Neue "Tatort"-Kommissarin Rosalie Thomass stimmt Kritik an den ARD-Krimis zu: "Grauenvoll"
Ein Fernsehkrimi, weiß Bettina Böttinger, spiegele "oft gesellschaftliche Verhältnisse oder auch Klischees wider". In ihrem Podcast "Zwischen den Zeilen" offenbart die Moderatorin, was sie "in den letzten Jahren am 'Tatort' oder 'Polizeiruf'" - den ARD-Sonntagskrimireihen - "unheimlich oft gestört" habe: "Das ist so dieses immer wiederkehrende Motiv der verfolgten Frau. Der verfolgten oder gar gequälten oder ermordeten Frau."
Ähnlich sieht das Rosalie Thomass - die neue Kommissarin im Franken-"Tatort". "Ich kann dir gar nicht sagen, wie lange ich mich da schon drüber aufrege", pflichtet die Schauspielerin Böttinger bei. Sie ärgere sich schon "seit vielen, vielen Jahren" über derartige Szenen, betont die 39-Jährige.
"Und für mich ist es zum Beispiel auch ein Rätsel - da kriege ich jetzt richtig auf den Deckel - mit diesem True-Crime-Zeug", fährt Thomass fort. "Ich weiß gar nicht, warum wir das alle so gerne konsumieren." Sie "verstehe das gar nicht", auch in Bezug auf Krimis. "Weil die Realität ist ja, dass es jeden zweiten oder dritten Tag einen Femizid gibt."
"Wenn man etwas die ganze Zeit als Sehgewohnheit vorgesetzt bekommt, dann hinterfragt man das nicht"
Es sei "grauenvoll", wie Gewalt an Frauen in einigen Medien dargestellt werde, findet die Münchnerin. Dabei sei alles eine Frage des Blickwinkels. Oftmals werde die "männliche Perspektive" eingenommen und gezeigt, "wie er sie beherrscht oder wie er sie eben zum Opfer macht durch seine Tat", moniert Thomass. Das "Kernproblem" sei der "lange so normal gewesene Male Gaze, also der männliche Blick auf etwas, auf die Frau". Eine mögliche Lösung sei es, die weibliche Sicht zu zeigen - oder kreativ zu werden: "Man kann bei so einer Szene auch darüber nachdenken, ob man sie überhaupt braucht. Oder ob man das über den Ton erzählen kann."
Wenn entsprechende Darstellungen jedoch nie infrage gestellt würden, "dann finden wir das irgendwann auch alle normal", mahnt die neue ARD-Ermittlerin. "Wenn man etwas die ganze Zeit als Sehgewohnheit vorgesetzt bekommt, dann hinterfragt man das nicht."
In ihrer neuen Rolle ist Rosalie Thomass an der Seite des zuletzt allein ermittelnden Fabian Hinrichs (als Felix Voss) erstmalig am Sonntag, 25. Oktober, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Im "Tatort: Gottesgarten" folgt sie als Kriminalhauptkommissarin Emilia Rathgeber auf ihre Vorgängerin Paula Ringelhahn, die seit 2015 von Dagmar Manzel verkörpert worden war.
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de
- Themen:
- Mord
