Keine Schachtel Pralinen: "Das Geschenk" bei Netflix

Woran erkennt man eine Person, die völlig humorbefreit ist, streng auf Regeln pocht, sich aber im Grunde nur danach sehnt, gemocht zu werden? In einer deutschen Komödie ist sie vorzugsweise weiblich und optisch bewusst graumäusig gezeichnet, als i-Tüpfelchen eine Brille auf der Nase, die ihren dauerangesäuerten Blick betont. Der neueste deutsche Netflix-Streich "Das Geschenk" (ab Freitag, 30. Oktober, abrufbar) von Drehbuchautor Ben Brooks und Regisseurin Vanessa Jopp ist wahrlich keine Schachtel Pralinen, sondern eher wie ein Präsent, bei dem man schon vor dem Auspacken weiß, was es ist, weil man es bereits zigmal in abgewandelter Form geschenkt bekommen hat.
Dass die reichlich klischeegeladene Komödie dennoch immer wieder ehrlich lustige Momente hat, liegt vor allem an Heiner Lauterbachs trockenen Kommentaren und Sprüchen als Opa Hans ("Früher haben wir uns erst Sorgen gemacht, wenn ihr geblutet habt") und dem alle Register ziehenden Edin Hasanović als reicher Banker-Proll und Hans' Sohn Timo. Dessen Schwester, die alleinerziehende Marlene (Jeanne Goursaud), plant in Timos Villa den perfekten Kindergeburtstag für ihren Sohn Theo (Levin Wopp). Da der Junge in der Schule gemobbt wird, möchte sie bei der Feier auch die Vorsitzende des Elternbeirats (Berit Künnecke) für sich gewinnen - die Spaßbremse mit Brille vom Anfang. Angesichts der alles andere als rund verlaufenden Fete erreichen Marlenes Bemühungen jedoch zunehmend das Gegenteil.
Ein Geschenk und seine Folgen
Für ganz besonderen Zündstoff sorgt allerdings das große Kind Timo mit seinem titelgebenden Geschenk. "Ich brauche etwas, bei dem sich ein Neunjähriger vor Freude in die Hose sch...t", orderte er im Spielwarenladen. Und tatsächlich rasten alle Kinder vor Begeisterung aus, als Theo ein Spielzeuggewehr aus der Verpackung zieht. Nur das Entsetzen der Erwachsenen ist noch größer. Allein Timo versteht, neben den Kindern, die Aufregung nicht: "Jungs stehen auf Krieg und Gewalt!"
In der Folge entspinnt sich ein Reigen verbaler Schlagabtausche, wie man sie von anderen deutschen Komödien bestens kennt: über moderne Erziehungsmethoden und Lebensentwürfe, vermeintlich "woke" Menschen, die gendern und auf Political Correctness bestehen sowie typische Mann-Frau-Stereotype. Auch wenn man es noch so oft als Komödie oder Gesellschaftssatire verpackt: Die immer selben Klischees werden weder in der Realität noch im Film mit dem Aufwärmen besser.
Dennoch dürfte "Das Geschenk", ebenso wie die Kinokomödien "Der Vorname" und "Alter weißer Mann" oder der Netflix-Film "Spieleabend", zahlreiche Fans finden, die genau das offenbar zu schätzen wissen.