Mario Adorf: „Immer schön auf dem Teppich bleiben!“

Mario Adorf (86) im AZ-Interview über seine Tochter Stella, seine Ehefrau Monique, Liebe im Alter und das Lebensende
| Interview: Armin Lißfeld
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Olaf Schubert (rechts) und Mario Adorf.
dpa Olaf Schubert (rechts) und Mario Adorf.

Im aktuellen Kino-Film „Schubert in Love“ spielt Mario Adorf ausnahmsweise mal in einer sehr leichten Komödie. Und zwar mimt er den Vater von Olaf (gespielt von Comedian Olaf Schubert), den letzten Spross der Schubert-Dynastie. 

Die AZ sprach mit der Schauspieler-Legende, die heuer 87 wird.

Herr Adorf, selten, dass man Sie in solch einer leichten Komödie erleben hat. Wie kommt’s?

MARIO ADORF: Ich liebe das Genre der Komödie, habe ja auch schon in einigen, wie z.B. ‚Kir Royal’, mitgespielt, aber diese Art der leichten Unterhaltung war mir tatsächlich neu. Mitgemacht habe ich, weil mir Olaf Schubert im Fernsehen positiv aufgefallen ist. Unter den vielen unerträglichen Stand-Up-Comedians, die Deutschland überschwemmen, ist er eine Ausnahmeerscheinung, weil er querdenkerisch, ungewöhnlich, intelligent und überraschend ist. Alles in allem eine schöne Begegnung, die mir viel Spaß gemacht hat.

Sie spielen Olaf Schuberts Vater, einen wohlhabenden Patriarchen, der seinen Sohn dazu drängt für Nachwuchs zu sorgen, damit der Familienstammbaum erhalten bleibt.

Ein schräger alter Kauz, der so gar nichts mit mir persönlich gemein hat. Ich spiele immer lieber Rollen, die nichts mit mir zutun haben, weil man dadurch seine eigene Persönlichkeit bereichern kann. Es gibt selbstdarstellerische Kollegen, die alles dafür tun, damit sie selber zur Rolle werden, ich bin lieber ein Fremddarsteller. Manfred Krug hat mal zu mir gesagt: „Du bist ein Schauspieler, das bin ich nicht. Ich mache mir alles zu Eigen, den Text und alles, bis es mir selber gleicht, wogegen du ein Verwandler bist.“ Das trifft’s ganz gut.

Haben Sie sich jemals ins Liebesleben Ihrer Tochter Stella eingemischt?

Nein, das würde ich nie tun. Zumal wir ja auch kein klassisches Vater-Tochter-Verhältnis haben. Dadurch, dass ich so früh von ihrer Mutter geschieden wurde, habe ich fast ihre ganze Kindheit verpasst. Mittlerweile hat sich das sehr schön entwickelt, aber sie ist heute eher eine sehr gute Freundin als eine Tochter für mich.

Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Enkelsohn?

Ich freue mich, wenn ich ihn ab und zu sehe, aber ich bin wohl nicht der typische Opa. Mit zehn Jahren sang er im Kinderchor der Berliner Staatsoper, was ich toll fand. Ich verfolge, was er tut, und ich freue mich darauf, dass wir bald richtige Gespräche miteinander führen können. Das könnte spannend werden.

Wie haben Sie eigentlich Weihnachten verbracht?

Ich bin mit meiner Frau in Paris gewesen und wir haben ein paar Freunde zum Essen nach Hause eingeladen. Es hat Tradition bei uns, dass wir mit Menschen feiern, die ähnlich unabhängig sind wie wir. Wir sitzen zusammen, Monique kocht, ich suche den Wein aus und wir machen uns einen gemütlichen Abend. Wohlgemerkt ohne das ganze Weihnachtsbrimborium: es gibt keinen Baum, keine Lieder und auch keine Christmette. Und bescheren tun wir auch nicht, weil wir uns unterm Jahr genug schenken, das machen wir nicht abhängig von irgendwelchen Bräuchen.

Haben Sie sich mit Ihrer Frau eigentlich bewusst gegen Kinder entschieden?

Nein, Monique und ich hätten gerne ein Kind gehabt, aber das hat damals leider nicht funktioniert, und wir haben uns damit abgefunden.

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Was wäre denn ein typisches Adorf-Gen, dass Sie Kindern gerne vererben würden?

Wahrscheinlich Bescheidenheit! Ich sollte sogar schon mal einen Bescheidenheits-Preis verliehen bekommen. Ich versuche, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Ich habe zwar ein gesundes Selbstbewusstsein und weiß, wo ich stehe und was ich gemacht habe, aber man muss sich nicht selbst überhöhen. Immer schön auf dem Teppich bleiben. Da kommt es mir zu gute, dass ich im Ausland lebe. In Paris zum Beispiel dreht sich auf der Straße kein Mensch nach mir um.

Im Film geht es vor allem darum, wie man den richtigen Partner sucht und findet.

Auch so ein Thema, das mir gänzlich fremd ist. Ich habe nie nach der Liebe oder der Lebenspartnerin gesucht, wüsste auch gar nicht, wie das geht. Es ist immer alles auf mich zugekommen, in der Liebe, wie auch im Beruf. Mein Leben war immer ehrgeiz- und planlos und hatte auch nie nach Erfolg gestrebt. Vielleicht bin ich einfach ein Glückskind.

Wie haben Sie Ihre Frau Monique dennoch gefunden?

Ich habe sie über Brigitte Bardot kennengelernt und sie anfangs gar nicht wahrgenommen, weil ich nur Augen für die Bardot hatte. Erst als ich sie alleine traf, habe ich gemerkt, was für ein tolles, eigenständiges Mädchen war. Und da zeigte sich ihr wahres Wesen: eine Südfranzösin mit Humor, voller Lebenslust und Energie.

Wie schafft man es, 48 Jahre lang zusammen zu bleiben?

Es geht um das Miteinander, nicht das Gegeneinander. Man darf sich nicht gegenüber stehen, das sorgt sonst ständig für Reibung. Man muss nebeneinander stehen und in die gleiche Richtung schauen. Und ganz wichtig ist die Akzeptanz, man muss den Partner mit allen seinen Fehlern nehmen, ihn ja nicht ändern wollen. Dann kann das bis zum Lebensende funktionieren - bei uns habe ich da keine Zweifel.

Angst vorm Ende?

Nein. Ich lebe im Bewusstsein, dass der Motor irgendwann ausfallen wird, auch wenn das laut meinem Arzt noch etwas dauern könnte. Da ich nicht gläubig bin und mir keine Illusion darüber mache, ob etwas danach kommt, würde ich vielleicht sogar dem Beispiel meiner Mutter folgen: Sie wollte kein Grab, sondern wollte, dass ich ihre Asche im Meer verstreue. Sie wollte einfach weg sein. Zwar hart, aber respektabel. Mal schauen, was meine Frau dazu sagt, sie hat da auch ein Wörtchen mitzureden.

Hören Sie auf Ihre Frau?

Ja, weil sie einen enorm sicheren Instinkt hat, der über normale Intelligenz hinausgeht. Auf Ihr Urteil kann ich mich in vielen Lebenssituationen verlassen. Ein Grund warum ich diese Frau so liebe. Der andere ist der Humor. Man kann wunderbar lachen mit ihr, selbst wenn wir uns streiten. Wir haben oft gestritten, sind aber nie böse aufeinander eingeschlafen.

Lieben Sie heute anders als früher?

Die Liebe verändert sich von der Begehrlichkeit, vom Sexuellen. Da bleiben Dinge auf der Strecke und andere verstärken sich: das Vertrauen ineinander, ja, auch das gemeinsam alt werden wollen. Ich empfinde die Gewöhnung aneinander als etwas sehr Schönes.

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