Nach Festival-Eklat um Alphaville: Veranstalter entschuldigt sich öffentlich für Absage

Eigentlich hätte Alphaville am Wochenende auf dem Glücksgefühle-Festival auftreten sollen. Der Veranstalter hat die Band um Sänger Marian Gold allerdings nur wenige Tage vorher ausgeladen. Grund waren Streitigkeiten um politische Äußerungen auf der Bühne. Doch jetzt rudern die Verantwortlichen plötzlich zurück.
Sven Geißelhardt
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Tritt Alphaville nun doch auf dem Glücksgefühle-Festival auf? Nach der Absage rudert der Veranstalter zurück und entschuldigt sich öffentlich.
Tritt Alphaville nun doch auf dem Glücksgefühle-Festival auf? Nach der Absage rudert der Veranstalter zurück und entschuldigt sich öffentlich. © Hendrik Schmidt/dpa

Um einen Auftritt der Band Alphaville beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring war ein bitterer Streit entbrannt. Wie Sänger Marian Gold in den sozialen Medien öffentlich mitteilte, dürfen er und seine Kollegen nicht dabei sein. Jetzt gibt es aber eine Kehrtwende.

Kein Auftritt auf dem Glücksgefühle-Festival: Alphaville reagiert wütend

Was war passiert? Laut Frontmann Marian Gold sei die Band über die Begründung der Absage "fassungslos" gewesen. Der Veranstalter wollte politische Äußerungen jeglicher Art auf der Bühne untersagen. Aus dem Schreiben der Verantwortlichen zitierte der Sänger, dass "wir [Glücksgefühle-Festival, d. Red.] keine politischen Themen und Äußerungen jeglicher Art auf unserer Bühne dulden".

Sänger Marian Gold sieht Kunst- und Redefreiheit gefährdet

Der Ärger bei Alphaville war hoch und die Band sprach von einem "Maulkorberlass". Die Einschränkung der Kunstfreiheit verglich Marian Gold dabei mit dem Vorgehen in einer Diktatur. "Dass eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd."

Jetzt rudert der Veranstalter Markus Krampe jedoch zurück. Zu "Bild" sagt der einstige Manager von Michael Wendler: "Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid. Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen." Dabei geht Krampe sogar einen Schritt weiter und lädt Alphaville wieder zum Festival ein: "Nicht als Zeichen eines Nachgebens, sondern als bewusste Entscheidung für das, was uns verbindet."

Die AZ hatte den Veranstalter des Glücksgefühle-Festivals zuvor kontaktiert und um eine Erklärung gebeten. Die Verantwortlichen hatten mit einem Statement reagiert, welches wir auf Bitten des Veranstalters vollständig und ungekürzt wiedergeben.

Statement des Glücksgefühle-Festivals: So erklären die Veranstalter die Alphaville-Absage

Hier lesen Sie die Begründung der Glücksgefühle-Festival-Veranstalter zur vorangegangenen Absage von Alphaville:

"Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold ist inakzeptabel. Wir lassen uns nicht in irgendeine politische Ecke drängen und werden uns hier mit allen Mitteln wehren. Unsere Bühne ist keine Plattform für politische Äußerungen. Das GLÜCKSGEFÜHLE Festival ist komplett unpolitisch – und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung. Unsere Bühne soll der Musik gehören – nicht politischen Auseinandersetzungen.

Wir hatten Alphaville in diesem Jahr bereits bei zwei anderen Veranstaltungen zu Gast. Bei der ersten Veranstaltung kam es vonseiten der Band zu zahlreichen politischen Äußerungen von der Bühne. Deshalb haben wir im Vorfeld des zweiten Auftritts sehr deutlich kommuniziert, dass wir dies bei unseren Veranstaltungen nicht möchten. Bei diesem zweiten Auftritt wurde diese Vorgabe dann auch eingehalten.

Vor dem GLÜCKSGEFÜHLE Festival haben wir deshalb noch einmal ausdrücklich daran erinnert und unseren Standpunkt klar kommuniziert. Uns geht es dabei ausdrücklich nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville und auch nicht darum, jemandem seine persönliche Meinung abzusprechen. Es geht ausschließlich darum, welchen Rahmen wir als Veranstalter für unsere Veranstaltungen und unsere Bühnen setzen.

Selbstverständlich wissen wir, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland ein hohes Gut ist, und wir respektieren und schützen dieses Recht. Gleichzeitig haben auch wir als Veranstalter das Recht, den Rahmen für unsere Veranstaltungen festzulegen.

Wir möchten den Menschen ein Wochenende ermöglichen, an dem sie den Alltag hinter sich lassen, abschalten und einfach eine gute Zeit haben können. Genau dafür steht das GLÜCKSGEFÜHLE Festival: Musik, Freude und ein gemeinsames Festivalerlebnis. Wir möchten die Menschen für drei Tage in eine andere Welt entführen – mit Musik, Freude und gemeinsamen Erlebnissen.

Genau deshalb haben wir darum gebeten, politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen. Darauf konnten wir uns mit Alphaville letztlich nicht einigen, weshalb es nicht zu einem Auftritt gekommen ist. 

Unsere Haltung bleibt klar: Das GLÜCKSGEFÜHLE Festival ist und bleibt unpolitisch."

Alphaville: "Wir werden uns weiterhin für Freiheit, Toleranz und Demokratie einsetzen"

Für Alphaville war diese Haltung in den aktuell stürmischen Zeiten inakzeptabel. Bei Auftritten positioniert sich die Band gegen rechts und betonte in dem Statement: "Wir werden uns weiterhin für Freiheit, Toleranz und Demokratie in unserem Land einsetzen, gerade in diesen Zeiten, wo so viel auf dem Spiel steht." Ob sie die Entschuldigung von Markus Krampe annehmen und nun doch auf dem Glücksgefühle-Festival auftreten werden, ist allerdings noch nicht entschieden.

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  • Der wahre tscharlie vor 21 Stunden / Bewertung:

    Das Statement des Veranstalters ist verständlich, jedoch etwas unrealistisch.
    Müssen Künstler jetzt öffentlich mit der "Schere im Kopf" auftreten?
    Eine Art Selbstzensur?
    Unzählige Künstler treten auf Bühnen auf und geben ein kurzes politisches Statement ab. Ohne Folgen. Zu einer Demokratie gehört auch dazu, dass Künstler ihre Meinung öffentlich sagen können.
    Bei dem Veranstalter bekommt man den Eindruck, dass er seine Besucher drei Tage lang "in Watte einpacken und nur mit Musik berieseln lassen will".

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  • FRUSTI13 vor 22 Stunden / Bewertung:

    Wir möchten den Menschen ein Wochenende ermöglichen, an dem sie den Alltag hinter sich lassen, abschalten und einfach eine gute Zeit haben können. Genau dafür steht das GLÜCKSGEFÜHLE Festival: Musik, Freude,
    Dieses Anliegen eines Veranstalters ist völlig legitim und sollte von Teilnehmern akzeptiert werden können!
    Mit Maulkorb hat das gar nix zu tun!

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