Männer von heute: Grönemeyers Frage wird noch immer gestellt

Was ist Männlichkeit? Eine neue "37°"-Dokumentation versucht zu verstehen, warum vor allem junge Männer auf ihrer Suche nach Orientierung in den sozialen Medien frauenfeindlichen Ideen verfallen und erklärt, warum das auch Männern selbst schadet.
Friederike Hilz |
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Was macht einen Mann aus? Dating-Coach Hendrik (Bild) glaubt es zu wissen.
ZDF/Henning Sliwa 5 Was macht einen Mann aus? Dating-Coach Hendrik (Bild) glaubt es zu wissen.
In der "37°"-Dokumentation spricht Hendrik viel von "männlicher Energie". Männer, die zu wenig davon haben, hätten weniger Erfolg bei Frauen, ist er überzeugt.
ZDF/Henning Sliwa 5 In der "37°"-Dokumentation spricht Hendrik viel von "männlicher Energie". Männer, die zu wenig davon haben, hätten weniger Erfolg bei Frauen, ist er überzeugt.
Autor und Journalist Tobias Ginsburg erklärt, wie Dating-Coaches in den sozialen Medien die Unsicherheiten von Männern ausnutzen und damit Geld verdienen. "Das ist schwer erträglich", sagt Ginsburg.
ZDF/Tenzin Sherpa 5 Autor und Journalist Tobias Ginsburg erklärt, wie Dating-Coaches in den sozialen Medien die Unsicherheiten von Männern ausnutzen und damit Geld verdienen. "Das ist schwer erträglich", sagt Ginsburg.
"Es ist hart, ein Mann zu sein", glaubt Rapper Ego aus Frankfurt.
ZDF/Tenzin Sherpa 5 "Es ist hart, ein Mann zu sein", glaubt Rapper Ego aus Frankfurt.
Fabian (Name geändert) erzählt in der "37°"-Dokumentation, wie er in die sogenannte "Red-Pill-Szene" kam.
ZDF/Tenzin Sherpa 5 Fabian (Name geändert) erzählt in der "37°"-Dokumentation, wie er in die sogenannte "Red-Pill-Szene" kam.

Männer müssen stark sein, Männer sollen nicht "jammern" und sollen ihre Emotionen im Griff haben - davon ist zumindest Dating-Coach Hendrik überzeugt. Und der 31-Jährige ist mit dieser Vorstellung längst nicht alleine. In den sozialen Medien finden eher konservative Männlichkeitsbilder vor allem bei jungen Männern viel Anklang. Aber warum haben Influencer und Dating-Coaches wie Hendrik damit so viel Erfolg? Wird die Gesellschaft nicht immer progressiver? Die neue frei nach Herbert Grönemeyer betitelte "37°"-Dokumentation "Alpha - Wann ist ein Mann ein Mann?" (auch in derMediathek des ZDF zu sehen) zeigt, wieso eben diese Vorstellungen von Männlichkeit solch eine große Anziehungskraft haben - und warum sie gefährlich sind.

Hendrik, der sich auf "Erfahrungswerte", "die Natur" und "Instinkte" beruft, spricht auf seinen Social-Media-Profilen und in der Dokumentation von Valerie von Boehn viel von "männlicher" und "weiblicher Energie" und meint damit letztendlich eine klare Rollenverteilung: Der starke Mann führt, die Frau schaut zu ihm auf. Frauen würden das so wollen, ist der 31-Jährige überzeugt. Kritik, dass er frauenfeindlich sei, nimmt er nicht ernst und betont: "Ich liebe Frauen."

Der Frankfurter Rapper Ego teilt die Vorstellung, dass ein Mann hart und stark sein muss. Früher, mit einer klaren Rollenverteilung, sei die Gesellschaft zufriedener gewesen, ist der 27-Jährige überzeugt. Umso krasser definiert er für sich selbst und in seiner Musik, was für ihn Männlichkeit bedeutet. Die Dokumentation zeigt, welche absurden Ausmaße das teilweise annimmt.

Warum sind konservative Männlichkeitsbilder erfolgreich?

Während Hendrik, Ego, und auch der dritte Protagonist des Films, Fabian (Name geändert), weitestgehend ohne kritische Nachfragen von ihren Vorstellungen von Männlichkeit erzählen dürfen, ordnet Autor und Journalist Tobias Ginsberg die Aussagen der drei für das Publikum entschieden ein: "Diese Männerbilder sind gerade furchtbar erfolgreich, weil sie unglaublich stumpf und einfach sind." Sie würden Orientierung bieten, erklärt Ginsberg, dabei aber gleichzeitig Unsicherheiten und Zweifel von Männern immer weiter fördern: "Wenn du wirklich glaubst, was ein Großteil dieser Coaches erzählt, dann verlierst du jedes Selbstbewusstsein."

Auch Fabian suchte nach einer Abweisung von einer Kommilitonin im Netz nach Orientierung. Er stieß auf eine Welt, in der andere Männer ihm erklärten, wie er Frauen manipulieren kann, in der Frauen schlicht weniger wert und Männer die Opfer des Feminismus sind. Diese sogenannte "Red-Pill-Szene", in der Frauen zum Feindbild erklärt werden, sei leicht zu politisieren, warnt Ginsburg: "Dass du eine große Pipeline hast, aus dieser Männlichkeitsindustrie hin in die extreme Rechte. Ja, natürlich."

37°: Alpha - Wann ist ein Mann ein Mann? - Di. 18.08. - ZDF: 22.15 Uhr

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