademischen Schicht, zu der die meisten von uns zählen, frech den Spiegel vorhält."

Wem gilt die Loyalität des Publikums am ehesten?

Denn auch die anderen Eltern in der teils prominent besetzten Tragikomödie kommen alles andere als gut weg: Da wäre zum Beispiel Noemi (Lara-Sophie Milagro), die selbstgestrickte Socken mit gewöhnungsbedürftigen Motiven für 200 Euro im Internet vertickt. Patrizia (Anna Brüggemann) legt großen Wert auf die penible Einhaltung der Regeln, und Jule (Friederike Kempter) ist verheiratet und lässt sich trotzdem auf eine Affäre mit Georg ein.

So kommt es, dass das Publikum die ganzen 90 Filmminuten über nie so recht weiß, wem die eigene Loyalität gilt. Hält man eher zu Georg, dem schlitzohrigen Hochstapler, der immer mehr Geld ergaunert, die Kita aber gleichzeitig mit seiner hemdsärmelig-lebenspraktischen Art unterstützt? Oder steht man eher auf der Seite der beklauten Eltern, einem Haufen Snobs, die vorgeben, sehr beschäftigt zu sein, aber gleich den Klempner rufen, wenn das Flusensieb der Waschmaschine verstopft ist?

Ein Spiegel der aktuellen Gesellschaft

Am Ende wird "Fang mich doch!" so zu einem interessanten Spiegel der aktuellen Zeit, wie auch Jan Krauter im Interview erklärt: "Ich würde sagen, die Trickbetrüger sind neuerdings stark auf dem Vormarsch", sagt der 41-Jährige: "Einige regieren sogar das mächtigste Land dieser Welt, andere versuchen gerade in Deutschland die Macht zu ergreifen. Menschen, die die Wünsche und Ängste der Bevölkerung ausnutzen, um sie auszubeuten, die der breiten Masse zur eigenen Bereicherung versprechen, was sie will, ungeachtet dessen, dass sie eigentlich etwas anderes braucht."

Er fährt fort: "Für solche Menschen ist es in letzter Zeit leichter geworden in einer Welt, die sich überwiegend aus einem Überfluss, vereinfachter und oberflächlicher Informationen zusammensetzt und deren Grundfesten der bisher geltenden Realität derzeit infrage gestellt werden müssen. Das löst viel Unsicherheit, Uninformiertheit und dadurch auch Angst aus, die die Menschen schnell in die Arme derer treibt, die in einer kompliziert wirkenden Welt schnell einfache Antworten versprechen und nebenbei noch die Erfüllung all deiner Wünsche." Diese würden "parallel zur Angst" nämlich "fleißig weiter gefüttert mit vielen bunten Bildern, die dazu einladen sich mit ihnen zu vergleichen und festzustellen, dass man minderwertiger abschneidet."

Auf zdf.de ist "Fang mich doch!" bereits seit Mitte Juli abrufbar.

Fang mich doch! - Mo. 31.08. - ZDF: 20.15 Uhr

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