Mette-Marit über Jeffrey Epstein: "Er war so manipulativ"
Mette-Marit von Norwegen (52) hat sich in einem 20-minütigen Interview mit dem norwegischen TV-Sender NRK zum Epstein-Skandal geäußert. Jeffrey Epstein (1953-2019) wird beschuldigt, zahlreiche Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an einflussreiche Persönlichkeiten vermittelt zu haben. 2019 starb er in Untersuchungshaft. "Ich wünschte mir natürlich, ich hätte ihn nie kennengelernt. Es ist mir unglaublich wichtig, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass ich seinen Hintergrund nicht genauer überprüft habe", sagte die Ehefrau von Kronprinz Haakon (52). Sie wolle die Verantwortung dafür übernehmen, "dass ich mich so manipulieren und täuschen ließ, wie es geschehen ist". Sie verdiene jedoch kein Mitleid, sondern es seien all die Opfer, die den schweren Übergriffen ausgesetzt waren, die Gerechtigkeit verdienen.
Das Interview gab Mette-Marit am Donnerstag und damit am Tag, an dem der Prozess gegen ihren Sohn Marius Borg Høiby (29) endete. Gemeinsam mit ihrem Ehemann empfing die Kronprinzessin den Sender in ihrem Wohnsitz Skaugum. Dass sie sich erst Wochen nach den Enthüllungen in dem Interview zu ihrem Kontakt mit Epstein äußert, führt die an Lungenfibrose erkrankte Kronprinzessin auf den Prozess und ihren Gesundheitszustand zurück. "Wir sind eine Familie, die sich in den letzten Wochen in einer sehr schwierigen Situation befunden hat. Für uns stand in erster Linie die Familie im Mittelpunkt." Sie sei die Mutter eines jungen Mannes, der sich "in einer sehr schwierigen Situation befunden hat. Außerdem erfordert mein Gesundheitszustand sehr viel Ruhe. Und dieser hat sich noch etwas weiter verschlechtert."
Seit das US-Justizministerium unzählige Seiten der Epstein-Ermittlungsakten veröffentlicht hat, steht fest, dass die Kronprinzessin einen deutlich engeren Kontakt zu dem verurteilten Sexualstraftäter pflegte, als bislang bekannt war. Nahezu 400 Nachrichten und E-Mails zwischen Mette-Marit und Epstein aus den Jahren 2011 bis 2014 sind dokumentiert. Zudem gab es mehrere Treffen, wie unter anderem die norwegische Zeitung "VG" berichtete. Bereits 2008 war Epstein wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden.
E-Mail-Kontakt und ein Aufenthalt in Palm Beach
2011 lernte Mette-Marit Epstein kennen. "Er war ein enger Freund eines guten Freundes von mir", sagte sie im NRK-Gespräch. "So wurde ich ihm durch gemeinsame Bekannte vorgestellt. Und alle arbeiteten im Bereich des globalen Gesundheit- und Vereinswesen. Das waren Menschen, denen ich vertraute und auf deren Urteilsvermögen ich mich verließ", erklärte die Kronprinzessin. Namen wolle sie dabei nicht nennen, auch um nicht anderen die Schuld zu geben. "Es liegt in meiner Verantwortung, dass ich mich nicht gründlich genug informiert habe." Sie habe nicht gewusst, dass Epstein ein Sexualstraftäter war.
Auf den E-Mail Kontakt und die freundschaftliche Beziehung mit Epstein angesprochen, sagte Mette-Marit: "Ich war in einer Phase, in der ich meine Rolle als ziemlich anspruchsvoll empfand. Ich empfand Epstein als jemanden, auf den ich mich in einer schwierigen Phase meines Lebens irgendwie verlassen konnte. Da habe ich mich sehr getäuscht."
Das Bekanntwerden von Mette-Marits Aufenthalt im Jahr 2013 in Epsteins Haus in Palm Beach, für den sie laut eigener Aussage nicht bezahlt hat, schlug ebenfalls hohe Wellen. "Das ist etwas, womit ich mich am meisten beschäftigt habe, seit die schweren Missbrauchsfälle 2019 bekannt wurden", erklärte sie. "Die Tatsache, dass ich dort war, und nicht zuletzt meine Schuldgefühle gegenüber den Opfern. Es ist also für mich persönlich sehr schwer und ist es eigentlich schon seit 2019, als mir die schweren Missbräuche bewusst wurden." Alle Personen, die sie zusammen mit Epstein dort getroffen habe, seien Erwachsene gewesen und sie habe nie etwas Illegales mitbekommen.
Doch die Kronprinzessin gab auch zu, dass sich Epstein ihr gegenüber "auf eine Art und Weise verhalten hat, die mir nicht gefallen hat". Am letzten Tag ihres Aufenthalts habe er sie in eine Situation gebracht, "die mir so große Unsicherheit bereitete, dass ich Haakon zu Hause anrief". Auf die genaue Situation ging Mette-Marit nicht weiter ein. Dass der Kontakt danach noch bis 2014 bestehen blieb, "lag daran, dass er so manipulativ war, dass er die Tatsache ausnutzte, dass wir einen gemeinsamen Freund hatten", erklärte die Kronprinzessin. "Dass ich leichtgläubig bin. Ich sehe gerne das Beste in den Menschen. Aber ich habe mich ja auch entschieden, den Kontakt zu ihm abzubrechen, und das lag an solchen Vorfällen wie diesem."
Mette-Marit: "Ich wurde manipuliert"
Zum Kontaktabbruch führte Mette-Marit weiter aus: "Es sind Informationen, die einem zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreichen. Ich glaube, heute sehe ich viel deutlicher, wie sehr ich manipuliert wurde. Dann hörte ich noch ein paar Gerüchte, dass er kein guter Mensch sei. Niemals, dass er ein Täter sei, sondern dass er kein guter Mensch sei." Nach dem Ende ihrer freundschaftlichen Beziehung und dem Wissen über Epstein wollte Mette-Marit deshalb auch nicht, dass Menschen von ihrem Kontakt wussten. Auch 2019 hatte sie sich nicht geäußert. Einerseits wollte sie ihr Privatleben schützen, andererseits räumte Mette-Marit ein, dass sie über den Aufenthalt in Palm Beach informieren hätte müssen. "Ein Grund dafür, dass wir das nicht getan haben, war schlichtweg, dass ich selbst Schwierigkeiten hatte, das zu verarbeiten."
Sie bereue es, dass sie nicht mehr Menschen gewarnt habe, dass Epstein ein schlechter Mensch war. "Ich habe das natürlich gegenüber meinen engsten Vertrauten getan, aber dass ich nicht mehr Menschen gewarnt habe, hat mich sehr beschäftigt. Ich wusste immer noch nichts von all den Übergriffen. Aber ich hatte doch so viel mitbekommen, dass ich ihn für einen schlechten Kerl hielt, mit dem man keinen Kontakt haben sollte."
Kronprinz Haakon, der bei dem Interview seiner Frau zur Seite stand, gab in dem Gespräch an, dass er von dem Kontakt seiner Frau zu Epstein gewusst habe. Bei einem Familienurlaub in St. Barths sei es auch zu einer "kurzen Begegnung" seinerseits mit Epstein gekommen. Über Mette-Marit sagt er: "Sie verlor nach und nach das Vertrauen in Epstein und kam zu dem Schluss, dass dies eine Person war, die ihr nicht wohlgesonnen war, und das führte dazu, dass sie den Kontakt zu ihm abbrach."
Mette-Marit: Gesundheit entscheidet über royale Pflicht
Ob sie zukünftig ihren royalen Pflichten nachgehen könne, hänge von ihrem Gesundheitszustand ab, fügte die Kronprinzessin in dem Interview an. "Ich lebe mit einer schweren Krankheit, und diese bestimmt derzeit meinen Alltag. Sie entscheidet darüber, ob ich meine Rolle überhaupt ausfüllen kann oder nicht." Sie glaube fest an die Bedeutung der Monarchie in Norwegen und hoffe, dass das Vertrauen in sie nicht geschwächt ist. "Das wäre sehr traurig für mich. Haakon ist der Mensch, den ich auf der ganzen Welt am meisten respektiere. Ich habe großes Vertrauen in ihn."
Haakon, der in dem Interview seine Frau als "fürsorglich, klug und wirklich stark" beschrieb, will auf das Fundament, das sich das Paar gelegt habe, aufbauen. "Wir sind nun schon seit über 25 Jahren zusammen. Und glücklicherweise konnten wir es so aufbauen, dass wir fest zusammenhalten. Wenn man heiratet, gilt das für gute und schlechte Tage."
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