Kai Wiesinger: "Ich weiß nicht, ob Christian Wulff das gefällt"

68 Tage dauerte der Skandal um Christian Wulff. Sat.1 zeichnet am Dienstag ab 20.15 Uhr in dem Doku-Drama "Der Rücktritt" diese bewegenden Momente nach. spot on news sprach mit Wulff-Darsteller Kai Wiesinger über den Film, den Polit-Skandal und über sein Spiegelbild.
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Als Christian Wulff kaum wiederzuerkennen: Kai Wiesinger
Sat.1/Stefan Erhard Als Christian Wulff kaum wiederzuerkennen: Kai Wiesinger

68 Tage dauerte der Skandal um Christian Wulff. Sat.1 zeichnet am Dienstag ab 20.15 Uhr in dem Doku-Drama "Der Rücktritt" diese bewegenden Momente nach. spot on news sprach mit Wulff-Darsteller Kai Wiesinger über den Film, den Polit-Skandal und über sein Spiegelbild.

 

17. Februar 2012: Bundespräsident Christian Wulff erklärt seinen Rücktritt. Hinter ihm liegen 68 Tage, seit er von einer geplanten Enthüllungsgeschichte der "Bild"-Zeitung erfuhr. Sat.1 zeichnet in dem Doku-Drama "Der Rücktritt" am Dienstag um 20.15 Uhr diese bewegende Zeit deutscher Geschichte nach. Die Nachrichtenagentur spot on news sprach im Interview mit Wulff-Darsteller Kai Wiesinger (47, "Bis nichts mehr bleibt") über die Wirkung des Films und Verfehlungen während des Skandals aber auch über sein eigenes Spiegelbild.

Im Abenteuerfilm "Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer" spielt Kai Wiesinger an der Seite seiner jetzigen Freundin Bettina Zimmermann

Herr Wiesinger, am vergangenen Montag feierte "Der Rücktritt" seine Premiere in Berlin. Wie waren für Sie die ersten Eindrücke?

Kai Wiesinger: Ich war von der Premiere sehr beeindruckt. Es macht mich froh, dass der Film ein so großes Interesse auslöst. Auch die Resonanz war sehr positiv.

Sie hatten bislang keinen Kontakt zu Christian Wulff. Was glauben Sie, wie er den Film beurteilen würde?

Wiesinger: Der Film ist nicht für die handelnden Personen gemacht, sondern für das Publikum. Wir versuchen ihn auch nicht zu imitieren. Es sollen die Ereignisse gezeigt werden, die nicht in der Öffentlichkeit stattgefunden haben. Der Film ist eine künstlerische Interpretation, die für sich steht und für ein großes Publikum eine Diskussion anregen soll. Ob ihm das auch gefällt, weiß ich nicht.

Sie sehen in dem Film dem ehemaligen Bundespräsidenten verblüffend ähnlich. Haben Sie sich erschrocken, als sie sich so das erste Mal im Spiegel gesehen haben?

Wiesinger: Nein, ich möchte mich nicht damit beschäftigen, wie ich in meinen Rollen aussehe. Ich schaue mir auch während der Dreharbeiten keine Standbilder an und vermeide den Blick in den Spiegel. Mir geht es nur um das Innenleben. Eine gute Maske ist dabei aber natürlich eine große Unterstützung.

"Der Rücktritt" ist nach "Der Minister" die zweite große Sat.1-Produktion, die sich einen Politik-Skandal zu eigen macht. "Der Minister" ging satirisch an die Guttenberg-Affäre heran, "Der Rücktritt" hat sich Ernsthaftigkeit auf die Fahnen geschrieben. Glauben Sie nicht, dass in der Causa Wulff extrem viel Humoristisches gesteckt hätte?

Wiesinger: (lacht) Ja, mit Sicherheit. Man kann aus allem eine Satire machen und hätte auch hier Ansatzpunkte gefunden, um Dinge zu überzeichnen. Ich glaube aber, dass der ernsthafte Ansatz hier der richtige ist.

Warum?

Wiesinger: Anders als bei Guttenberg geht es nicht um eine einzelne, zur Debatte stehenden Verfehlung. Es geht um eine gesellschaftliche Diskussion, nicht darum ob einer Recht oder Schuld hat. Darum, ob wir als Volk so miteinander umgehen wollen.

Wie meinen Sie das?

Wiesinger: Man muss sich fragen, ob wir solch eine Hetzjagd im Lande haben wollen oder nicht. Das, was sich in Deutschland vor zwei Jahren abgespielt hat, war eine Situation, die ich ganz persönlich nicht wieder haben möchte. Ich will nicht, dass wir so würdelos und respektlos miteinander umgehen.

Sie spielen auf die Rolle der Medien an.

Wiesinger: Nicht nur die der Medien, sondern auch auf die Rolle der Bevölkerung, die eine Lust an der Skandalisierung gefunden hatte und damit den Weg bereitet hat, dass sich die Schlinge um den Hals von Herrn Wulff immer weiter zuzieht. Es geht dabei aber nicht um Schuld oder Unschuld sondern nur um Verantwortung.

Sehen Sie diese Verantwortung nicht auch im Handeln von Herrn Wulff?

Wiesinger: Gar keine Frage, Herr Wulff hat natürlich mit manchen Äußerungen und Aktionen einen Boden bereitet, in denen er gewisse moralische Normen extrem eingefordert und sich selbst dann nicht daran gehalten hat. Die Medien haben diesen Boden dann aber extrem beackert und so ihre unglaubliche Macht gezeigt und eingesetzt.

Ihr eigenes Leben findet auch als öffentliche Person statt. Glauben Sie, dass sie auf diese Thematik einen anderen Blick haben als Otto Normalverbraucher?

Wiesinger: Ja, ich denke schon. Leider kenne ich das Gefühl, dass Paparazzi vor meinem Haus warten und Teleobjektive aus Autofenstern kommen. Das ist etwas, was man keinem wünscht.

Empfinden Sie Mitleid mit Herrn Wulff?

Wiesinger: Ich möchte Herrn Wulff nicht beurteilen oder bewerten. Darum darf es mir auch nicht gehen, wenn ich solch eine Rolle annehme. Ich stelle mich ausschließlich in den Dienst dieser Figur und möchte ihr gerecht werden. Jeder Zuschauer sollte sich selbst ein Urteil bilden.

Neben den Medien spielte Bettina Wulff, dargestellt von Anja Kling, eine große Rolle in dem ganzen Skandal. Wie war das mit Frau Kling als Filmpartnerin vor der Kamera?

Wiesinger: Mit Anja Kling zusammen zu spielen war eine große Freude. Wir beide haben uns gegenseitig ermöglicht, jede Szene wahrhaftig darzustellen. Aber ich muss sagen: Das ganze Ensemble war toll. Jeder hat seine Figur sehr ernst genommen.

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