Nancy-Guthrie-Entführung: Verdächtiger verhaftet

Mehr als eine Woche nach dem Verschwinden von Nancy Guthrie (84) gibt es im Entführungsfall eine entscheidende Wendung: Die Polizei im US-Bundesstaat Arizona hat am Dienstag einen Verdächtigen festgenommen. Das teilte das Pima County Sheriff's Department laut dem US-Magazin "People" mit. Nancy ist die Mutter der bekannten US-Moderatorin Savannah Guthrie (54), die die Frühstückssendung "Today" auf dem Sender NBC präsentiert.
Der Verdächtige wurde demnach bei einer Verkehrskontrolle südlich der Stadt Tucson in Gewahrsam genommen. Die Behörden bereiteten sich laut "ABC News" darauf vor, einen mit der Person in Verbindung stehenden Ort zu durchsuchen. Ob der Festgenommene mit der Person identisch ist, die auf neuen Überwachungsbildern zu sehen ist, war zunächst unklar.
Bewaffneter Maskierter auf Überwachungsvideo
Ebenfalls am 10. Februar hatten die Ermittler brisante neue Bilder und Videos via Social Media veröffentlicht. Darauf ist ein bewaffneter und maskierter Mensch an Nancy Guthries Haustür zu sehen. "Die Strafverfolgungsbehörden haben diese zuvor nicht zugänglichen neuen Bilder eines bewaffneten Individuums veröffentlicht, das offenbar die Kamera an Nancy Guthries Haustür am Morgen ihres Verschwindens manipuliert hat", erklärte Sheriff Chris Nanos auf der Plattform X. FBI-Direktor Kash Patel veröffentlichte die Aufnahmen ebenfalls dort.
Die Aufnahmen stammten laut einer FBI-Sprecherin aus "Restdaten in Backend-Systemen", die zuvor nicht zugänglich gewesen seien. Über acht Tage hätten FBI und Polizei gemeinsam mit privaten Partnern daran gearbeitet, verloren gegangene oder beschädigte Aufnahmen aus Nancy Guthries Haus wiederherzustellen - unter anderem, weil Aufnahmegeräte entfernt worden waren, wie "People" berichtete.
Eine Blutspur vor dem Haus
Nancy Guthrie war zuletzt am Abend des 31. Januar gesehen worden. Ihr Schwiegersohn Tommaso Cioni hatte sie um 21:48 Uhr an ihrem langjährigen Wohnhaus in Tucson abgesetzt, nachdem sie bei ihm und Nancys Tochter Annie zu Abend gegessen hatte. Als Nancy am nächsten Tag nicht wie geplant bei einer Freundin erschien, meldete die Familie sie um 12:15 Uhr als vermisst.
Was die Ermittler vorfanden, ließ Schlimmes befürchten: Auf den Stufen vor Nancys Haustür war eine Blutspur entdeckt worden, deren DNA der 84-Jährigen zugeordnet werden konnte. Eine Überwachungskamera war aus dem Türbereich entfernt worden. Sheriff Nanos erklärte bei einer Pressekonferenz am 3. Februar, die Behörden gingen davon aus, dass Nancy gegen ihren Willen verschleppt wurde.
Erpresser forderten sechs Millionen Dollar
In den Tagen nach dem Verschwinden tauchten Erpresserbriefe auf, die an mehrere Medien geschickt wurden - darunter der lokale TV-Sender KOLD News 13 und die Promi-Seite "TMZ". Darin sollen die mutmaßlichen Entführer sechs Millionen US-Dollar in Bitcoin gefordert haben. Sie setzten demnach zwei Fristen: eine bis zum 5. Februar und eine zweite bis zum 9. Februar. Ob die Familie Zahlungen geleistet hat, blieb unklar. Das FBI erklärte am Montagabend, man habe "keine Kenntnis über eine fortgesetzte Kommunikation zwischen der Familie Guthrie und mutmaßlichen Entführern".
Am 7. Februar wandten sich Savannah Guthrie und ihre Geschwister in einem emotionalen Video auf Instagram direkt an die Entführer. Ihre Botschaft: "Wir werden bezahlen." Savannah Guthrie hält sich laut dem US-Magazin seitdem bei ihrer Familie in Arizona auf, um auf Antworten über den Verbleib ihrer Mutter zu warten.
SWAT-Team und Bombenentschärfer im Einsatz
Im Zuge der Festnahme des Verdächtigen wurden auch Mitglieder des regionalen SWAT-Teams und Bombenentschärfungseinheiten für einen Einsatz mit dem Pima County Sheriff's Department aktiviert. Ob dieser Einsatz in direktem Zusammenhang mit der Suche nach Nancy stand, konnten die Behörden zunächst nicht bestätigen. Auch FBI und Sheriff wurden im Wohnviertel von Nancys Tochter Annie Guthrie gesehen, das nur rund sechs Kilometer von Nancys Haus entfernt liegt.