Kassensturz in den Bergen

Es gibt gesellschaftspolitische Themen, die schon so manche Familie und Freundschaft gespalten haben sollen. Aber auch private Geheimnisse sind zwischenmenschlichen Beziehungen bekanntlich nicht zuträglich. In der Tragikomödie "Nix ist fix", am Montagabend im ZDF und vorab online zu sehen, kommt für eine Gruppe von Freunden alles zusammen. Den Titel "Fernsehfilm der Woche" trägt das Ensemblestück dank hochkarätiger, spielfreudiger Darsteller, eines bissigen Drehbuchs (Dominique Lorenz) und temporeicher Regie (Natalie Spinell, "Servus Baby") mehr als zu Recht.
Die geschiedene Juliane (Julia Koschitz) hat ihre alten Freunde, alle Mitte, Ende 40, übers Wochenende in ihr Chalet in den Tiroler Bergen eingeladen. Doch dort oben wartet eine Überraschung auf Juliane, die verwöhnte Paula (Friederike Kempter) und ihren kuschenden Ehemann Pascal (Maximilian Brückner), die Grundschullehrerin Sanne (Katrin Wichmann) und ihren unreifen Partner Harry (Marcel Mohab) sowie die aus Altersgründen frisch gefeuerte Fernsehmoderatorin Ines (Brigitte Hobmeier) und ihren Gatten Edwin (Felix Hellmann).
Drei Fremde, die Mittzwanziger Tarek (Simon Morzé), Vince (Slavko Popadic) und Alma (Camille Dombrowsky), haben es sich in dem Haus gemütlich gemacht. Und sie haben nicht vor, zu gehen - nicht nur, weil Alma hochschwanger ist. Von welchem der beiden Männer, das wissen sie nicht.
Gen X und Gen Y im Schlagabtausch
"Für uns sind die kapitalistischen Kategorien von Eigentum und Besitz nicht von Bedeutung, wir erkennen sie nicht an", erklärt die junge Frau den fassungslosen Neuankömmlingen. "Die Luft hier zwischen uns, die gehört niemandem. Und die Erde, auf der wir sitzen, die gehört auch niemandem. Und erst, wenn wir das begriffen haben, kann sich was verändern auf der Welt", fügt Vince hinzu.
Die titelgebende "Nix ist fix"-Mentalität der Jüngeren trifft hier auf das Verantwortungsbewusstsein und die Macher-Mentalität der Generation X und führt nicht nur zu einem Generationen-Clash sondergleichen, sondern auch zu einem, zumindest für die Zuschauer, herrlichen Schlagabtausch bei Rehbraten und Edelwein. In den besten Momenten erinnert das an Kammerspiele wie Yasmina Rezas gefeiertes Stück "Der Gott des Gemetzels".
Die Fassungslosigkeit der Freunde schaukelt sich hoch und mit ihr die Aggression. Dann schlägt sich völlig aus dem Nichts plötzlich einer von ihnen auf die Seite des anarchischen Trios. Im klassischen Drama spräche man hier wohl vom Höhepunkt und der Wendung, weg von den großen, hin zu den persönlichen Problemen der sieben. Alte und neue Konflikte, verschwiegene Krankheiten, finanzielle Probleme und Affären kommen ans Licht und stellen alles infrage. Vince gießt zusätzlich Öl ins Feuer: Sind sie glücklich mit ihren Leben? Und so wird aus der geplanten Erholung ein persönlicher Kassensturz am Wilden Kaiser.
"Obwohl viele Gemeinheiten ausgeteilt werden, ist der Film für mich vor allem eine Liebeserklärung an das wertvolle Gut der Freundschaft", sagt Hauptdarstellerin Julia Koschitz. Drehbuchautorin Dominique Lorenz geht noch weiter und sieht in "Nix ist fix" "eine Parabel sowohl auf Freundschaft als auch auf unsere gespaltene Welt". Es gehe darum, "über seinen eigenen Tellerrand hinauszublicken und eine andere Sichtweise anzunehmen." Die Frage sei: "Gelingt es uns, ein gemeinsames Narrativ zu finden?" - Ohne zu viel zu verraten: Das Ende des Films lässt durchaus optimistisch in die Zukunft blicken.
"Nix ist fix" - Mo. 10.08. - ZDF: 20.15 Uhr