Montis letzte Feier

Eine Trauerfeier als gesellschaftliches Großereignis mit Pomp, Stars und einem bisserl Ärger. Es gibt Eintrittskarten und Terminprobleme, Gschaftlhuber und Überraschungsgäste: Die ganze Welt des Glamours nimmt am Montag in München Abschied vom Musikproduzenten
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Monti Lüftner, Mr. Music, er bekommt eine Trauerfeier der Superlativen
Klaus primke Monti Lüftner, Mr. Music, er bekommt eine Trauerfeier der Superlativen

MÜNCHEN - Eine Trauerfeier als gesellschaftliches Großereignis mit Pomp, Stars und einem bisserl Ärger. Es gibt Eintrittskarten und Terminprobleme, Gschaftlhuber und Überraschungsgäste: Die ganze Welt des Glamours nimmt am Montag in München Abschied vom Musikproduzenten

Am Donnerstag sollte sein legendärer Monti-Cup am Wörthersee steigen – ein viertägiger Glamour- und Gaudi-Marathon. Fast ein Jahr vorher begann Monti Lüftner dafür immer mit der Organisation. Es sollte wieder das größte, fröhlichste Event des Jahres werden. Monti, Perfektionist und Gastgeber der Herzen, machte alles selbst. Waren seine Promi-Freunde zwischen liebevoll geschriebenen Sitzkärtchen und gegrillten Lachshäppchen glücklich, dann war auch er glücklich. Davon zehrte er bis zum nächsten Monti-Cup. Aber es gibt keinen nächsten Monti-Cup mehr. Es gibt jetzt nur noch Montis Beerdigung – und die wird all seine Monti-Cups übertreffen.

Der einstige Ariola-Plattenboss und Society-Liebling wurde an einem sonnigen Nachmittag, genau zwei Wochen vor seinem Wörthersee-Fest, auf dem Garchinger Wertstoffhof von einem Lkw totgefahren.

„Ein Großer hat die Bühne des Lebens für immer verlassen“, heißt es in der Traueranzeige. Und was am Montag um 12 Uhr an der Münchner Residenz passiert, ist ein Servus der Superlative. Montis Abschied wird zum Ausnahmezustand. Zur gigantischen AfterShow. 600 hochkarätige VIPs sind geladen – von Udo Jürgens bis Oscar-Preisträger Arthur Cohn. Nur 500 passen in die Allerheiligen-Hofkirche gegenüber dem Marstall. Mit mehr als 1000 Gästen und Beerdigungs-Adabeis wird gerechnet.

Der Abschied stellt jedes Fest der vergangenen Monate in den Schatten

Drin ist, wer in ist – wer mindestens eine Stunde früher in der Schlange stand und vor allem: wer in Montis privatem Telefonbuch stand. Ohne persönliche Einladung und VIP-Einlasskarte kommt niemand an den Security-Männern vorbei in die Kirche.

Das von Montis Freundeskreis extra einberufene Organisationsteam um Star-Anwalt Wolfgang Seybold und „Bunte“-Chefin Patricia Riekel kümmert sich seit einer Woche rund um die Uhr um Montis letzte Show. Es gibt eine Top-Gästeliste, eine strenge Sitzplatzordnung und ein zweistündiges Wahnsinns-Programm mit neun Reden und Live-Auftritten von Haindling, Leslie Mandoki, Claudia Koreck und Gregor Prächt . Montis Abschied stellt jedes Fest der letzten Monate in den Schatten. Der anschließende Empfang ist ebenso exklusiv und findet via Ausnahmegenehmigung bei Käfer-Catering im Kabinettsgarten der Residenz statt. Die Gerüchte überschlagen sich (Whitney Houston soll kommen! Monti trägt seine Tennisschuhe im Sarg! Dionne Warwick singt!), die Promis sind in heller Aufregung und suchen nach der dunkelsten Couture. Klar, dass alle noch so entfernten Monti-Freunde dabei sein und eines der abgezählten Monti-Sterbebildchen mit Wörthersee-Optik („Geh heast, mach’s gut. Ich bleib bei Euch.“) ergattern wollen. Sie wollen sehen, wie Montis 16-jährige Tochter Tracy vor dem roten Kirschholz-Sarg spricht und wer den größten Blumenkranz geschickt hat – und sie wollen gesehen werden.

Seit Tagen gibt es in der feinen Gesellschaft auch weniger feine Worte. „Da wollen sich ein paar Gschaftlhuber auf Montis Kosten wichtig machen“, sagt einer, der auf keinen Fall genannt werden will.

Es schimpfen vor allem die ohne Einladung

Wer keine Einladung und somit keine Streicheleinheit fürs Ego hat, schimpft also über das Organisationsteam, das absurde Trauer-Tamtam oder die eine oder andere Extrawurst. Eigentlich sollte die Beerdigung am vergangenen Donnerstag stattfinden, doch da Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn an dem Tag noch in Saudi-Arabien weilte, wurde der Abschied auf Montag verschoben. Jetzt kann Liz Mohn, deren Mann Montis größtes Vorbild war, pünktlich aus Gütersloh mit ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Gunter Thielen einfliegen.

Für alle, die sich ausgeladen fühlen, hat Organisator Wolfgang Seybold durchaus Verständnis. „Es steckt wirklich keine böse Absicht dahinter“, sagt er zur AZ. „Aber wir haben ein echtes Platzproblem. Monti hatte so viele Freunde – 600 Gäste sind ja schon viel zu viel. Wir wissen gar nicht, wie die alle in die Kirche passen sollen.“ Für alle, die keinen Platz bekommen, wird das Programm über Lautsprecher nach draußen übertragen.

Die Beerdigung ist noch exklusiver

Die Urnenbeisetzung findet deshalb auch im kleinen Kreis mit nur 50 engsten Freunden am nächsten Tag statt. „600 Gäste auf dem Alten Bogenhauser Friedhof – das wäre absolut unmöglich!“, erklärt Seybold. Auf das gesellschaftliche Großereignis folgt also die höchst exklusive Intim-Feier. So viel Beerdigungs-Wirbel verkraftet selbst ein erfahrener Party-Profi wie Gerd Käfer nicht. Zur AZ sagt der Feinkost-König: „Monti war ein enger Freund von mir, aber der Trubel ist ja wahnsinnig. Diese Abschiedsshow ist für mich zu viel des Guten, deshalb werde ich am Montag nicht dabei sein. Ich werde ein paar Tage später an sein Grab gehen und alleine Abschied nehmen.“

Ruhe und Besinnung wird es kaum geben. „Monti war ein öffentlicher Mensch“, begründet Wolfgang Seybold das Ausnahme-Adieu. Von Montis letzter Party wolle er jedoch nicht sprechen: „Monti war Mister Music – und deshalb bekommt er den schönsten musikalischen Abschied.“

Monti selbst fand Beerdigungen übrigens ganz schrecklich, besonders den Leichenschmaus danach hasste er. Dort ist er nie hingegangen. Aber wenn seine Promi-Freunde beim Leichenschmaus in der Residenz glücklich sind, dann wäre auch er glücklich gewesen.

Kimberly Hoppe

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