Katerina Jacob über Perfektionismus in der Schauspiel-Branche: "Mit 60 ist einem alles egal"

Schauspielerin Katerina Jacob ist nichts mehr peinlich: Wie sie an diesen Punkt gekommen ist – und wie ihr Formwäsche einmal fast den Filmball versaute. Mit der AZ spricht die 68-Jährige über ihr neues Buch "Im Fettnapf steht man meist allein", ihre Ehe und Mutter Ellen Schwiers.
von  Franziska Hofmann
Schauspielerin Katerina Jacob lebt die meiste Zeit des Jahres mit ihrem Mann in Vancouver (Kanada) und steht ab Oktober wieder für "Anna und ihr Untermieter" vor der Kamera.
Schauspielerin Katerina Jacob lebt die meiste Zeit des Jahres mit ihrem Mann in Vancouver (Kanada) und steht ab Oktober wieder für "Anna und ihr Untermieter" vor der Kamera. © Tanja Valerien

Die Wangen glühen, die Ohren brennen - wo manch einer vor Peinlichkeit fast vergeht, legt Schauspielerin Katerina Jacob den Finger erst so richtig in die Wunde: In ihrem neuen Buch "Im Fettnapf steht man meist allein" erzählt die 68-Jährige, die ab Oktober wieder für "Anna und ihr Untermieter" vor der Kamera steht, von kleinen Katastrophen, großen Missverständnissen, skurrilen Begegnungen und schrägen Momenten, die das Leben schreibt.

Im Interview mit der AZ erzählt der TV-Star (u. a. "Der Bulle von Tölz"), warum ihr heute nichts mehr peinlich ist, warum sie sich nicht mehr als "jagdbares Wild" sieht - und was das Geheimnis ihrer langjährigen Ehe ist.

AZ: Frau Jacob, es gibt Peinlichkeiten, die schweigen manch andere lieber tot - Sie schreiben ein ganzes Buch darüber. Wie kam’s?
KATERINA JACOB: Humor - über sich selbst lachen zu können, ist echt ein Geschenk. Ich glaube, dass ich mit diesen vielen kleinen Geschichten, in denen sich die Leute oft wiederentdecken, ganz vielen auch die Angst vor solchen Situationen nehmen kann. Angefangen habe ich damit, solche kleinen Anekdötchen auf Facebook zu schreiben, und die kamen dermaßen gut an. Immer wieder habe ich in den Kommentaren gelesen: "Genauso geht es uns auch" und "Bitte, wir wollen das als Buch!"

Katerina Jacob: So ruinierte ihr Shaping-Unterwäsche fast den Filmball

Wobei solche Situationen just in dem Moment, in dem man sie erlebt, ja erst einmal unangenehm sind...
Äußerst unangenehm! Einmal hatte ich mir für den roten Teppich zum Filmball Spanx gekauft - Shaping-Unterwäsche, die damals frisch auf den Markt gekommen ist. Alleine da reinzukommen - dagegen ist ein Taucheranzug einfach. Und solange Sie stehen, formt das die Figur wirklich großartig. Aber wenn man sich hinsetzt - rollt sich das Ding plötzlich von unten auf und schiebt das Fett irgendwo hin, wo es gar nicht hingehört! Ich sah aus, als ob ich um den Bauch Beulenpest hätte (lacht).

Katerina Jacobs drittes Buch "Im Fettnapf steht man meist allein" ist bereits über Amazon, Books on Demand (BoD) und im Buchhandel erhältlich. Das E-Book ist ab Ende November verfügbar.
Katerina Jacobs drittes Buch "Im Fettnapf steht man meist allein" ist bereits über Amazon, Books on Demand (BoD) und im Buchhandel erhältlich. Das E-Book ist ab Ende November verfügbar. © privat

Jacob: "Heute würde ich auch in Gesundheitsschuhen über den roten Teppich latschen"

Gerade in Ihrer Branche, hat man den Eindruck, wahren viele Kollegen stets die perfekte Fassade. Nehmen Sie das auch so wahr?
Natürlich. Jeder will der Schönste, der Größte, die Beste sein. Das ging mir als junge Frau auch so. Aber heute? Heute würde ich auch in Gesundheitsschuhen über den roten Teppich latschen - Hauptsache, ich habe am nächsten Tag keine Blasen.

Roter Teppich? Warum der TV-Star diese Momente lieber meidet

Wann konnten Sie solche Situationen lockerer sehen?
In dem Moment, ab dem man als Frau nicht mehr zum "jagdbaren Wild" gehört. So ab 45, 50 - da sieht man es lockerer. Und mit 60 ist einem alles egal. Da gehe ich um den roten Teppich herum.

Sie sind kein Fan von roten Teppichen?
Nein, grauenhaft! Man wird die ganze Zeit von hysterischen Fotografen angebrüllt. Danach tun einem eine halbe Stunde die Augen und die Füße weh und man hat vom vielen Bauch-Einziehen Muskelkater im Rücken. Wo ist da der Spaß?

"Splitterfasernackt": So überraschte Katerina Jacob einst zwei Arbeiter 

Ist Ihnen heute noch etwas peinlich?
Ich glaube, da gibt es nichts mehr. Dafür habe ich zu viel erlebt. Wenn man mit 62 während einer Hitzewelle etwa gerade aus der Dusche kommt, die Haare in ein Tuch gewickelt und es an der Tür klingelt und zwei Arbeiter davor stehen. Der Jüngere fällt fast nach hinten um und der Ältere dreht sich zu ihm um und sagt: "Woaßt wos, ich hab’ sowas zuhause. Da gewöhnst dich dran." Da habe ich erst realisiert: Ich bin splitterfasernackt.

Mutter Ellen Schwiers: "Sie war eine völlig uneitle Person"

In Ihrem Buch schreiben Sie auch von Ihrer Mutter, Ellen Schwiers. Sie gehörte noch einer ganz anderen Generation an. Hätte sie solche großen und kleinen Peinlichkeiten ebenso freimütig erzählt?
Meine Mutter war auch eine völlig uneitle Person. Und ich finde, in unserem Beruf muss man auch uneitel sein. Männer widersprechen da zwar immer. Aber ich bin der Meinung: Wenn mir ein Regisseur sagt, ich muss für eine Rolle zehn Kilo zunehmen und mir die Haare abrasieren, dann tue ich das. Wenn ich mich für die Rolle entschieden habe, dann muss ich da durch. Und auch privat: Ich schminke mich fast nie. Manchmal mache ich mich hübsch für meinen Mann, aber der sieht das ja nicht mehr (lacht).

Katerina Jacob und Mutter Ellen Schwiers (†88, 2019)
Katerina Jacob und Mutter Ellen Schwiers (†88, 2019) © BrauerPhotos

Keine Hochzeitsreise mit Ehemann Jochen Neumann

Einer missglückten Hochzeitsreise widmen Sie in Ihrem Buch zwei ganze Kapitel. Hat die Hochzeitsreise mit Ihrem jetzigen Mann besser funktioniert?
Wir haben gar keine Hochzeitsreise gemacht. Wir sind ohnehin ständig unterwegs und auf Reisen, da wäre eigentlich ein besseres Geschenk zur Hochzeit gewesen, einfach mal zu Hause zu sein.

Seit Jahren verheiratet: Das ist das Geheimnis hinter Katerina Jacobs Ehe

Sie sind inzwischen seit mehr als 15 Jahren verheiratet. Was, würden Sie sagen, lernt man erst über die Jahre am Partner zu schätzen?
Ich glaube, die Kunst ist andersherum. Am Anfang schätzt man ja alles. Und dann stellt man irgendwann fest: Es bröckelt. Die Kunst ist, über dieses Bröckeln hinwegzusehen und sich immer daran zu erinnern: In was habe ich mich verliebt?

Katerina Jacob und Jochen Neumann sind seit 2011 verheiratet.
Katerina Jacob und Jochen Neumann sind seit 2011 verheiratet. © BrauerPhotos

Die Schauspielerin über ihren Ehemann: "Natürlich nervt er mich manchmal zu Tode"

Und das hat bei Ihnen immer funktioniert?
Ja. Ich meine, natürlich nervt er mich manchmal zu Tode, aber ich ihn auch! Und wissen Sie was: Alles, was eintönig ist, ist langweilig. Wenn ich Paare sehe, die nebeneinander im Restaurant sitzen und während des Essens kein Wort miteinander reden - so etwas will ich nicht.

Ab Oktober: Katerina Jacob dreht wieder "Anna und ihr Untermieter"

Im Oktober stehen Sie wieder für "Anna und ihr Untermieter" vor der Kamera. Wenn man eine Rolle so gut kennt - ist das schön oder eher eintönig?
Ich habe zuletzt auch mit der Produzentin gesprochen und wir versuchen ja jetzt schon, ein bisschen mehr Dampf reinzubringen. Ich finde, das ist wieder ein sehr gutes Drehbuch geworden und wir haben auch wieder tolle Schauspieler dabei. Aber es ist auch gut, dass wir das nur einmal im Jahr drehen. Am 29. Oktober kommt "Soko Stuttgart" mit mir - mal in einer ganz anderen Rolle -, am 15. Januar der "Bergdoktor", auch in einer total anderen Rolle. Und dann kann ich auch "Anna" wieder drehen.

Das heißt, Sie brauchen immer mal wieder etwas Abwechslung?
Ich muss mein Gehirn ständig in Schuss halten. Ich lerne gerade Italienisch, schreibe an meinem vierten Buch, drehe und bin auch immer dabei, neue Kochrezepte zu erfinden. Ich muss immer in Bewegung bleiben. Ich habe das Gefühl, sonst wird man alt. Immerhin gehe ich jetzt auch auf die 70 zu - das vergesse ich nur immer.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.