Jutta Speidel schwärmt von ihrem Zuhause: "Brauche Ruhe und Schutz"

In München hat Jutta Speidel am vergangenen Freitag (23. Oktober) das dritte Haus für ihren Verein "Horizont e.V." eröffnet. Die Schauspielerin setzt sich damit für wohnungslose Mütter und Kinder ein. Die Abendzeitung hat die 72-Jährige zum Gespräch getroffen.
Rückzug für Jutta Speidel: "Ein ganz wichtiges Nest"
Ein eigenes Heim bietet nicht nur Wärme und Geborgenheit, sondern auch Sicherheit. "Zuhause bedeutet für mich Ruhe. Auch Schutz", betont Jutta Speidel im Gespräch mit der Abendzeitung. Die TV-Aktrice zieht sich gerne in ihre privaten Räumlichkeiten zurück, um einfach mal sie selbst sein zu können. "Ich mag in meinem Zuhause so sein und ausschauen dürfen, wie ich es gerade brauche."
Als Schauspielerin ist Jutta Speidel oft Bewertungen von außen ausgesetzt – sei es ihr Auftreten vor der Kamera oder ihr Erscheinungsbild. "Da ich ein Mensch bin, der sehr viel in der Öffentlichkeit steht, sich auch immer passabel anziehen muss und sich auch keine persönlichen Probleme anmerken darf, ist gerade so ein Zuhause ein ganz, ganz wichtiges Nest, in das ich immer wieder sehr gerne zurückkehre."
Für wohnungslose Frauen und Kinder: "Horizont e.V." eröffnet neues Haus in München
Doch in Deutschland hat nicht jeder Mensch dieses wichtige Nest – mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche sind wohnungslos. Daher gründete Jutta Speidel 1997 ihren Verein "Horizont e.V.", wie sie der AZ verrät: "Die Motivation damals war eine außergewöhnliche, weil in dieser Zeit Ende der 90er-Jahre hat man in der Gesellschaft und in der Politik nicht über obdachlose Frauen und Kinder geredet. Vor allen Dingen nicht in München."

Klartext von Jutta Speidel: "Spätestens seit der Pandemie ist das Problem für jeden ersichtlich"
Für ihr Engagement musste die Schauspielerin zu Beginn viel Kritik einstecken. "Entschuldigung, Sie sind Schauspielerin! Sie haben doch von Tuten und Blasen keine Ahnung", wurde Jutta Speidel damals mitgeteilt. Ihre Reaktion darauf? "Ja, aber ihr tut nichts! Oder das, was ihr tut, ist nicht so effektiv, dass sich das Thema irgendwann erledigt hat." Der 72-Jährigen wurde prophezeit, dass in ein paar Jahren keiner mehr über Obdachlosigkeit bei Frauen und Kindern spricht. Ein großer Irrtum: "Dass es sich seither schlimm entwickelt hat, wissen wir doch alle. Spätestens seit der Pandemie ist das Problem für jeden ersichtlich."

Fast 30 Jahre nach der Gründung von "Horizont e.V." setzt sich Jutta Speidel noch immer für schutzbedürftige Mütter und ihre Kinder ein. Und auch die Politik in München hat seither offenbar dazugelernt, wie sie im Interview mit der Abendzeitung betont: "Die Stadt macht, seitdem wir das mit Horizont machen, sehr viel mehr. Und sie haben es gut abgeguckt. Aber das ist ja positiv, dass die Stadt sich weiterentwickelt hat. Und dass es in ganz Deutschland viele Einrichtungen gibt, die helfen. Es hat sich viel getan."