Liza Minnelli wird 80: Der letzte Star einer versunkenen Ära
Die Frisur gleichgeblieben. Der burschikose Bubikopf, rabenschwarz, einige Strähnen fallen ihr kokett in die Stirn. Die Augen groß und dunkel mit langen künstlichen Wimpern. Die Lippen signalrot, ebenso die Fingernägel.
Liza Minnelli hat ihr Aussehen nicht geändert seit, sagen wir, gut 60 Jahren. Deshalb erkennen wir sie auch auf den ersten Blick, unbeschadet der Jahrzehnte, die in und um Hollywood fast alles auf den Kopf gestellt haben. Am 12. März wird sie 80 Jahre alt. Nur zwei Tage zuvor legte sie mit ihren Memoiren "Kids, Wait Till You Hear This!" ihre eigene Version ihres Lebens vor.
Einzigartig und unverwechselbar
Ihre Karriere begann im Mai 1965 mit dem Broadway-Musical "Flora the Red Menace", das ihr als 19-Jährige einen Tony Award bescherte. Den Höhepunkt erreichte sie 1972 mit dem Hollywood-Film "Cabaret" und einem Oscar als beste Hauptdarstellerin (plus Golden Globe und diversen anderen Auszeichnungen). Ab da war sie einzigartig, unverwechselbar.
"Stellt man sich Hollywood als eine Art Königsfamilie vor, dann wäre sie sicher unsere Kronprinzessin", sagte der große Entertainer Fred Astaire (1899-1987) in dem Dokumentarfilm "Das gibt's nie wieder" über sie. Das war 1974 und vielleicht auch etwas voreilig, denn auf dem weiteren Lebensweg der Liza Minnelli taten sich etliche Abgründe auf. Andererseits hat Astaire damit den Nagel auf den Kopf getroffen, denn wenn es eine Kronprinzessin gab, konnte das nur Liza Minnelli sein.
Das Talent wurde ihr in die Wiege gelegt
Sie wurde in diese Thronfolge hineingeboren. Ihr Vater war der Musicalfilm-Spezialist und Oscarpreisträger Vincente Minnelli (1903-1986), Regisseur von Hollywood-Klassikern wie "Ein Amerikaner in Paris" (1951). Ihre Mutter war eine amerikanische Nationalheilige: Judy Garland (1922-1969), Sängerin und Schauspielerin die bereits mit 17 Jahren und dem Film "Der Zauberer von Oz" in Hollywoods Olymp aufstieg - und ihn nie wieder verließ. Auch sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Judy Garland war fünfmal verheiratet, Lizas Vater war Ehemann Nr. 2. Dass ihre Eltern weltberühmt waren, nahm die Tochter von klein auf als "normal" wahr. "Es waren ja alle berühmt in Hollywood. Jedes Kind hatte berühmte Eltern", hat Liza Minnelli später als Erwachsene oft gesagt. Da gestand sie auch ihre Einsamkeit als Kind ein: 22 Schulwechsel, kaum Freunde. Als Trost habe sie Songs gelernt.
Ihre Karriere beginnt bereits in jungen Jahren
Die Mutter pusht sie ins Showbusiness. Mit drei steht sie erstmals vor der Kamera, mit 18 ist sie auf der Bühne des Londoner Musical-Theaters Palladium. Sie hat das überbordende Talent der Eltern geerbt, es folgen erste Soloauftritte - und Eifersuchtsanfälle ihrer Mutter Judy Garland. Die ist mittlerweile drogen- und medikamentensüchtig und stirbt mit 47 Jahren an einer Überdosis, die sie "unabsichtlich" geschluckt hat, wie es in der Sterbeurkunde heißt.
Liza Minnelli hat von ihrer Mutter nicht nur ihre Begabung mitbekommen. Auch sie war zeitweise schwer alkohol- und medikamentensüchtig, musste verschiedene Entziehungskuren machen, zuletzt 2015. Zudem forderte die Showkarriere ihren Tribut: beide Hüftgelenke und ein Kniegelenk mussten ersetzt werden, sie leidet an einer Fehlbildung der Wirbelsäule. 1997 wurde sie an den Stimmbändern operiert. 2000 kam sie mit einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung (Enzephalitis) in die Klinik. Zudem soll sie mehrere Fehlgeburten erlitten haben.
Kein Glück in der Liebe
Wie Judy Garland zeigt auch Liza Minelli eine massive Unsicherheit bei der Partnerwahl. In ihre erste Ehe schlitterte sie 1967 kurz vor ihrem 21. Geburtstag, als sie den Filmkomponisten Peter Allen (1944-1992), einen Zögling ihrer Mutter, heiratete. Sie ahnte nicht, dass Allen homosexuell war. Trennung 1970, Scheidung 1972. Liza bewahrte sich ihren lakonischen Humor und sagte: "Niemals mehr in meinem Leben komme ich überraschend nach Hause. Ich rufe zuerst an!" Das Paar blieb befreundet, Allen starb 1992 an Aids.
Ehemann Nr. 2 war von 1974 bis 1979 der Regisseur und Produzent Jack Haley jr. (1933-2001) ein Sohn des Schauspielers Jack Haley (1897-1979), der mit Lizas Mutter Judy Garland im "Zauberer von Oz" mitgespielt hatte. In ihre dritte Ehe ging sie 1979 mit dem Bildhauer Mark Gero (73). Er wurde ihr Manager, die Scheidung folgte 1992.
Die vierte Ehe mit dem Konzertveranstalter und Produzenten David Gest (1953-2016) begann 2002 mit großem Pomp. Hollywoodstar Elizabeth Taylor (1932-2011) und Michael Jackson (1958-2009) waren die Trauzeugen, das Fernsehen übertrug die Zeremonie. Die Verbindung hielt nur etwa ein Jahr. Es folgte die Trennung und nach einem Rosenkrieg wurde die Scheidung 2007 rechtskräftig.
Zwischendurch hatte Liza zahllose Affären, unter anderem mit dem russischen Ballettstar Mikhail Baryshnikov (78), dem Regisseur Martin Scorsese (83), dem britischen Schauspieler Peter Sellers (1925-1980). Nach ihren Fehlgeburten kann sie keine Kinder bekommen und bleibt kinderlos. Das Thema Ehe hat sie vor über zehn Jahren endgültig abgehakt: "Wenn Sie hören, dass ich heiraten will, braten Sie mir bitte einen über den Schädel, und schaffen Sie mich hier raus!"
Einer der wichtigsten Männer in ihrem Leben wird der französische Chansonnier Charles Aznavour (1924-2018), einer ihrer engsten Freunde. Er förderte ihr Bühnentalent, brachte ihr verschiedene Nuancen des Vortrags und der Phrasierung bei. Die Freundschaft hielt bis zum Tod des großen Franzosen.
Der Liebling am Broadway
Trotz großartiger Filme wie "Pookie" (1969), "Cabaret" (1972) oder "New York, New York" (1977) hat es die "Kronprinzessin von Hollywood" nie auf den Filmthron geschafft, sie wird am Broadway auch mehr geliebt als in ihrer Heimatstadt an der Westküste. In Hollywood kursiert das Gerücht, dass sie nach dem Erfolg von "Cabaret" an die 400 Drehbücher abgelehnt habe.
Als Live-Künstlerin auf der Bühne ist sie einzigartig, und ihre zweijährige Konzerttournee mit Frank Sinatra (1915-1998) und Sammy Davis Junior (1925-1990) durch die USA, Japan, Australien und Europa (1988-1990) wurde ein riesiger Triumph.
Offensichtlich trifft das fürchterliche Wort "Rampensau" auf Liza Minnelli zu wie auf keine andere. Das Publikum spürt ihre Leidenschaft und Zuneigung, der Funke fliegt über, es entsteht ein innerer Dialog zwischen Zuschauern und Künstlerin. Sie sagt: "Das ist die beste Art von Tennis, die ich kenne." Es könnte auch Liebe sein.
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