Nino de Angelo packt über verlogene Schlagerwelt aus: "Wie unglücklich der Mann ist"

Oft schwärmen Schlagerstars öffentlich von ihren Kollegen. In Unterhaltungsformaten wie jenen von Florian Silbereisen (45) oder Giovanni Zarrella (48) singen die Künstler Duette und liegen sich in den Armen. Doch diese Harmonie ist mehr Schein als Sein, betont Nino de Angelo (62).
Nino de Angelo packt über Schlagerwelt aus: "Viel Fassade"
"Das ist viel Fassade", erklärt der Sänger in Bezug auf das vermeintlich gute Verhältnis einzelner Künstler. "Sagen wir mal so: Ich denke mal, dass die heile Welt halt vorgegaukelt wird. Aber in der Schlagerwelt geht die Post ab – halt hinter verschlossenen Türen und nicht so offensichtlich. Weil man könnte ja ein schlechtes Image bekommen." Viele Kollegen des 62-Jährigen seien sehr darauf bedacht, ein möglichst charismatisches Bild von sich nach außen zu verkaufen.
Er selbst habe dabei nie mitspielen wollen, betont de Angelo im Podcast "Wondermom" von Natascha Ochsenknecht (62). "Mir war das immer egal. Es ist auch mein gutes Recht. Ich bin doch ein Mensch wie jeder andere auch, warum muss ich dann irgendwas vorspielen, nur damit ich beim nächsten Mal wieder viele Platten oder CDs verkaufe?"
Schlagerstar erkennt Gefahr: "Daran sind schon viele kaputtgegangen"
Authentizität sei dem Musiker sehr wichtig – auch für seinen eigenen Seelenfrieden. Denn wenn man nicht so sein darf, wie man ist, könne das schnell gefährlich werden. "Und daran sind ja auch schon viele Künstler, auch Schlagerkünstler, kaputtgegangen", meint Nino de Angelo. Dabei denke er speziell an Rex Gildo (†63) und Roy Black (†48). Black habe er als Kind regelmäßig in der "ZDF-Hitparade" verfolgt, ehe er den Schlagerstar in späteren Jahren selbst kennenlernen durfte. Nino de Angelo erinnert sich: "Roy Black war echt so ein witziger Mensch – aber erst, wenn er ein paar Bier getrunken hat. Ansonsten war der depressiv."

Nino de Angelo erinnert sich an Roy Black: "Wie unglücklich"
Vor allem eine Begegnung mit dem 1991 verstorbenen Musiker habe sich bei dem 62-Jährigen eingebrannt. "Ich bin einmal mit ihm im Auto zu einer Fernsehsendung gefahren. Ich als Newcomer saß hinten drin. Dann hatte er ein Telefonat, war mies drauf und wollte dann mit mir auf der Autobahn aussteigen." De Angelo sei wegen des Verhaltens "total irritiert" gewesen. "Da habe ich mir dann gedacht: 'Mensch, jetzt lernst du den kennen, und siehst, wie unglücklich der Mann eigentlich ist.'"

Nino de Angelo erlebt Neid in Schlagerbranche: "Alles verlogen"
In der Schlagerwelt braucht man ein dickes Fell, ist sich der "Jenseits von Eden"-Interpret sicher. Mit Missgunst und Häme müsse ein Sänger umgehen können, wie Nino de Angelo offenbar selbst erfahren hat. "Ich habe ja sehr viele Neider gehabt. [...] Und wenn ich anfange zu singen, denken die anderen natürlich: 'Ach du Scheiße.'"
Der Sänger meint: "Ich habe halt ein großes Talent geschenkt bekommen. Und da ziehst du auch den Neid an, weil die sagen: 'Guck, der lebt wild, der hält sich nicht an Regeln. Der schreibt keine Autogramme, aber wir schreiben hier drei Stunden ... Und der geht einfach und hat trotzdem Erfolg.'" Für de Angelo steht fest: "Die waren halt schon ziemlich angefressen und angepisst auf mich. Und die haben sich ja fast gefreut, als es bei mir dann nicht mehr lief. Dann musste ich mir halt auch so Sachen anhören wie: 'Mit deiner Stimme hätte ich eine Weltkarriere gemacht.' Alle wussten es immer besser."
Neid und Missgunst zu erfahren, habe Nino de Angelo "natürlich auch wehgetan". Er habe dabei eine ernüchternde Erkenntnis gewonnen: Nicht jedem ist zu trauen. "Boah, ist das alles verlogen", betont de Angelo zudem.