Jutta Speidel über Schönheitswahn: "Wenn du selbst so dumm bist"
Die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Auch im Gesicht und am Körper von Jutta Speidel. Die Schauspielerin ist 72 Jahre alt und hat überhaupt kein Problem damit. Im Gegenteil: Speidel sieht ihre Falten nicht als Makel, den es zu beseitigen gilt. Für sie gehören sie zum Leben dazu.
Jutta Speidel lehnt Botox und Skalpell ab: "Wo fange ich an, wo höre ich auf?"
Im "Ungeschönt"-Podcast von Simone Jacob spricht Speidel offen darüber, warum sie mit ihrem Aussehen im Alter so entspannt umgeht. "Falten gibt's überall. Am ganzen Körper. Vom großen Zeh bis zur Haarwurzel", so Speidels bemerkenswert nüchterne Antwort. Eine hautglättende Schönheits-OP kommt für sie nicht infrage: "Wo fange ich an, wo höre ich auf?"
Der Grund ist nicht nur ihre Einstellung zum eigenen Körper. "Andere Dinge sind viel wichtiger. Und ich würde auch mein Geld ungern dafür ausgeben", erklärt die Schauspielerin.
Anti-Age? "Völlig bescheuert!"
Podcast-Gastgeberin Simone Jacob fragt sich: "Warum sollte ich gegen das Alter arbeiten?" Sie verabscheut auch den Begriff "Anti-Age". Speidel antwortet prompt und eindeutig: "Völlig bescheuert!"
"Meine Falten zeigen gelebtes Leben. Mit allen Höhen und Tiefen"
Speidels Haltung zum Älterwerden ist klar: Sie will nicht jünger aussehen, als sie ist. Sie will aussehen wie Jutta Speidel. Und genau darin sieht sie offenbar auch etwas Schönes. Ihre Falten erzählen für die Schauspielerin eine Geschichte: "Gelebtes Leben. Mit allen Höhen und Tiefen. Das ist doch schön." Und sie geht noch weiter: Genau diese Spuren seien es, die Menschen schön machen.
Eine Haltung, die in einer Zeit auffällt, in der soziale Netzwerke täglich ein anderes Bild vermitteln: glatte Haut, perfekte Körper, makellose Gesichter und vermeintlich ewige Jugend.
Speidel will sich an diesem Ideal nicht messen lassen. Sie kritisiert nicht nur die Influencer. Kritisch sieht die Schauspielerin vor allem den unreflektierten Konsum von Influencer-Inhalten. Speidel stört sich daran, dass Menschen auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken teilweise operierte und stark inszenierte Personen sehen. Und deren Aussehen anschließend als erstrebenswert betrachten.
"Wenn du selbst so dumm bist"
Dabei nimmt sie nicht nur die Influencer selbst in die Pflicht. Auch die Nutzer, die solche Bilder konsumieren und ihnen nacheifern, müssten ihrer Ansicht nach stärker hinterfragen, was sie eigentlich sehen. Über Menschen, die das präsentierte Schönheitsideal bedenkenlos für erstrebenswert halten, sagt Speidel: "Wenn du selbst so dumm bist, dass du das toll findest, dann geschieht es dir recht."
Eine ziemlich harte Aussage. Doch Speidel geht es um etwas anderes als eine pauschale Abrechnung mit Instagram. Sie hinterfragt, warum Menschen überhaupt glauben, dass sie so aussehen müssten wie die Personen, die ihnen in sozialen Netzwerken präsentiert werden.
Jutta Speidel sieht auch Hoffnung bei der jüngeren Generation
Gleichzeitig blickt Speidel durchaus positiv auf eine Entwicklung, die sie beobachtet: Auch bei jüngeren Menschen komme authentisches Altern zunehmend besser an. Das Bewusstsein dafür, dass nicht jeder Mensch einem künstlichen Schönheitsideal entsprechen müsse, wachse offenbar.
"Jedes einigermaßen mitdenkende und mitfühlende, auch emotionelle Wesen, ist doch auf der gleichen Linie“, sagt Speidel. Damit meint die Schauspielerin ihre eigene Haltung zum natürlichen Älterwerden: Auch viele jüngere Menschen würden diese Einstellung inzwischen teilen und sich nicht mehr an makellosen, künstlich veränderten Schönheitsidealen orientieren. Als Beispiel für diese Haltung beschreibt Speidel eine Reaktion, die sie für viel wichtiger hält als die Jagd nach einem faltenfreien Gesicht: "Mensch, toll, wie die Frau aussieht. Keine Ahnung, wie alt die ist, aber die sieht ja super aus."
Mit 72 hat Speidel ihren eigenen Blick auf Schönheit
Genau darin steckt die Haltung, die Jutta Speidel zum Älterwerden vertritt. Sie will Falten nicht wegdiskutieren. Sie will sie aber auch nicht verstecken. Vielleicht ist genau das die Botschaft, die Speidel mit ihrem offenen Umgang mit dem Alter vermitteln möchte: Nicht das Älterwerden ist das Problem, sondern die Vorstellung, man müsse sich dafür schämen.
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