"Lost"-Star wird 60: Darum kehrte Matthew Fox Hollywood den Rücken

Matthew Fox wurde als Jack Shephard in "Lost" weltberühmt. Nach dem Ende der Kultserie verschwand der Schauspieler, der am 14. Juli 60 wird, jedoch fast vollständig aus Hollywood.
von  Stefan Weber
Als charismatischer Gestrandeter im Serienhit "Lost" wurde Matthew Fox weltweit bekannt. Am 14. Juli feiert er seinen 60. Geburtstag.
Als charismatischer Gestrandeter im Serienhit "Lost" wurde Matthew Fox weltweit bekannt. Am 14. Juli feiert er seinen 60. Geburtstag. © ProSieben / Touchstone Television

Es war die Rolle seines Lebens: Als Dr. Jack Shephard, entschlossener Anführer von Überlebenden eines Flugzeugsabsturzes, kämpfte Matthew Fox in "Lost" sechs Staffeln lang ums Überleben auf einer geheimnisvollen Insel. Doch nachdem die Mystery-Serie 2010 endete, schlug er nicht wirklich Kapital aus seinem "Lost"-Ruhm. Stattdessen zog Fox sich nach einigen weiteren Filmrollen fast vollständig zurück. Sieben Jahre lang blieb er der Schauspielerei fern, zwölf Jahre lang jeder Fernsehserie. Der Grund war persönlicher Natur, wie Fox jüngst gegenüber "Variety" erklärte: "Ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war, mich wirklich intensiv meiner Familie zu widmen. Ich hatte einen Teil ihrer Kindheit verpasst, weil ich wegen 'Lost' und meiner Filmrollen ständig am Set war."

Der Drehplan von "Lost" hielt ihn über Jahre auf Hawaii fest, fernab von zu Hause. Fox ist mit Margherita Ronchi verheiratet, mit der er die Kinder Kyle und Byron hat. Als die Familie nach Hawaii zog, war der Sohn zwei, die Tochter acht Jahre alt. Die Auszeit vom Filmgeschäft, so deutete Fox an, habe ihm geholfen, wieder Ausgeglichenheit zu finden: "Es war der richtige Moment für mich, einen Schritt zurückzutreten, mir eine Auszeit zu nehmen und mich den Menschen zu widmen, die ich am meisten liebe."

Vom schüchternen Landei zum Hollywood-Star

Matthew Chandler Fox wurde am 14. Juli 1956 geboren und wuchs auf einer Ranch im 141-Einwohner-Ort Crowheart, Wyoming, auf, 17 Meilen Schotterstraße von der nächsten Asphaltstraße entfernt. Einen Fernseher gab es im Elternhaus erst, als er 15 war. Kurz nach seinem Schulabschluss kam Fox der Gedanke, dass er Schauspieler werden könnte. "Die Kurse, die ich besuchte, waren anfangs eine Qual, weil ich so schrecklich schüchtern war. Aber als mir klar wurde, dass es darum ging, eine Geschichte zu erzählen und Teil der Gruppe zu sein, fühlte ich mich von dieser Selbstbefangenheit befreit", erzählte er 2013 dem "Guardian".

Den ersten großen Bekanntheitsschub brachte in den Neunzigern die Teenie-Serie "Party of Five". Ab 2004 folgte mit "Lost" der internationale Durchbruch. Der Ruhm, der damit einherging, war für Fox nie ein Gewinn, sondern eine Last. "Es war so viel Wahnsinn, und es gab keinen Ort, an dem man sich verstecken konnte", sagte er rückblickend über die "Lost"-Jahre. Nach dem Serienende geriet er zeitweise ins Straucheln: 2011 stand er wegen einer angeblichen Tätlichkeit gegenüber einer Busfahrerin in der Kritik, dazu kam eine Verurteilung wegen Trunkenheit am Steuer.

Nach "Lost" tastete sich Fox an eine Kinokarriere heran: Im Drama "Emperor" (2012) verkörperte er einen US-General im Nachkriegsjapan, in "Alex Cross" (2012) einen tätowierten Serienmörder - eine Rolle, mit der er bewusst gegen sein Image als Sympathieträger anspielte: "Es war ein Experiment, um zu sehen, wie weit ich als Schauspieler gehen kann." Nach dem Western "Bone Tomahawk" (2015) nahm Fox zunächst keine weiteren Rollen mehr an.

Matthew Fox: "Lost"-Kritiker "haben den Punkt verfehlt"

Erst 2022 meldete er sich mit einer Rolle in der Peacock-Mini-Serie "Last Light" zurück, ein Jahr später folgte die Comedy-Produktion "Caught". Aktuell spielt Fox nun erstmals seit "Lost" wieder eine tragende Rolle in einer großen Serienproduktion - als Paul Clyburn in Taylor Sheridans Familiendrama "The Madison" über eine New Yorker Familie im Madison River Valley in Montana. "Ich habe das Geschichtenerzählen irgendwie vermisst, und als sich diese Gelegenheit durch Taylor ergab, dachte ich mir: 'Ja, ich bin dabei'", sagt Fox.

Nicht nur zu seiner aktuellen, auch zu seiner bekanntesten Rolle äußert sich Fox inzwischen. 2025, im Interview mit "The Independent", sprach er offen über seine Zeit als "Lost"-Hauptdarsteller - und gestand ein überraschendes Detail: "Ich habe die Serie eigentlich nie komplett gesehen - ich habe nur einzelne Folgen gesehen. Zu dieser Zeit in meinem Leben hatte ich keine große Lust, mich selbst auf dem Bildschirm zu sehen." Selbst die großen Wendungen der Handlung erfuhr er oft erst aus dem Drehbuch, obwohl ihm Serienschöpfer Damon Lindelof vor jeder Staffel grob skizzierte, wohin sich seine Figur entwickeln würde. Sein Vertrauen in Lindelofs Vision blieb dabei ungebrochen.

Auch dem bis heute umstrittenen Serienfinale, das viele Fans wegen offener Fragen kritisierten, verteidigte Fox: Es sei nie Lindelofs Absicht gewesen, sechs Staffeln voller Rätsel in den letzten Folgen restlos aufzulösen: "Diejenigen, die frustriert waren, weil sie keine Antwort darauf erhielten, warum sich ein Eisbär auf der Insel befand, haben den Punkt ein wenig verfehlt."

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