Lebendig begraben

Vier Filme statt wie bisher drei, mit dieser Ankündigung stimmten die Hauptdarsteller der ARD-Reihe "Nord bei Nordwest" im Dezember auf 2026 ein. Zwei der neuen Fälle liefen bereits Anfang des Jahres, bis zu 6,49 Millionen Menschen schalteten ein, als die Schwanitzer Polizisten Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) und Hannah Wagner (Jana Klinge) mit Tierärztin und Bonus-Cop Jule Christiansen (Marleen Lohse) auf Mörderjagd gingen. Der dritte, am Donnerstag ausgestrahlte Fall "Nord bei Nordwest - Das dritte Grab" (Regie: Greta Benkelmann) ist der 30. Film der Reihe.
Spannende Geschichten, liebenswert-schrullige Charaktere, schwarzer Humor und keine Scheu vor Slapstick: Dieses Erfolgsrezept macht "Nord bei Nordwest" aus. Gelegentlich wird es auch surreal. So beginnt Drehbuchautor Niels Holle seinen 13. Film der Reihe mit einem Zitat eines seiner früheren Bücher - einer Bettszene mit Hauke und Jule, die sich aber leider als Illusion entpuppte. Diesmal liegen Hauke und Hannah nebeneinander im Bett. Geht nun endlich mehr zwischen dem schüchternen Polizisten und einer der Frauen in seinem Leben? Selbst Hund Holly schlägt bei dem Teenagerverhalten der drei mittlerweile die Pfoten über dem Kopf zusammen.
Doch die Arbeit ruft: Mehmet Ösker (Cem-Ali Gültekin) hat wieder einmal einen neuen Job und macht dabei erneut einen überraschenden Fund. Gut, dass man als Friedhofsgärtner mal auf Leichen stößt, ist natürlich keine Überraschung. Wohl aber, dass der Tote lebendig begraben und sein Grab gar nicht für ihn aushoben worden war. Nicht zu vergessen das in den Erdhügel gesteckte Kreuz mit der blutroten Aufschrift "Mörder".
Erinnerungen an Lona Vogt
Der schockierte Friedhofsverwalter Dirk Eilers (herrlich exzentrisch: Arndt Klawitter, der sich nach eigener Aussage von William H. Macys Spiel im Kultfilm "Fargo" inspirieren ließ) erkennt den Toten sofort als seinen Freund Olaf Dannenberg. Hannah und Hauke haben also nicht nur einen, sondern gleich zwei Fälle zu lösen: Wer hat Olaf ermordet, und wen hatte dieser angeblich auf dem Gewissen? Die Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten immerhin den Wissensvorsprung, dass Eilers, Olaf und die schroffe Brigitte Grimm (Oda Thormeyer) ein altes Geheimnis hüten, das sie nun einzuholen droht.
Es gibt noch zwei weitere ausgehobene Gräber auf dem Friedhof, und in einem davon wird schon bald das nächste Opfer lebendig begraben werden. Bleibt noch das titelgebende dritte Grab, und soviel sei verraten: Es wird in einem unerwartet packenden Finale um Leben und Tod für eine der wichtigsten Handlungsträger des Films gehen.
Den Machern des 30. "Nord bei Nordwest"-Films ist ein wahrlich sehenswerter Jubiläumsfall gelungen, der im besten Sinne gelegentlich an die verschrobene britische Cosy-Krimiserie "Inspector Barnaby" erinnert. Eine weitere von Drehbuchautor Niels Holle großartig geschriebene Szene findet ebenfalls auf dem Friedhof statt. Darin besucht Hauke das Grab seiner im Dienst ums Leben gekommenen früheren Partnerin Lona Vogt, für die der sonst so uneloquente Polizist ungewohnt offene und herzerwärmende Worte findet.
Kommende Woche geht es auf dem gleichen Sendeplatz weiter mit "Nord bei Nordwest - Bei Einbruch Mord". Die Zuschauer erwartet ein weiterer ungewöhnlicher Fall, diesmal mit Film-noir-Anleihen.
"Nord bei Nordwest - Das dritte Grab" - Do. 27.08. - ARD: 20.15 Uhr