Mit Mathe die Weltpolitik verstehen

Aus den Lautsprechern tönt überlaute Musik, am Rand steht ein Kind mit Zuckerwatte, und unter dem knallbunt angemalten Dach fahren die Autoscooter vorwärts, rückwärts und gegeneinander. Manch einer macht sich sogar einen Spaß daraus, andere anzurempeln. Was macht man dann? Weicht man aus oder riskiert man den Zusammenstoß? Und egal, welche Entscheidung man trifft - man ist trotzdem immer noch vom Gegenüber im anderen Autoscooter abhängig. Was das mit Elfmeterschießen oder sogar hochpolitischen Verhandlungen zu tun hat, erklärt Filmemacherin Katarina Schickling in der "Kann Spieltheorie die Welt retten?" (ab Sonntag, 6. September, in der ZDF-Mediathek zu sehen), die nun erstmals auf 3sat zu sehen ist.
Denn hinter all diesen so verschiedenen Situationen, erklärt die neue und informative "NANO"-Dokumentation, stecken komplexe strategische Duelle. Diese lassen sich mit der sogenannten Spieltheorie erklären. Diese mathematische Theorie beschäftigt sich mit der Frage, was passiert, wenn der Erfolg von den gleichzeitigen Entscheidungen anderer Personen abhängt. Alles hängt zusammen. Was erst mal trocken klingt, zeigt der Film an praktischen Beispielen wie den Autoscootern auf einem Volksfest, wo Wirtschaftswissenschaftler Christian Rieck das sogenannte "Chicken Game" demonstriert, oder am "Gefangenendilemma" in einer WG.
Forscherinnen und Forscher zeigen, wie sie eben solche Modelle in der realen Welt anwenden können: Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels erklärt etwa, wie damit Kooperation bei der Organspende organisiert werden kann. Indes wird am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und am Institute of Science and Technology Austria auf einer globalen Ebene geforscht. Wie funktioniert Zusammenarbeit zwischen Ländern, die sich teilweise deutlich unterscheiden? Inzwischen spielt dabei jedoch nicht mehr nur die menschliche Interaktion eine Rolle - längst entscheidet die künstliche Intelligenz mit.
NANO Doku: Kann Spieltheorie die Welt retten? - Do. 10.09. - 3sat: 20.15 Uhr