KI bewältigt "Portal" - zu einem stolzen Preis

Menschen können Valves Klassiker "Portal" für ein paar Euro erwerben und an einem einzigen Nachmittag durchspielen - sofern sie das Prinzip der Knobelei verinnerlicht haben. Für eine KI ist das eine deutlich größere Herausforderung. Aber: OpenAIs neuem Flaggschiff GPT-6 Astra ist das gelungen. Dafür musste das Modell dreidimensionale Räume erfassen, Rätsel durchschauen, Lösungswege entwickeln und die Spielfigur entsprechend steuern. Das Ergebnis war durchaus beeindruckend, ebenso der Preis für die ausgegebenen API-Kosten: Rund 570 US-Dollar, umgerechnet rund 490 Euro, kostete GPT-6 der erfolgreiche Durchgang.
So funktionierte der Test
Durchgeführt hat das Experiment ein Nutzer, der unter dem Pseudonym Cozyblaze auftritt. Er koppelte Astra über das Model Context Protocol (MCP) an eine angepasste Fassung des Spiels. Das Modell bekam dabei laufend Screenshots sowie die Koordinaten der Spielfigur übermittelt und konnte im Gegenzug Bewegungsbefehle und weitere Eingaben an das Spiel zurückschicken.
Damit Astra Zeit zum Nachdenken hatte, wurde "Portal" jeweils angehalten, sobald eine Entscheidung anstand. Erst wenn das Modell seine nächste Aktion festgelegt hatte, lief das Spiel weiter und setzte die Eingabe um. Praktisch verwandelte sich der actionlastige Rätsel-Titel damit zeitweise in eine Art rundenbasiertes Spiel.
Genau das macht den Versuch bemerkenswert: Astra arbeitete kein vorgefertigtes Skript ab, sondern musste aus dem jeweils aktuellen Spielzustand heraus neu entscheiden, wie es weitergeht. "Portal" eignet sich für einen solchen Test besonders gut, weil viele Rätsel räumliches Vorstellungsvermögen, präzises Timing und mehrstufiges Planen erfordern.
Fast 24 Stunden Laufzeit, aber nur wenig echte Spielzeit
Für den gesamten Durchlauf waren über 3.300 einzelne API- und Tool-Aufrufe nötig, was die genannten Kosten von 571,18 US-Dollar verursachte. Zeitlich zog sich das Experiment durch die ständigen Denkpausen des Modells über fast 24 Stunden. Die tatsächliche Spielzeit ohne diese Unterbrechungen soll dabei aber nur bei rund zwei Stunden gelegen haben. Im veröffentlichten Video wurden die Pausen entsprechend herausgeschnitten, sodass der Clip die reale Geschwindigkeit des Durchlaufs nicht widerspiegelt.
Astra soll eigenständig handeln, nicht nur antworten
GPT-6 Astra ist seit 3. September 2026 verfügbar und bildet aktuell OpenAIs leistungsfähigstes Modell. Anders als klassische Chatbots soll es nicht nur auf Fragen antworten oder Texte verfassen, sondern längere Aufgaben weitgehend selbstständig erledigen. Dafür kann das Modell unter anderem Programme bedienen, Code schreiben und externe Werkzeuge ansteuern: Es analysiert ein Ziel, legt die nächsten Schritte fest, führt diese über angebundene Tools aus und bewertet anschließend das Ergebnis.
Dieses Vorgehen unterscheidet sogenannte Agenten von gewöhnlichen Chatbots, die in der Regel nur eine einzelne Antwort liefern. Ein Agent kann dagegen eine ganze Kette von Handlungen selbstständig abarbeiten. Der "Portal"-Versuch zeigt dieses Prinzip besonders anschaulich, weil sich sofort ablesen lässt, ob die getroffenen Entscheidungen der KI tatsächlich funktionieren.
Aussagekraft des Experiments hat Grenzen
Die hohen Kosten machen zugleich deutlich, wo solche Systeme aktuell an ihre Grenzen stoßen. Der "Portal"-Durchlauf ist deshalb eher als Demonstration zu verstehen und weniger als praxistaugliche Anwendung. Das Ganze zeigt, wozu ein universell einsetzbares KI-Modell mit Zugriff auf passende Werkzeuge inzwischen fähig ist.
Hinzu kommt ein methodischer Vorbehalt: "Portal" ist mittlerweile fast 20 Jahre alt und im Internet ausführlich dokumentiert. Zwar suchte Astra während des Laufs nicht aktiv nach Lösungshinweisen, dürfte aber durch seine Trainingsdaten bereits mit dem Spiel vertraut gewesen sein. Wie sich das Modell bei einem völlig unbekannten Spiel schlagen würde, lässt sich aus dem Versuch daher nicht ableiten.