Montreux Jazz Festival: Ein bewegender Moment mit Quincy Jones

Mathieu Jaton übernahm das Montreux Jazz Festival nach dem Tod von Gründer Claude Nobs. Im Interview erzählt der Schweizer Kulturmanager von einem bewegenden Moment mit Quincy Jones, vom Ausbau des Festivals zur Weltmarke und von seiner Vision für das Jahr 2035.
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Musikstar Quincy Jones (l.) und Festivalleiter Mathieu Jaton im Juli 2015 auf der Bühne des Montreux Jazz Festivals.
Musikstar Quincy Jones (l.) und Festivalleiter Mathieu Jaton im Juli 2015 auf der Bühne des Montreux Jazz Festivals. © ddp/abaca press/Loona

Der Schweizer Kulturmanager Mathieu Jaton (50) hat das Montreux Jazz Festival nach dem Tod von Gründer Claude Nobs (1936-2013) übernommen. Dieser hatte die Veranstaltung am Genfer See über Jahrzehnte geprägt. In diesem Jahr feiert das Festival sein 60-jähriges Bestehen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt Jaton, warum er nie den Anspruch hatte, seinen Mentor zu ersetzen - und wie er Montreux stattdessen zu einer weltweiten Marke formte.

20 Jahre an der Seite des Gründers

Über die Person, die alles ins Rollen brachte, spricht Jaton mit großem Respekt. "Claude Nobs war einzigartig. Er war nicht nur Festivalgründer, sondern ein echter Freund der Künstler", sagt er. Nobs habe bereits in den frühen 1960er-Jahren mit den Rolling Stones, den Beatles und vielen anderen zusammengearbeitet und lange Zeit Warner Music Europa geleitet. Die Bedeutung des Gründers schlug sich auch in Ehrungen nieder: 2004 zeichnete ihn das "Time Magazine" als "European Hero" aus, 2007 wurde er zum Commandeur des französischen Ordre des Arts et des Lettres ernannt.

Schon im April 2010 hatte Nobs aus gesundheitlichen Gründen die operative Leitung an sein Team und an seinen designierten Nachfolger Jaton abgegeben, die strategische Führung jedoch behalten. Am Heiligabend 2012 verunglückte Nobs beim Skilanglauf im schweizerischen Caux, musste operiert werden und fiel ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Am 10. Januar 2013 starb er.

Kein Ersatz, sondern eine Institution

20 Jahre lang hatte Mathieu Jaton direkt an seiner Seite gearbeitet. Die Beziehung sei dabei weit über das Berufliche hinausgegangen: "Er war mein Mentor und fast wie ein zweiter Vater für mich." Den charismatischen Gründer einfach nachzuahmen, kam für Jaton nicht infrage. "Als er starb, war für mich klar: Ich darf nicht versuchen, Claude zu ersetzen. Das ist unmöglich", sagt er. Stattdessen habe er das Festival als Institution weiterentwickeln wollen.

Diesen Ansatz beschreibt Jaton als doppelte Aufgabe: "Meine Aufgabe bestand darin, Montreux zu einer der bedeutendsten Festivalmarken der Welt zu machen und gleichzeitig Claudes Erbe zu bewahren." Während viele Festivals nach dem Tod ihrer Gründer an Bedeutung verlieren, gelang ihm bewusst der entgegengesetzte Weg.

Montreux geht um die Welt

Konkret hieß das vor allem Expansion. Das Montreux Jazz Festival ist heute weit über den Genfer See hinaus präsent. Ableger gibt es nach Jatons Worten in China, Tokio, Miami und Rio, hinzu kommen die Montreux Jazz Cafés und weitere Projekte. Sein Ziel sei es gewesen, das Festival als globale Marke zu etablieren.

Ein bewegender Moment mit Quincy Jones

Dass dieser Weg auch von den Künstlern getragen wird, machte für Jaton ein Moment mit Quincy Jones (1933-2024) deutlich. Der US-Musikproduzent war Montreux seit Langem eng verbunden: In den 1990er-Jahren teilte er sich für eine Zeit sogar die Festivalleitung mit Nobs. Beide seien eng befreundet gewesen, nach dem Tod des Gründers habe Jones das Festival stark unterstützt.

Bei einer kleinen Feier zu Jatons eigenem Dienstjubiläum geschah dann etwas Unerwartetes: Jones ergriff das Mikrofon und las einen Text vor, den er für ihn geschrieben hatte. Darin habe er gewürdigt, dass Jaton das Festival in die Zukunft führe und die Hoffnungen erfülle, die Nobs einst hatte. "Wenn jemand wie Quincy Jones so etwas sagt, dann bedeutet das sehr viel", so der Festivalchef noch heute gerührt.

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Eine Vision für das Jahr 2035

Für die kommenden Jahre hat Jaton ein klares Ziel vor Augen. "In zehn Jahren werde ich 60 Jahre alt sein. Bis dahin möchte ich erreichen, dass die Institution so stabil und unabhängig ist, dass es keine Rolle spielt, wer sie führt", sagt er. "Das Festival soll stärker sein als jede einzelne Person." Zugleich will er bewahren, was Montreux aus seiner Sicht ausmacht: die Nähe zwischen Künstlern und Publikum. "Gerade in einer Branche, in der alles immer schneller, größer und teurer wird, braucht es Orte wie Montreux", betont Jaton.

Dieses Selbstverständnis spiegelt sich auch im Titel des Fotobuchs "The Elegance of Time" wider, das er anlässlich des Jubiläums Mitte Juni in München präsentierte. Montreux solle eine Oase bleiben, sagt Jaton: "Während die Musikwelt immer digitaler und schneller wird, möchte ich, dass Montreux wie eine wertvolle Schallplatte ist - etwas, dem man aufmerksam zuhört und das man bewusst erlebt."

Die Jubiläumsausgabe des Montreux Jazz Festivals mit John Legend, Sting, Deep Purple und vielen mehr findet von 3. bis 18. Juli statt.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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