Interview

Nach Klinik-Aufenthalt: Richard Lugner über Opernball-Absage und Kanzler Kurz

In der AZ sagt Österreichs schillernder Baulöwe Richard Lugner, wie es ihm mit der Ball-Absage geht, was er von Kurz hält und warum er mit 87 so fit ist.
| Kimberly Hagen
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Raus aus der Klinik: Richard "Mörtel" Lugner (mit Visier) wird von "Bambi" und "Kolibri" abgeholt.
API/Katja Haas Raus aus der Klinik: Richard "Mörtel" Lugner (mit Visier) wird von "Bambi" und "Kolibri" abgeholt.

"Aufgrund der Corona-Situation wäre es verantwortungslos, den Ball in gewohnter Art und Weise abzuhalten", erklärte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz am Mittwochmorgen.

Der Wiener Opernball, gesellschaftlicher Höhepunkt der Society, wird am 11. Februar 2021 also nicht stattfinden. Einen trifft das besonders hart: Österreichs Baulöwen Richard "Mörtel" Lugner (87), schillerndes Aushängeschild des Balls, der jährlich mit seinem Stargast (Sophia Loren, Pamela Anderson, Kim Kardashian und viele mehr) für Dreivierteltakt-Wirbel sorgte.

AZ: Lieber Herr Lugner, sind Ihre Tränen schon getrocknet?
RICHARD LUGNER: Joa, was soll ich sagen? Es ist eine Tragödie! Natürlich ist es zum Weinen, ich liebe den Opernball - wie viele andere auch. Aber mein Telefon läutet die ganze Zeit, ich hab gar keine Zeit zum Traurigsein. Dabei bin ich gar nicht der Veranstalter.

Aber der berühmteste Gast.
Ja, eh.

Wie haben Sie von der Absage erfahren?
Ich hab morgens noch geschlafen, länger als sonst - wegen meines Gelenkbruchs. Am Tag vorher wurde ich endlich aus der Klinik entlassen, einige Tierchen. . .

. . . so nennen Sie Ihre weiblichen Bekanntschaften. . .
. . . genau, voller Liebe und Respekt übrigens. Also mit Goldfisch, Bambi und Kolibri hatte ich ein bisserl bei mir daheim meine Rückkehr gefeiert, da war die Welt noch in Ordnung. Am nächsten Tag werde ich dann geweckt mit dieser Hiobsbotschaft.

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Wirklich überraschend kam die Absage aber nicht für Sie?
Naa! Das war schon abzusehen. Den Filmball in München wird dasselbe Schicksal ereilen. Allen Groß-Veranstaltungen. Ist ja klar: Diese ganzen, an sich tollen Events wurden in den letzten Jahren immer mehr kommerzialisiert. In den Räumlichkeiten war jeder Zentimeter komplett ausgebucht und gerammelt voll. Mit Corona ist das nun problematisch. Wie soll man mit zwei Metern Abstand auch Walzer tanzen?

"Ich hab denselben Jungbrunnen wie der Putin und Tom Jones"

Sie finden die Absage richtig?
Ja. Ich bedaure sie, aber alles andere wäre Wahnsinn. Wirtschaftlich ist es ebenfalls eine Katastrophe. Die Staatsoper hat ja immer einen Gewinn um die eine Million Euro gemacht. Diese Summe fehlt nun.

Immerhin sparen Sie Geld für Ihren Stargast. Hatten Sie schon einen Promi im Kopf?
Und ob! Den tollsten Stargast aller Zeiten. Vielleicht klappt's 2022, wenn bis dahin das Virus im Griff ist. Aber wer weiß, ob ich dann noch mit 89 opernballtauglich bin.

Sie machen einen unglaublich fitten Eindruck.
Abgesehen vom Gelenkbruch, da hatte ich halt Blödsinn angestellt, geht's mir auch gut. Im Kopf bin ich klar, außen auch. Ich hab keine Falte mehr im Gesicht. Naja, fast keine.

Schönheits-OP bei Richard Lugner? Kur!

Sind Sie süchtig nach Botox? 
Naa, ich hab einen anderen Jungbrunnen - auf den auch der Putin und Tom Jones schwören.

Oha, erzählen Sie, bitte!
Ich mache regelmäßig eine Kur in Österreich, bei der einem Blut abgenommen wird. Das wird dann vermischt, angereichert, in Schwung gebracht und einem wieder reingespritzt. Mein Doktor könnte das besser erklären, aber es wirkt wirklich. Ich fühl mich besser, vitaler. Sogar meine Tränensäcke, die ich wegen meines schlimmen Lebenswandels bekommen habe, sind so gut wie weg.

Haben Sie Sorge vor Corona?
Ich habe Sorge vor den Sorglosen. Am Donaukanal beispielsweise machen die Jungen Party ohne Ende und ohne Abstand. Die Zahlen gehen hoch, Wien ist besorgniserregend. In München steigen die Neuinfektionen auch stärker, wie ich lese. Gibt's in München auch dieses Ampel-System?

Berlin hat dieses Warnsystem, München nicht.
Seien Sie froh. Wir haben das Ampel-System leider. Es ist ein reiner Flop.

"In meinem Alter darf ich sagen: Schlauer ist man immer erst hinterher"

Warum das?
Rot, gelb, grün - egal, wie die Ampel steht, es wird nichts unternommen. Oder viel zu spät. Das macht so gar keinen Sinn, warum wurden diese Richtlinien überhaupt ausgemacht? Selbst bei Dunkelorange wurde nichts unternommen. Mit dem Auto bleib ich bei Grün ja auch nicht stehen - und wenn, dann gibt's auch für mich als Autofahrer Konsequenzen. Unterschiedliche Farben brauchen unterschiedliche Reaktionen. Im Frühsommer dürfte allen klar gewesen sein, dass der Herbst bald kommt und heftig werden könnte. Wetter, Indoor, und so weiter. Jetzt tun alle überrascht. Das stört mich.

Ihre Kritik an Kanzler Kurz?
Mei, an sich macht er's gut, er hat ja auch verschiedene Berater um sich. Jetzt schreitet er wieder ein. Es ist halt sehr spät. Wenn das erste Krankenhaus überfüllt ist, wird es plötzlich jedem klar, dass was schiefgelaufen ist. Die Leute hätten früher Hilfe erwartet. Ich hoffe, dass nicht alles im Chaos endet.

So wie in Ischgl?
Furchtbar! Ich erinner mich noch: Ich war mit dem Auto unterwegs und plötzlich war überall Stau. Die Touristen sind panisch geflohen aus Ischgl. Ein Irrsinn, die vielen Infizierten herumfahren und -fliegen zu lassen, damit sie das Virus überall hintragen. Andererseits hätte man sie auch nicht einsperren können.

Ihr Vorschlag?
Man hätte sie gleich alle an Ort und Stelle testen lassen müssen. So nahm das Unheil seinen Lauf. In meinem Alter und nach der ein oder anderen Erfahrung, auch mit Frauen, darf ich das sagen: Schlauer ist man immer erst hinterher.

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