Kult-Moment von Mario Adorf: Dieser Satz in "Kir Royal" machte ihn unsterblich
Mit dem Tod von Mario Adorf im Alter von 95 Jahren erinnert sich Deutschland an einen Schauspieler, der über Jahrzehnte Film- und Fernsehgeschichte geprägt hat. Einer seiner unvergesslichsten Auftritte stammt ausgerechnet aus einer Nebenrolle: In Helmut Dietls Kultserie "Kir Royal“ spielte Adorf den neureichen Provinzindustriellen Heinrich Haffenloher – und lieferte mit "Isch scheiß disch sowas von zu mit meinem Geld“ einen der legendärsten Sätze der deutschen TV-Geschichte.
Der Mehrteiler über das Münchner Bussi-Business gilt bis heute als einer der großen Klassiker des deutschen Fernsehens. Als "Kir Royal – Aus dem Leben eines Klatschreporters“ Mitte der 1980er-Jahre erstmals ausgestrahlt wurde, traf die bissige Satire über Medien, Macht und gesellschaftliche Eitelkeiten einen Nerv der Zeit.
Unvergesslicher Moment: Der Auftritt von Mario Adorf
Im Mittelpunkt stand Franz Xaver Kroetz als Klatschkolumnist Baby Schimmerlos, der für die fiktive "Münchner Allgemeine Tageszeitung“ (MATZ) schrieb – eine Zeitung, die stark an reale Boulevardblätter erinnerte. Die sechsteilige Serie erzählte mit scharfem Humor vom Wunsch, zur Schickeria dazuzugehören, und von einer Gesellschaft, in der Ansehen oft wichtiger war als Wahrheit.

Wie schon bei "Monaco Franze“ arbeiteten Autor und Regisseur Helmut Dietl und Schriftsteller Patrick Süskind ("Das Parfum“) kongenial zusammen. Ihre Figuren waren überzeichnet und zugleich erschreckend realistisch – ein Markenzeichen, das „Kir Royal“ zum Kult machte. Die erste Folge flimmerte am 22. September 1986 über die Bildschirme. Produziert wurde der Mehrteiler nicht vom Bayerischen Rundfunk, sondern vom Westdeutschen Rundfunk (WDR). Das anfängliche Zuschauerecho fiel gemischt aus: Neben begeisterten Reaktionen gab es auch skeptische Stimmen. Dennoch schalteten rund 9,9 Millionen Menschen ein.
Geld regiert die Welt: Mario Adorf als Heinrich Haffenloher
Schon mit der zweiten Folge wuchs das Interesse deutlich. Bis zu 14,2 Millionen Zuschauer verfolgten die Serie, Marktanteile von über 40 Prozent wurden erreicht – in einer Zeit, in der Privatfernsehen noch kaum eine Rolle spielte und Printmedien gesellschaftlich großen Einfluss hatten. Zu den unvergesslichsten Momenten zählt bis heute Mario Adorfs Auftritt als Heinrich Haffenloher. Der geltungssüchtige Industrielle aus der Provinz versucht verzweifelt, in Münchens feine Gesellschaft aufgenommen zu werden – und will Baby Schimmerlos mit Geld gefügig machen. Sein berühmter Satz wurde zum Sinnbild für die gnadenlose Mischung aus Größenwahn, Geld und gesellschaftlichem Ehrgeiz, die "Kir Royal“ so treffsicher karikierte.

Neben Kroetz und Adorf versammelte die Serie zahlreiche große Namen: Dieter Hildebrandt spielte Fotograf Herbie Fried, der gemeinsam mit Schimmerlos Skandale und Gerüchte jagte. Senta Berger war als Babys Freundin Mona zu sehen, Billie Zöckler als Sekretärin Edda, Erni Singerl als seine Mutter und Ruth Maria Kubitschek als einflussreiche Verlegerin Friederike von Unruh. Die Musik zum Mehrteiler komponierte Konstantin Wecker.
Die Figur Haffenloher hat Kult-Status
"Kir Royal“ zeigte München als heimliche Hauptstadt der 80er-Jahre – eine Welt aus Champagner, Prominenz und gesellschaftlichen Intrigen. Der Titel selbst verweist auf den gleichnamigen Cocktail aus Champagner und Crème de Cassis: prickelnd, exklusiv und nicht jedermanns Geschmack – genau wie die dargestellte Gesellschaft.
Auch Jahrzehnte später hat die Serie nichts von ihrer Aktualität verloren. Die Mechanismen von Medienhype, öffentlicher Inszenierung und sozialem Aufstieg wirken heute fast moderner denn je. Mit Mario Adorfs Tod rückt nun auch sein kurzer, aber prägender "Kir Royal“-Auftritt wieder ins öffentliche Bewusstsein. Sein Haffenloher war laut, unangenehm und zugleich tragikomisch – eine Figur, die exemplarisch zeigte, wie präzise die Serie menschliche Eitelkeiten entlarvte. So bleibt neben vielen großen Filmrollen auch dieser Moment Fernsehgeschichte: ein Schauspieler, ein Satz – und eine Serie, die bis heute Kultstatus genießt.



























