Kickboxer Sebastian Preuss: Wieder Veilchen statt Rosen

Der Münchner Kickbox-Weltmeister Sebastian Preuss war der Bachelor. Exklusiv in der AZ spricht er über diese Erfahrung, den Tod seines Bruders und den Hass gegen ihn. "Ich habe überlegt, auszuwandern".
| Matthias Kerber
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"Ich konzentriere mich jetzt wieder auf meine Kampfsport-Karriere", sagt Weltmeister Sebastian Preuss (r.), hier gegen Loic Njeya
R’steiner/AK "Ich konzentriere mich jetzt wieder auf meine Kampfsport-Karriere", sagt Weltmeister Sebastian Preuss (r.), hier gegen Loic Njeya

AZ-Interview mit Sebastian Preuss. Der 29-jährige Münchner ist Kickbox-Weltmeister und war der Protagonist der diesjährigen "Bachelor"-Staffel von RTL.

AZ: Herr Preuss, Sie, der ja eigentlich Kickbox-Weltmeister sind, waren der Protagonist der RTL-Kuppelshow "Bachelor" – kaum jemand hat ein gutes Haar an Ihnen und Ihrem Auftreten dort gelassen. War es im Rückblick ein Fehler, diese Show zu machen?
SEBASTIAN PREUSS: Nein, in keiner Weise.

Meinen Sie das wirklich ernst?
Ja, ich habe so viel Lebenserfahrung gewonnen, das will ich nicht missen. Waren es alles schöne Erfahrungen? Nein. Aber es sind Erfahrungen, die mich letztlich als Mensch weiterbringen. Ich habe in der Sendung 22 tolle Frauen kennengelernt, mit denen ich zum Teil noch in gutem Kontakt bin. Ich habe – im Guten wie im Schlechten – unglaublich viel erlebt. Ich hätte aber nie gedacht, was danach auf mich alles einprasseln würde.

Sebastian Preuss ärgert sich über Sexismus-Vorwürfe

Als Sie die Sendung im Nachhinein gesehen haben, war der Sebastian Preuss, der da im TV zu sehen war, eigentlich der Sebastian Preuss, als den Sie sich selber sehen?
Ich bin ja kein Profi vor der Kamera, ich habe das in so einer Form zum ersten Mal gemacht. Ich hatte darum zu kämpfen, mich selber, meinen Herzschlag unter Kontrolle zu halten. Da war alles sehr angespannt und von den wirklich sehr langen Gesprächen wurden nur winzige Ausschnitte gezeigt.

Macho und Sexist lauteten angesichts der Bachelor-Staffel einige der Vorwürfe gegen Sie.
Das hat mich geärgert und mir wehgetan. Ich bin anders. Ich bin ein Mensch, der es jedem recht machen will. Der freundlich, respektvoll ist, der immer erst schaut, dass es den anderen gut geht, bevor er an sich denkt. Ich bin sicher kein Macho. Und Sexist? Das Konzept der Show ist, dass 22 Frauen um einen Mann kämpfen! Ich bin kein Sexist, ich habe vor Frauen den größten Respekt. Selbst die beiden Finalistinnen, denen ich am Ende keine Rose gegeben habe, die also von mir zutiefst enttäuscht sein könnten, haben mich gegen die Vorwürfe und Angriffe verteidigt.

Tränen beim Ex-Bachelor: "Ich bin auch sehr sensibel"

Wie gehen Sie mit all der Häme um?
Ich muss zugeben, ich war am Boden zerstört, das waren mit die schmerzhaftesten Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen musste. Ich habe sogar darüber nachgedacht, auszuwandern. Wo immer ich hinkam, wurde ich damit konfrontiert. Ich habe eine Firma. Ich musste mich bei jedem Kunden rechtfertigen, denn jeder hatte die Sendung gesehen und sich ein Bild von mir gemacht. Ich habe Hass-Nachrichten ohne Ende erhalten, wurde beleidigt. Es war hart. Ja, es sind auch Tränen geflossen. Ich bin zwar sehr, sehr hart, eben ein Kämpfer, aber ich bin auch sehr sensibel.

Es war ein extremer Shitstorm im Internet gegen Sie. Als Kickboxer, der den Kampf sucht, ist es sicher schwer, sich mit diesem unsichtbaren Gegner auseinanderzusetzen.
Absolut. Es gab so viele Fakeprofile, übelste Beleidigungen. Wenn diese Leute vor mir stehen würden, würden sie nach einem Autogramm fragen, aber in der Anonymität des Internets kommen die bösesten, die hinterhältigsten Seiten der Menschen zutage. Es war sogar so, dass ich meine Mutter auf meinen Profilen blockiert habe, damit sie all das, was da über mich abgelassen wird, nicht lesen kann – und muss.

"Ich konzentriere mich jetzt wieder auf meine Kampfsport-Karriere", sagt Weltmeister Sebastian Preuss (r.), hier gegen Loic Njeya
"Ich konzentriere mich jetzt wieder auf meine Kampfsport-Karriere", sagt Weltmeister Sebastian Preuss (r.), hier gegen Loic Njeya © R’steiner/AK

Ihre Mutter – die in ihrem Leben schon sehr viel mitmachen musste und mit der Sie sehr eng sind –, dürfte sehr gelitten haben.
Das hat mir am meisten wehgetan. Zu sehen, wie sie leidet, denn sie kann gar nichts dafür. Ich habe mich vielleicht nicht gut dargestellt, aber sie hat damit rein gar nichts zu tun. Es hat sie so mitgenommen, dass sie zum Ende der Sendung hin sogar Urlaub nehmen musste. All das hat sie nicht verdient.

Sebastian Preuss über Schwanen-Attacke: "Die Geschichte stimmt natürlich nicht!"

Einer der schwersten Vorwürfe gegen Sie lautet, dass Sie, als Sie 18 waren, mit einem lebenden Schwan auf einen Menschen eingeprügelt haben.
Eigentlich wollte ich darüber nie wieder reden.

Das kann man aber nicht einfach so stehenlassen.
Das stimmt. Fakt ist: An meinem 18. Geburtstag war ich mit meinem Bruder und zwei seiner Freunde an der Isar. Da war auch eine andere Clique. Da kam es zwischen einem der Freunde und einem von denen zum Streit. Ich wollte schlichten, doch der andere wollte mir eine reinhauen, es kam zur Auseinandersetzung. Ich bin dann abgehauen. Das war’s.

Das erklärt nicht, wie es zur Schwan-Geschichte kam.
Die Geschichte stimmt natürlich nicht! Ich könnte einem Tier nie etwas zuleide tun – und es gab dafür auch nicht einen Zeugen vor Gericht. Und jedem mit gesundem Menschenverstand ist doch klar, dass ein Tier bei so einem Tumult nicht stehen bleiben würde, sondern flieht.

Die Vorwürfe haben Sie vor Gericht aber nicht bestritten.
Ich saß wegen einer anderen Sache in Untersuchungshaft, hatte vier laufende Verfahren. Da hat mein Anwalt mir gesagt, wir sagen zu den Vorwürfen gar nichts, so kriegen wir dich am schnellsten aus der Haft. Ich habe kürzlich mit ihm telefoniert, da haben wir über die Sache gesprochen. Er meinte: "Sebastian, wenn ich gewusst hätte, dass du zehn Jahre später der Hauptdarsteller in einer riesigen Unterhaltungsserie bist, hätte ich dir was anderes geraten."

"Mein Bruder war mein Vorbild"

War das an der Isar der Bruder, der 2013 an einer Überdosis verstorben ist?
Ja. Ich bin jetzt so alt, wie er nur geworden ist. 29. Ich werde diesen Tag nie vergessen. Meine Schwester rief an, sagte: "Der Florian ist tot." Es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, wir haben noch gehofft, dass es nicht stimmt, weil es nur eine Information seiner Ex-Freundin war, aber am Abend wurde es von der Polizei bestätigt.

Es war kein Selbstmord, sondern eine unabsichtliche Überdosis. Er war damals auf einer Therapie auf einem Bauernhof, es ging ihm sehr gut. Dann ist er dort leider wieder an Drogen gekommen, und weil er länger nichts genommen hatte, war sein Körper es nicht mehr gewöhnt. Mein Bruder, er war sechs Jahre älter, war mein Vorbild, ich habe als Kind immer zu ihm aufgeschaut. Und dann war er plötzlich nicht mehr da.

Der Bachelor hat ein sehr bewegtes Leben.
Ja, aber – ich bin einfach nur Sebastian Preuss. Ich schaue nur nach vorne, konzentriere mich auf meine Firma, die Kampfsport-Karriere. Von jetzt an heißt es wieder: "Veilchen statt Rosen."

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