Luise Kinseher: "Ich werde mehr schimpfen"

Luise Kinseher gibt beim Starkbieranstich wieder die derbleckende Mutter der Nation. Hier spricht sie über ihre Mama, Meditation – und Ironie, die Frauen fremd sein soll.
| Anne Kathrin Koophamel, Michael Schilling
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Luise Kinseher: die Bilder von ihrem ersten Auftritt als Bavaria auf dem Nockherberg im März 2011.
dpa/dapd 10 Luise Kinseher: die Bilder von ihrem ersten Auftritt als Bavaria auf dem Nockherberg im März 2011.
Luise Kinseher: die Bilder von ihrem ersten Auftritt als Bavaria auf dem Nockherberg im März 2011.
Tobias Hase, dpa; imago 10 Luise Kinseher: die Bilder von ihrem ersten Auftritt als Bavaria auf dem Nockherberg im März 2011.
Luise Kinseher: die Bilder von ihrem ersten Auftritt als Bavaria auf dem Nockherberg im März 2011.
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Luise Kinseher: die Bilder von ihrem ersten Auftritt als Bavaria auf dem Nockherberg im März 2011.
dapd 10 Luise Kinseher: die Bilder von ihrem ersten Auftritt als Bavaria auf dem Nockherberg im März 2011.

Luise KInseher, die Kabarettistin (42) wird in der Rolle der Bavaria am 7. März die Politiker am Nockherberg derblecken.

AZ: Frau Kinseher, bei der Salvatorprobe geben Sie als Bavaria die selbst ernannte Mama der Nation. Wie oft benutzen Sie das Wort „Mama“ eigentlich, wenn Sie gerade nicht die Bavaria spielen?

LUISE KINSEHER: Na, nur wenn ich mit meiner Mama rede. Kommt aber oft vor. Wie sehr ähnelt Ihre Mutter jener Mama, die Sie verkörpern? Meine Mama ist sehr gutmütig und liebevoll. Ich war ja ein ziemlich freches Kind, eigenwillig auch – und habe nicht gefolgt. Darum hat sie mich auch viel geschimpft. Aber das habe ich weitgehend verdrängt. Ich habe eher in Erinnerung, dass ich Pausenbrote geschmiert bekam – und dass meine Mama sehr lieb war.

Wie haben Sie Ihrer Mutter als Mama gefallen?

Gut, denke ich. Aber ich muss dazu sagen: Meine Mama ist auch nicht besonders kritisch. Wenn ich gelobt werden will, muss ich nur meine Mama anrufen. Sie ist mein verlässlichster Fan. Meine Eltern sind beide 75. Die schauen beide natürlich alles an, wenn ich im Fernsehen zu sehen bin.

Wenn nicht Ihre Mutter, wer ist dann stilprägend für die Rolle der Bavaria gewesen?

Eher die Bavaria, die Landesmutter, die wohlwollend, aber mit gewisser Strenge auf ihre Kinder schaut – und manchmal so an ihnen verzweifelt, dass sie Tabletten nehmen muss. Die Figur ist natürlich weiter ausbaufähig. Man kann sie emotionaler, auch irrationaler machen. Mütter widersprechen sich ja auch: Sie wollen das Beste fürs Kind – und sagen dann Sachen, die nicht das Beste fürs Kind sein können.

Haben Sie Müttern im Alltag gewissermaßen aufs Maul geschaut, um den richtigen Mutter-Ton zu treffen?

Anfangs schon. Aber das ist dann nicht in die Figur eingeflossen. Denn: Mütter sind nicht ironisch. Wenn man Kindern ständig mit Witz und Ironie begegnet, also das Gegenteil meint von dem, was man sagt, dann würde ein Kind auf Dauer verrückt werden. Dazu gibt es „wissenschaftliche Studien“.

Ach.

Ja, von Uli Waller, einem Regisseur aus der Kabarettszene, stammt die Theorie: Frauen können deshalb nicht komisch sein, weil sie Kinder in die Welt setzen und deshalb ironiefremde Wesen sind – weil sie instinktiv wissen, dass Ironie in der Erziehung schädlich ist. Das finde ich interessant.

Aber das gilt natürlich nicht für die Bavaria, oder?

Natürlich macht die Bavaria klare Ansagen – aber das ist ja auch Satire. Ich versuche, als Bavaria jetzt emotionaler zu werden, ich werde mehr schimpfen.

Weil die Landeskinder nicht brav genug gewesen sind?

Nein, eher weil ich gesehen habe, was aus der Rolle noch rauszuholen ist, welche Erfahrungen und Fehler ich beim ersten Mal gemacht habe.

Haben Sie sich die Aufzeichnung nochmal angeschaut?

Ja, direkt nach dem letzten Nockherberg, als die Erfahrung noch ganz frisch war. Und dann habe ich meine Bewertungen sofort aufgeschrieben.

Dürfen wir raten: Am Aschermittwoch haben Sie ferngesehen, oder?

Den ganzen Tag – auf Phoenix. Das war spannend, wie die Stimmung in den Parteien ist. Die CSU hat ja alle Erwartungen komplett nicht eingehalten. Darauf werde ich natürlich in meiner Rede Bezug nehmen. Besser als erwartet fand ich Philipp Rösler, ziemlich locker. Dem hat man angemerkt, dass er aus der Gauck-Geschichte gestärkt hervorgegangen ist. Der Gauck hat ein Buch über Freiheit geschrieben, der Rösler dachte sich in seiner Aschermittwochs-Rede: Ha, für Freiheit sind wir auch – super, das passt. Drum hat er ja sogar das Buch vom Gauck in der Hand. Das war aber noch originalverpackt: Das hatte er noch gar nicht gelesen gehabt!

Wer gefiel Ihnen am besten?

Also, vom Christian Ude hätte ich mir mehr erwartet. Sigmar Gabriel hat sich gut gehalten, fand ich. Aber wenn so ein Preiß wie der vor der CSU spräche – die würden ihm gar nicht zuhören. Klasse war Dobrindt! Wenn man auf diesem Niveau am Nockherberg Pointen setzen würde wie der Dobrindt am Aschermittwoch, hätte man es wohl zum letzten Mal gemacht.

 


Ist am Nockherberg der Druck auf Sie gewachsen?

 

2011 war die Erwartungshaltung schon sehr hoch und der ganze Rummel für mich überraschend. Diesmal ist es eher gemütlich. Ich kenne das ja schon. Der Neulings-Bonus fällt aber diesmal weg. Ich habe viel positives Feedback bekommen, in E-Mails, auf meinem Facebook-Account, bei Auftritten. Einigen war’s zu lasch. Aber da muss man, finde ich, als Kabarettist auch aufpassen, dass man sich nicht zum verlängerten Arm von einem Couch-Potato machen lässt, der einfach nur auf die Politiker geschimpft haben will. Die wollen nur hart draufgehaut haben.

Wie lösen Sie das?

Ich kann mich da nur auf mein Gefühl verlassen. Die Politiker lassen sich eh schon viel gefallen von der Öffentlichkeit – das kann man fast nicht toppen. Ich finde, auf dem Nockherberg muss es lustig sein, da muss eine Gaudi sein. Das ist wichtig. Da muss eine gewisse Leichtigkeit herrschen, das darf keine verkrampfte Veranstaltung sein.

Kritik an Ihnen gab es trotzdem.

Die sollen ruhig schimpfen. Ist doch gut, wenn ich polarisiere. Der größte Fehler, den ich gemacht habe, ist, dass ich zu lang war. Ich wollte die Längen vom Anfang eigentlich gleich raushauen, weil ich da ein sehr gutes Gespür habe. Aber da haben alle gesagt: Lass es drin! Ohne das wäre es eine halbe Stunde gewesen. Ich bin der festen Überzeugung, dass mein Text gut war, dass er eine Haltung hatte. Aber auch, dass manche Sachen zu fein gestrickt waren, als dass man sie hätte hören können. Und dass ich die Dramaturgie einfach nicht richtig gemacht habe.

Wer sieht die Rede vor dem eigentlichen Auftritt?

Das nimmt der BR ab, die Unterhaltungschefin. Und der Andi Steinfatt (Paulaner-Chef, d. Red.). Denen trage ich das – möglichst plastisch, aber ohne Kostüm – vor.

Üben Sie vorm Spiegel?

Nein. Ich nehme es auf dem iPad auf und höre es mir dann an. Da erkenne ich dann schon Nuancen, wo ich nachbessern muss. Und mit dem Auswendiglernen beginne ich eine Woche vorher.

So kurz?

Das ist ja mein Beruf. Dafür gibt es Techniken. Ich muss den Text strukturieren. Ich teile den in Zehn-Minuten-Abschnitte: Was will ich da in welchem Ablauf sagen? Wenn das sitzt, kommen die nächsten zehn Minuten und so weiter.

Wie erleben Sie dann den Auftritt: Wird der in Ihrem Erleben ganz lang – oder geht es schnell vorbei?

Das Schönste ist, wenn’s fertig ist und du dich fragst: Mei, ist schon aus? Deshalb mache ich das ja so gern: Weil ich da im Flow bin. Das ist mein Leben. Ich denke nicht – ich bin.

Und vor dem Auftritt?

Was ich jedem empfehlen kann, ist Meditation. Dabei entspanne ich richtig. Was bei mir immer funktioniert, ist reine Körperentspannung, Body-Scan oder so etwas. Wo man bei Bewusstsein jeden Finger berührt und zieht und so weiter. Das kann jeder. Das bringt einen richtig runter und macht einen ruhig. Meditieren ist wichtig für mich.

Wenn Sie Ihre eigene Mama wären: Wofür würden Sie sich schimpfen?

Huch! Ich achte eigentlich drauf, dass ich mich nicht so sehr selber niedermache. Ich bin schon gut zu mir selber. Schimpfen, hm. Vielleicht so: Trink halt mal ein Bier weniger! Geh halt mal heim! Wenn’s mir Spaß macht und es grad lustig ist im Wirtshaus, bin ich sicher nicht die, die als erste heimgeht. Ich bin einfach ein wahnsinnig geselliger und lustiger Mensch. Und wenn dann das Lokal zumacht und man nicht mehr weiß wohin, dann sage ich: Komm, gemma ins Jägerstüberl – und das ist meine Küche. Dann müssen alle mit.

 


Wieso Jägerstüberl?

 

Einfach so. Ein Freund von mir hat neulich immerhin versprochen, dass er mir mal ein Geweih schenkt, damit der Name Jägerstüberl für meine Küche auch eine Berechtigung hat.

Wie viele Ideen sind schon im Jägerstüberl geboren worden?

Wenige. Also: keine. Mir fällt schon nach der ersten Halbe Bier nix mehr ein. Was ich mir im Rausch ausdenk, so lustig es ist, steht am nächsten Tag nicht mehr gerade da.

Wann also ist Ihr biorhythmischer Kreativ-Höhepunkt?

In der Früh. Ganz blöd. Ich hab dann so Schreibphasen, drei, vier Tage am Stück, an denen sonst gar nichts ist. Ich hatte erst zwei solche Tage, wo ich morgens um acht am Schreibtisch sitze und abends um neun erst wieder aufstehe. Da tut dann so das Kreuz weh, dass ich dann schon wieder zur Yoga-Lehrerin muss.

Ihr politisches Highlight im letzten Jahr?

Das war im Spätsommer, als Christian Ude seine Kandidatur erklärt hat. Da war ich dann auch euphorisiert: Aha, es tut sich was, das wird spannend! So macht Politik Spaß.

Waren Sie traurig, dass Ihnen Christian Wulff so kurz vor Ihrem Auftritt als Bundespräsident abhanden gekommen ist?

Ach, es ist doch schön, dass der Horsti jetzt Bundespräsident ist. Darauf gehe ich jetzt natürlich ein. Obwohl er das Repräsentieren gar nicht so mag, glaube ich, das liegt ihm auch nicht. Der mag lieber streiten und handfeste Politik machen.

Und Sie? Sind Sie wehrhaft?

Wenn man Gegner anerkennt, muss man wehrhaft sein. Aber ich erkenne ja niemanden als Gegner an. Der muss erst kommen.

 

 

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