Meta zeigt Muse Charm: KI-Begleiter im Anhänger-Format

Meta baut seine Hardware-Palette weiter aus. Bei der diesjährigen Entwicklerkonferenz Meta Connect präsentierte Konzernchef Mark Zuckerberg neben neuen Smart Glasses und einer besonders leichten VR-Brille das Gadget Muse Charm in einer Art "One more thing"-Manier, für die Steve Jobs einst berühmt wurde: "Wir haben viele Produkte vorgestellt. Aber ich habe noch eines, das ich euch zeigen will", sagte Zuckerberg und griff in seine Tasche.
Das Gerät, das er hervorholt, ist in etwa so groß wie ein Schlüsselanhänger oder eine Stoppuhr und soll einen direkten Draht zu Muse herstellen, dem persönlichen Alltags-KI-Agenten des Konzerns. Viel Bühnenzeit bekam Charm allerdings nicht. Zuckerberg hielt es nur kurz in die Kamera und gab zu, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen sei. Dennoch grassierten kurz nach der Präsentationen bereits jede Menge Berichte im Netz über die mögliche Technik dahinter.
Kleines Gehäuse, viel Sensorik
Herzstück von Charm ist demnach ein kleines Touch-Display auf OLED-Basis. Darauf zu sehen: ein weißer, flauschig gestalteter Avatar, der den Assistenten verkörpert. Aussehen, Stimme und Outfit lassen sich offenbar individuell anpassen. Obendrein stecken im Gehäuse außerdem ein Mikrofon, Kameras und ein 5G-Modem, sodass das Gerät auch ohne WLAN online bleibt. Weitere Berichte nennen einen Lautsprecher, einen USB-C-Port und einen seitlichen Fingerabdrucksensor. Über diesen Sensor starten Nutzer das Gespräch mit Muse.
Die Kameras dienen der KI wohl als Augen. Mit ihnen soll Muse die Umgebung erfassen, Gegenstände erkennen und Hinweise für den Alltag geben. Fotos und Videos lassen sich ebenfalls aufnehmen, telefonieren kann der Charm dagegen nicht. Für die Ersteinrichtung braucht man ein iPhone oder Android-Smartphone samt Muse-App. Getragen wird das Gerät in der Hosentasche, an der Tasche oder am Schlüsselbund. Meta selbst spricht nicht von einem Wearable, sondern von einem "Holdable", also einem Gerät, das man immer wieder zur Hand nimmt. Eine verspielte Zusatzfunktion: Begegnen sich zwei Besitzer, sollen ihre Avatare einander erkennen und miteinander interagieren können.
Der Anspruch geht allerdings über eine digitale Spielfigur hinaus. Laut "Financial Times" soll Muse unter anderem Einkäufe erledigen, Reisen buchen und bei der Verwaltung der Finanzen unterstützen.
Datenschutz: Viel Zugriff, viele offene Fragen
Genau hier setzt die Kritik an. Damit der Agent solche Aufgaben übernehmen kann, braucht er Einblicke in sensible Bereiche. Die "Financial Times" nennt neben E-Mail-Konten und Kalender ausdrücklich auch Finanzdienste als mögliche Zugriffspunkte. Hinzu kommt ein Gerät mit Kameras, das ständig mitgeführt wird und seine Umgebung analysieren soll.
In sozialen Netzwerken sorgt das für Spott und Misstrauen. Ein Nutzer bezeichnete den Charm als finsteren Verwandten des Tamagotchis, der seinen Besitzer beobachte und dessen Daten weiterleite. Andere erklärten, sie würden ihre Informationen ungern einem Meta-Gadget überlassen. Neben der Begeisterung über den Nostalgie-Effekt gab es auch Stimmen, die den Nutzen grundsätzlich infrage stellen.
Meta hält dagegen, Muse bringe zeitgemäße Schutz- und Sicherheitsmechanismen mit. Laut dpa kündigte Zuckerberg zudem an, bestimmte Interaktionen mit Meta-Hardware künftig vollständig verschlüsselt zu verarbeiten. Welche Interaktionen das betrifft, ist bislang nicht bekannt.
Auch weitere zentrale Fragen hat Meta nach derzeitigem Stand ebenfalls nicht beantwortet: Welche Daten werden auf dem Gerät verarbeitet, welche in der Cloud? Wie lange werden Aufnahmen gespeichert? Und wie werden Unbeteiligte geschützt, die ins Blickfeld der Kameras geraten?
Marktstart zum Jahresende, Preis offen
Meta peilt eine Veröffentlichung im Dezember an, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Bislang existieren nach Zuckerbergs Worten aber nur wenige Exemplare. Auch das Material für die Oberfläche steht noch nicht fest, ebenso wenig wie der Preis und die Tatsache, in welchen Ländern der Charm erscheint. Nur eines glaubt Mark Zuckerberg am Ende seiner Präsentation zu wissen: "Die Leute werden es lieben. Ich kann es kaum erwarten zu sehen, wie ihr damit euer Leben verbessert und unsere Zukunft gestaltet."
Meta betritt damit jedoch ein Feld, auf dem andere bereits gescheitert sind. Rabbit hat die Produktion seines R1 eingestellt und setzt inzwischen auf Rabbit OS 3, ein agentisches System für Windows, macOS und Linux. Humane verkaufte sein Geschäft an HP, die bereits ausgelieferten AI Pins wurden abgeschaltet. Anders als diese Start-ups trägt Meta mit einem solchen Nischenprodukt jedoch ein vergleichsweise geringes finanzielles Risiko, ergänzt es doch das bestehende Brillen-Portfolio, das unter größerem, teils öffentlichen Druck steht. Konkurrenz zeichnet sich bereits ab: OpenAI soll in den kommenden Monaten ein eigenes Gerät vorstellen, einen mobilen Smart Speaker, der ChatGPT eine physische Gestalt geben soll.