Künstlich dick im neuen "Eberhofer"-Krimi: So musste sich die Münchnerin Petra Berndt verändern
Der erste Anruf kam im Februar 2025. Franziska Aigner, eine der erfolgreichsten Film-Casterinnen des Landes, war dran. Eine wundervolle Frau. Deren Motto ist: "Du brauchst einen besonderen Blick – direkt hinein in den Menschen. Und dann spürst Du, welche Menschen in einem Film zusammengehören."
Petra Berndt im "Eberhofer"-Krimi: "Sollst halt richtig dick sein"
Die Franzi sagte also, sie hätte da eine Rolle in einem "Eberhofer"-Film an der Angel. Der Regisseur würde sich für Petra Berndt interessieren. Er müsse aber vorab eines wissen: ob sich Petra vorstellen könne, "nicht schön zu spielen"? "Was meint der denn?" "Na ja, er hat ein bisschen rumgedruckst, Petra. Du müsstest Dich a bisserl wattieren lassen. Nix Großartiges. A bisserl wattieren halt. Und graue Haare. Und ein paar Tattoos. Altersflecken."
"Wattieren? Die meinen: Fatsuit", so Petra Berndt. "Ja. Du sollst halt richtig dick sein. Böse Mutter von bösen Söhnen. Kannst es Dir vorstellen?" "Warum nicht? Eberhofer – das wär' klasse." Nach dem Wochenende rief die Franziska noch einmal an. Es gehe um einen anderen Film. "Kochschule Schwarz". Großartige Besetzung. Spielt in der Nazizeit. München. Hauptrolle. Klar, sagte Petra Berndt. Das würde sie narrisch interessieren.

Münchnerin gleich doppelt im Kino: Zweimal "bayerische Sinnlichkeit"
Jetzt, eineinhalb Jahre später, kommen die Filme in die Kinos. "Kochschule Schwarz" geht Ende des Jahres an den Start. Ein preiswürdiger Film. Regie: Dany Levy. Vor der Kamera: Petra Berndt, Florian David Fitz, Andreas Giebel, Hannah Herzsprung, Gregor Bloéb, Sunyi Melles… Der neue, der elfte "Eberhofer" hat am 10. August im Mathäser Weltpremiere. Danach soll "Steckerlfischfiasko" ein Abräumer in diesem Sommer werden.
Worum es geht? Die Oma (Enzi Fuchs) ist auf Kur, Susi (Lisa Maria Potthoff) im Wahlkampf. Eberhofer (Sebastian Bezzel) grantelt, sein Spezl Birkenberger (Simon Schwarz) lässt sich gehen und das Resthaar wachsen. Da liegt auf einmal der örtliche "Steckerlfischkönig" mausetot auf dem neuen Golfplatz. Und so heben die Ermittlungen an – der Birkenberger und der Eberhofer landen mitten in einer kracherten Familienfehde zweier Volksfestclans.
Und eh man sich versieht, trifft man auf "Mutter Dottinger". Also auf Petra Berndt. Die wird gern wegen ihrer "bayerischen Sinnlichkeit" gebucht. Wenn sie das hört, lächelt sie und sagt: "Ich bin halt nur 1,61 Meter groß, eher rundlich mit einer großen Oberweite und habe rote Haare. Mein Aussehen hat meist bestimmt, wie Caster und Regisseure mich gesehen haben. Ich war mal die zwielichtige Mörderin oder in einem Pilcher-Film die Wahrsagerin." Und immer hat sie etwas Verführerisches, "Bayerisch-Sinnliches".

"Mutter Dottinger": So tritt Petra Berndt im neuen "Eberhofer" auf
Nun: Mut zur Hässlichkeit. Sie ist an den Set vom "Eberhofer" gekommen – schön und rothaarig. Man hat sie in die Maske gesetzt. Und dann ging es los. Schluss mit schön! Von wegen "ein bisserl wattiert". Die "Mutter Dottinger", dieses verkommene Weibsbild, ist ein Ausbund an femininer Derbheit. Berndt erinnert sich: "Sie haben mich gnadenlos aufgespeckt. Dicke Arme. Hüfte für zwei. Beine wie Brückenpfeiler. Ein Schwangerschaftsbauch, den sie noch aus einem anderen Film übrig hatten."
"Prima", hat der wunderbare Regisseur Ed Herzog ("ein wirklich feiner Mensch", erzählt die Berndt) gesagt. "Passt." Er wollte mit ihr noch eine Kleinigkeit bereden. Petra – sie ist ein kreativer Mensch mit lebendiger Körpersprache – sprang in die Höhe und... Herzog lachte. "Nein, Petra. Das geht jetzt nicht mehr. Eine wie du hupft nicht umeinander. Du musst jetzt die Schwere deines Leibes tragen."
Und so hat die Schauspielerin Petra Berndt "die Kilos durch den Film geschleppt. Am Anfang hab' ich mich selbst nicht erkannt, wenn ich in den Spiegel geschaut habe. Aber das hat sich gegeben." Und die Kollegen? Haben die sich nicht vor Lachen gekugelt, wenn sie mit der "Mutter Dottinger" zu tun hatten? "Nein, überhaupt nicht. Die Kollegen haben so getan, als wär nix los. Die haben sich wohl gefreut, dass ich so schön hässlich spiele."

Münchnerin aus dem Glockenbachviertel: Das ist Petra Berndt
Petra Berndt sitzt vor der Reitanlage Unterhandenzhofen, nippt am Wasser und lacht sich kringelig, als sie von den "wattierten" Auftritten erzählt. Es ist einer dieser sehr heißen Tage des Sommers 2026. Petra hat "Donnerlittchen" versorgt und ist mit ihrer Stute ein Stück über Feldwege im Dachauer Hinterland gewandert.
Jetzt sitzt man im Schatten von 20-Meter-Kastanien und schwitzt vom Nichtstun. Petra Berndt kneift die Augen zusammen und sagt: "Es ist ein wunderbares Jahr. Ich liebe meinen Mann immer noch, mit den zwei Töchtern gibt's nix zum Streiten, Donnerlittchen ist ein Traum – und dann noch diese zwei Filme. Da musst dich doch freuen, oder?"

Im Glockenbachviertel ist sie zur Welt gekommen. Schon früh wollte sie Schauspielerin werden. Sie hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Mit 24 hat sie sich auf einer Party in einen schüchternen, groß gewachsenen Studenten verguckt. Mit 25 kam sie als Gastdarstellerin ans Ingolstädter Theater. Hatte – jetzt war sie 26 – gerade die Hauptrolle des aufrüttelnden Stücks "Liebe Jelena Sergejewna" von Ljudmila Rasumowskaja gegeben, freute sich auf die Sommerpause, da beorderte die Agentin sie zum Casting für einen internationalen Film, der in Schottland gedreht werden sollte.
Petra Berndt blickt auf Karriere zurück: "War immer gut beschäftigt"
Sie ging zum Casting, vergaß es aber gleich wieder, weil sie in Gedanken bei einer Wohnung in Schwabing war, die sie unbedingt haben wollte. Telefon. Das konnte der Vermieter sein. War er nicht. Es war Doris Mattes, die Agentin. "Du hast die Rolle." "Welche Rolle?" "Mein Gott – der Film in Schottland. Salz auf unserer Haut. Regie: Andrew Birkin. Da spielt die Greta Scacchi. Vincent D’Onofrio. Hanns Zischler. Der Eichinger produziert, der Doldinger macht die Musik. Das ist international. Jetzt wirst ein Star." "Ach ja?"
Sie hatte vier schöne Wochen in Schottland. Es gibt zu Beginn des Films eine Szene mit ihr, in der sie einen Apfel so isst, dass der Adam schamrot geworden wäre. Sie sieht in allen Szenen wunderschön aus. Sie kann ihr Handwerk. Der Film kam prima an. Aber Petra Berndt ist danach kein Star der ersten Reihe geworden. "Ich war immer gut beschäftigt, hatte auch Serienrollen, sodass ich über die Jahre ein gutes Auskommen hatte. Ich habe es immer wieder mit unangenehmen Alpha-Männern zu tun gehabt", so Berndt.
"Aber ich habe auch wunderbare Menschen erlebt. Einer der feinsten Männer, denen ich begegnet bin, war Michael Verhoeven. Humorvoll, sensibel, ein großer Künstler", fährt die Münchnerin fort. "Heute ist für mich alles viel angenehmer. Ich liebe das Professionelle beim Arbeiten. Und das habe ich bei diesen beiden Filmen, die jetzt ins Kino kommen, genossen. Das geht durch alle Gewerke." Sie ist 61 und findet es gerade herrlich. "Ich bin eine Spätzünderin – auch in der Karriere. Ich hatte immer das Gefühl, dass das Alter mir in die Karten spielt."

Petra Berndt über Karriere-Druck: "Gelassenheit schützt mich"
Es ist wirklich sehr heiß. Selbst ihr Mann Fritz – das ist der von der Party – schwitzt ein bisschen. Dabei ist er ausgesprochen schlank – in Bayern sagt man, er ist ein Hageldürrer. 1,90 groß. Lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er ist der, auf den sie sich seit 37 Jahren verlässt. Und mit ihm an der Seite hat sie es fast ins Philosophische geschafft: "Ich habe ein Glück: Ich habe den Hype meiner Branche hinter mir gelassen. Meine Gelassenheit schützt mich. Ich kann jetzt etwas, was mir früher fremd war. Ich kann abwarten." Jetzt zweimal großes Kino mit Petra Berndt. Das Warten hat sich gelohnt.
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