Jon Bernthal wird 50: Das steckt hinter seinem Tough-Guy-Image

Raues Erscheinungsbild, raue Rollen: Jon Bernthal ist dafür bekannt, kantige und harte Charaktere zu spielen. Angefangen bei "The Walking Dead" bin hin zum gefeierten "Punisher". 2026 feiert er gleich zwei große Kinoerfolge und seinen 50. Geburtstag. Ein Blick hinter seine scheinbar harte Fassade.
von  (sv/spot)
Jon Bernthal auf der Premiere von "Spider-Man: Brand New Day".
Jon Bernthal auf der Premiere von "Spider-Man: Brand New Day". © imago/Picturelux Images / Joseph Martinez / PictureLux

Als Jon Bernthal 2010 auf der Comic Con in New York zusammen mit dem Cast von "The Walking Dead" vorgestellt wurde, standen ihm die Fans der Comicvorlage alles andere als wohlwollend gegenüber. In mehreren Interviews erzählte der Schauspieler, dass seine Figur regelrecht ausgebuht wurde. Letztendlich verschaffte ihm die antagonistische Rolle des Shane Walsh in der Zombieserie seinen großen Durchbruch. Am 20. September feiert er seinen 50. Geburtstag - in einem Jahr, in dem seine Karriere einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

Zwei große Kinoerfolge in einem Jahr

2026 ist bislang ein besonders ereignisreiches Jahr für Jon Bernthal. Es begann im Januar mit der Netflix-Thrillerserie "His & Hers", in der er an der Seite von Tessa Thompson (42) die Hauptrolle spielte. Später folgten Sonderepisoden für die Erfolgsserien "The Bear" und "The Punisher". Den rauen Marvel-Antihelden brachte Bernthal in diesem Sommer in "Spider-Man: Brand New Day" zudem erstmals auch auf die Kinoleinwand. Zeitgleich war er in Christopher Nolans (56) "Die Odyssee" als spartanischer König Menelaos an der Seite von Matt Damon (55) zu sehen.

Seit seinem Durchbruch mit der Serie "The Walking Dead", die er nach zwei Staffeln verließ, teilte sich Jon Bernthal mit einigen Hollywoodstars die Leinwand: 2013 mit Leonardo DiCaprio (51) in "The Wolf of Wall Street", 2015 mit Emily Blunt (43) in "Sicario", 2016 mit Ben Affleck (54) in "The Accountant" und 2021 mit Will Smith (57) in "King Richard". Bernthal zeigt bei der Auswahl seiner Rollen eine Vorliebe für harte und komplexe Charaktere. Tatsächlich zieht es ihn zu Rollen, die ihm Furcht einflößen, offenbarte er im Interview mit "Entertainment Weekly". Er versuche, das zu finden, was ihm am meisten Angst macht. Etwas, von dem er denkt, er könne es nicht oder jemand anderes wäre besser geeignet. Wichtig sei ihm vor allem, "an dem besten Stoff zu arbeiten, der mir zur Verfügung steht".

Wie die Schauspielerei sein Leben rettete

Dabei ist Jon Bernthal eher per Zufall zur Schauspielerei gekommen. Sein eigentliches Ziel war es, Baseball zu spielen. Doch am College musste er zusätzlich ein kreatives oder geisteswissenschaftliches Fach belegen. "Als ich die Schauspielerei für mich entdeckte, war das für mich eine geradezu spirituelle Erfahrung. Es hat mein Leben gerettet", sagte er dem britischen "Guardian". Im selben Gespräch spricht Bernthal auch offen über seine turbulente Kindheit und Jugend: Als Achtjähriger handelte er auf einem Campingplatz mit "Playboy"-Heften, riskierte Schulverweise und geriet in Raufereien. "Ich habe in meinem Leben viele Fehler gemacht und Wege eingeschlagen, von denen ich wahrscheinlich nicht hätte zurückfinden können", so der Schauspieler.

Seine wilden Jahre sind ihm anzusehen. Mindestens 14 Mal hat er sich verschiedenen Berichten zufolge die Nase gebrochen. "Bei 'Punisher' habe ich sie mir wieder gebrochen. Das wären also 15", sagte er 2024 dem Filmportal "IMDb" angesprochen auf die Anzahl. Dass der Schauspieler seit Jahren auch Boxen zu seinen leidenschaftlichen Hobbys zählt, könnte wohl auch dazu beigetragen haben.

Trotz diverser Schwierigkeiten in seiner Jugend sei Bernthal in einer liebenden Familie groß geworden, die ihn stets in allem unterstützte, betonte er gegenüber dem "Guardian". Es gebe viele Menschen, die das nicht hätten. Er wuchs in einem Vorort von Washington D.C. mit zwei Brüdern auf. Auf Empfehlung seiner Schauspiellehrerin ging er nach Russland, um am Moskauer Kunsttheater zu studieren. Nach seiner Rückkehr in die USA übernahm er zunächst kleinere Rollen für Fernsehserien - unter anderem in einer Folge von "How I Met Your Mother" - ehe er als Shane Walsh in "The Walking Dead" seine erste große Serienrolle ergatterte.

Die Liebe fürs Leben auf den ersten Blick

Kurz nach seiner Rückkehr lernte er auch seine spätere Frau Erin Angle (50) auf einer Party kennen. Später beschrieb er die Begegnung als Liebe auf den ersten Blick. Als er sie sah, sei es buchstäblich so gewesen, "als hätten Engel gesungen", erzählte er der "Men's Health", so kitschig das auch klingen mochte. 2010 heiratete das Paar und hat inzwischen drei gemeinsame Kinder. Sohn Henry kam 2011 zur Welt, 2013 folgte Sohn Billy. Töchterchen Adeline machte die Familie 2015 komplett. Bei dem Mädchen wurde im Alter von nur zwei Jahren Enzephalitis, eine Gehirnentzündung, festgestellt. Das Kind fiel für mehrere Tage in ein Koma.

Zu diesem Zeitpunkt hätte Bernthal eigentlich an der Seite von Ryan Gosling (45) den Film "First Man" drehen sollen. Doch er zog sich verständlicherweise aus dem Projekt zurück und eilte zu seiner Familie. Nachdem seine Tochter wieder erwachte und ihre Familie nicht erkannte, war es Bernthals Frau, eine ausgebildete Krankenschwester, die die Fassung behielt. "Was ich in meiner Frau sah, war Mut und Schönheit, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte", sagte er der "Men's Health". Adeline hat sich von den Ereignissen wieder vollständig erholt.

Ohne seine Familie wäre Bernthal nach eigener Aussage nicht in der Lage gewesen, die Rolle zu spielen, für die er wohl mit am meisten bekannt ist: den Punisher. Hinter dem Marvel-Antihelden steckt der Veteran Frank Castle, der in brutaler Selbstjustiz jene richtet, die für die Ermordung seiner Frau und seiner Kinder verantwortlich sind. Um die Figur zu verstehen, müsse man selbst begreifen können, "was passieren würde, wenn dir jemand diese Liebe entreißt - diese Menschen entreißt", sagte er nach seinem Punisher-Debüt in der Serie "Daredevil" dem Magazin "Complex".

Schauspieler und Podcaster

Neben seiner umtriebigen Schauspielkarriere betrieb Bernthal zudem für einige Jahre den Podcast "Real Ones", in dem er einmal pro Woche einen Gesprächspartner ans Mikrofon bat. Unter seinen Gästen waren neben Schauspielkolleginnen und -kollegen vor allem Ärzte, Polizisten, Soldaten. Auf der Website wird das Projekt mit den Worten beschrieben: "Keine Agenda - nur echte Erfahrungen". Seinen Gesprächspartnern begegnete er immer vorurteilsfrei und mit aufrichtiger Neugier für ihre Geschichten. In den vergangenen Monaten sind keine neuen Folgen mehr erschienen.

Fans können derzeit nur mutmaßen, wann Jon Bernthal in der nächsten Rolle auf der Leinwand oder dem Bildschirm erscheinen wird. Seiner vollen Filmografie nach zu urteilen, werden sie aber bestimmt nicht allzu lange warten müssen. Letztendlich konnte er dann doch auch die Herzen zahlreicher "The Walking Dead"-Fans erobern. Seine Figur gewann zwar keine Sympathien, Bernthals Darbietung sorgte dagegen für umso mehr Begeisterung.

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