Milliarden für den Osten

Am 01. Juli 1990 kam die Westmark in die damals noch existierende DDR. Lkw fuhren zuvor Milliarden der D-Mark in den Osten, um sie auf Sparkassen und Banken zu verteilen. Die ZDF-Reportage erinnert an die damalige Zeit.
von  Hans Czerny
Mit der Währungsunion wurde die D-Mark am 1. Juli 1990 offizielles Zahlungsmittel in der DDR und ersetzte die Mark der DDR (Ostmark) als gesetzliche Währung. Die D-Mark-Scheine und -Münzen wurden an diesem Tag in den Umlauf gebracht.
Mit der Währungsunion wurde die D-Mark am 1. Juli 1990 offizielles Zahlungsmittel in der DDR und ersetzte die Mark der DDR (Ostmark) als gesetzliche Währung. Die D-Mark-Scheine und -Münzen wurden an diesem Tag in den Umlauf gebracht. © ZDF / John Will

Die wirtschaftliche Seite der Wende, sie sorgt bis heute für Verwerfungen. Die ZDF-Doku "Meine D-Mark - Als die DDR das Westgeld bekam" erinnert nun einmal mehr an diese Zeit: Die Gewinnler kamen großteils aus dem Westen, die Verlierer blieben im Osten zurück. Große Firmen wurden abgewickelt, manche kamen mit dem neuen Zahlungsmittel, der am 01. Juli 1990 im Osten eingeführten West-D-Mark, nicht zurecht. Dass der Umtauschkurs von Ost nach West zuvor offiziell vier bis fünf zu eins betragen hatte, trieb die Menschen nun vor die Banken-und Sparkassenschalter: unter 60-Jährige konnten 4.000 Ostmark eins zu eins in D-Mark wechseln.

Im Film von Melanie Haack und Daniela Sonntag erinnern sich die Menschen, wie das damals war, als Milliarden D-Mark aus dem Westen in die noch bestehende DDR gekarrt und dort auf Banken und Sparkassen verteilt wurden. Vor den Banken bildeten sich große Schlangen, Familien teilten je nach Alter die gesparte Ostmark unter den Verwandten auf.

So erzählen Angela Elsner und Heidrun Naumann von der Sparkasse in Grimma, wie sie damals kaum zur Ruhe kamen, weil sie fortwährend Konten eröffnen und Millionen Ostmark umtauschen mussten. Mit dem Sparkassen-Wartburg wurde das Geld ohne Polizeischutz in die einzelnen Filialen geliefert. Sabine und Ralf Brinke lernten sich durch die Währungsumstellung kennen, weil sich beide mit D-Mark eine Reise nach England kaufen konnten. In Ralfs Familie wurde im Familienrat das Geld auf den Konten so verschoben, sodass die maximale Umtauschrate ausgeschöpft wurde. Es herrschte Aufbruchstimmung. Doch, auch das zeigt der Film, der allgemeinen Euphorie folgte bald die Ernücherung. Arbeitsplätze gingen verloren, Betriebe mussten schließen - viele DDR-Produkte verkauften sich nicht mehr.

Anhand der Statements von Zeitzeugen und von Originalaufnahmen wird deutlich, wie viele Träume für 16 Millionen DDR-Bürger damals wahr wurden oder platzten.

Meine D-Mark - Als die DDR das Westgeld bekam - Sa. 03.10. - ZDF: 17.45 Uhr

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