Mit Königgrätz begann alles ...

Am 3. Juli 1866 beendete die Schlacht bei Königgrätz die Vorherrschaft der Habsburger im Deutschen Bund, der damals aus nicht weniger als 30 Staaten bestand. Das Dokudrama "Habsburg gegen Hohenzollern" zeigt die Ursachen der Schlacht und deren historische Folgen.
von  Hans Czerny
Der Kriegsfreiwillige Heinrich von Gablenz (Simon Schofeld) kämpft für Preußen im Swiepwald nahe Königgrätz. Dort rieben sich die fehlgeleiteten österreichischen Truppen entscheidend auf.
Der Kriegsfreiwillige Heinrich von Gablenz (Simon Schofeld) kämpft für Preußen im Swiepwald nahe Königgrätz. Dort rieben sich die fehlgeleiteten österreichischen Truppen entscheidend auf. © ARTE / Benny Paya / EPO-Film

Die Schlacht von Königgrätz (heute Hradec Králové) vom 3. Juli 1866, bei der Preußen Österreich besiegte, läutete eine neue Ära in Europa ein. Habsburg verlor seine Dominanz im Deutschen Bund, der damals aus nicht weniger als 30 größeren und kleineren Staaten bestand. Der Preuße Otto von Bismarck wollte eine geeinte Nation, die nach seiner Auffassung nur ohne Österreich zustande kommen konnte. So standen sich nach Vorbereitungskriegen schließlich etwa 220.000 preußische Soldaten und 215.000 auf österreichischer Seite gegenüber.

Das neue Dokudrama "Habsburg gegen Hohenzollern", das ARTE am Samstagabend zur besten Sendezeigt ausstrahlt, verzichtet auf ein ausführliches Schlachtengrollen, setzt aber etwas zu tiefschürfend auf die Zerstörung bestehender Kriegsmythologien. So wird der Zuschauer etwa von Bundeswehr-Historikern in Uniform darüber belehrt, dass nicht überlegene preußische Technik (neues schnelleres Hinterladergewehr, Eisenbahn-Zubringer, geschickte Taktik des Generalstabsschefs von Moltke) Ursache der österreichischen Niederlage war. Vielmehr sei diese im falschen Ehrgeiz Einzelner wie des Offiziers Anton Mollinary zu suchen, der seine Soldaten in Zweikämpfen verschliss, während der später gedemütigte Stabschef von Benedek in Erwartung der Preußen auf seine Artillerie setzen wollte.

Hinter solchen strategischen Darlegungen tritt das persönliche Schicksal von drei Brüdern, die teils in der preußischen, teils in der österreichischen Armee dienten, samt deren erhalten gebliebenen Aufzeichnungen leider etwas zurück. Anschauliche Szenen, wie die Schulkinder, die unter den gestrengen Augen ihres Lehrers Tücher aufdröseln, um Verwundete zu versorgen, prägen sich da eher ein. - Und es ist eben auch wahr: Mit Königgrätz begann alles - eine neue Zeit des heraufkommenden Nationalismus, der Reichsgründung und - daraus folgend - zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert. Richtig ist es, nach 160 Jahren, Königgrätz einmal gebührend ins Licht zu rücken.

Habsburg gegen Hohenzollern - Die Schlacht bei Königgrätz - Sa. 22.08. - ARTE: 20.15 Uhr

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