Joe Mantegna: "Wir sind auch ein Teutonen-Volk"

Joe Mantegna, bekannt als FBI-Profiler in "Criminal Minds". Im Interview spricht Mantegna über seine Karriere, über Deutschland, aber auch über seine autistische Tochter.
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Joe Mantegna bei einer Premieren-Party in Hollywood
Todd Williamson/Invision/AP Joe Mantegna bei einer Premieren-Party in Hollywood

Er ist ein Mann aus der zweiten Reihe, aber dennoch ein Hollywood-Star: Joe Mantegna, bekannt als FBI-Profiler in "Criminal Minds". Im Interview mit spot on news spricht Mantegna über seine Karriere, über Deutschland, aber auch über seine autistische Tochter.

Ein halbes Dutzend Kritikerpreise, zwei Emmy-, eine Globe- und eine Gotham-Award-Nominierung, sowie ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame sprechen für sich: Joe Mantegna (65) ist ein Weltstar! Und obwohl er bereits in zig Blockbustern ("Suspect", "Godfather", "Bugsy", "Body of Evidence") mitgespielt hat und seit 2007 den FBI-Profiler David Rossi in "Criminal Minds" (zu sehen auf 13th Street von Montag bis Donnerstag in Doppelfolgen ab 21:50 Uhr) gibt, ist er trotzdem nur der Star in der zweiten Reihe. Das Gesicht kennt jeder, den Namen nur echte Fans. Das hat zwei gute Gründe: Zum einen ist der in Chicago geborene Italo-Amerikaner nicht sehr ehrgeizig und zum anderen verbringt er lieber mehr Zeit mit seiner autistischen Tochter Mia (26). Die hatte er auch beim Besuch in München dabei:

Der Italo-Amerikaner Joe Mantegna spielte auch schon in der Mafia-Saga "Der Pate" mit. Hier gibt es die DVD-Box

Wie gefällt es Ihnen in Deutschland?

Joe Mantegna: Ich mag Deutschland, denn die hiesige Mentalität ist der amerikanischen sehr ähnlich. Wir sind auch ein Teutonen-Volk mit germanischem Herz und ähnlichen Tugenden: pünktlich, weltoffen, expressiv und ehrgeizig. Ich habe mich außerhalb von Amerika noch nie irgendwo so heimisch gefühlt.

Als FBI-Profiler könnten Sie hier jedoch keine Karriere machen, denn Deutschland ist wesentlich friedlicher als die USA.

Mantegna: Stimmt, hier gibt's weniger Gangster. Aber das kommt meinem friedlichen Charakter sehr entgegen, denn privat gibt es kaum Parallelen zum FBI-Profiler David Rossi. Ich halte nichts von Method-Acting. Ich schlüpfe in meine Rollen wenn es Action heißt und wenn die Klappe fällt, dann fällt auch der Charakter von mir ab. Besser so, denn meine Familie würde mir was husten, wenn ich Zuhause den Filmstar geben würde.

Sind die nicht stolz auf Papas Karriere?

Mantegna: Die haben keinen Bock auf den Promi-Zirkus, bei uns Zuhause geht es sehr bodenständig zu. So sehr, dass meine 98-jährige Mutter bis heute nicht weiß, womit ich mein Geld verdiene. Und meine autistische Tochter Mia lässt es auch kalt. Die könnte ich nur beeindrucken, wenn ich ein Rockstar wäre. Sie kennt die Geburtstage von allen ihren Idolen auswendig, meinen vergisst sie immer.

Was macht das mit Ihnen?

Mantegna: Das macht aus mir einen tiefenentspannten Joe. Meine Mutter ist nur so alt geworden, weil es nicht viel Aufregung in ihrem Leben gab und ich versuche mein Leben genauso entspannt zu gestalten. Mein Held war Dean Martin, der coolste Typ von allen.

Der stand im Gegensatz zu Ihnen in der ersten Reihe.

Mantegna: Ich bin froh, dass ich es überhaupt so weit geschafft habe, denn mir fehlt der nötige Ehrgeiz für die erste Reihe. Ich habe weder Manager, noch PR-Berater oder sonstige Entourage, die mit mir an einem großen Masterplan feilen. Ich mache meinen Job, so gut ich kann und bin dankbar, für das was passiert.

Sie lassen das Schicksal lenken?

Mantegna: Was sonst? Ich denke, das Leben ist kein Wunschkonzert, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Das gilt genauso für meinen Job, wie für die autistische Erkrankung meiner Tochter. Ich habe mich seit 26 Jahren damit arrangiert ein kleines Mädchen zu Hause zu haben, das mich niemals zum Großvater machen wird.

Wie äußert sich der Autismus?

Mantegna: Sie lebt in ihrer eigenen kleinen Welt und hat eine ganz eigene Wahrnehmung. Sie ist unglaublich fit, was Daten, Zahlen und Computer anbelangt und auf der anderen Seite kann sie keine zwei aneinander hängenden Sätze formulieren, die Sinn machen. Sie ist wie eine Katze, die in einer Welt voller Hunde lebt.

Ihre liebenswerteste Eigenschaft?

Mantegna: Mia ist absolut wertfrei, kennt keine Eifersucht und keinen Neid. Das macht sie ganz besonders liebenswert. Sie hat die unschuldige Naivität einer Achtjährigen, obwohl wir unlängst in Deutschland ihren 26. Geburtstag feierten.

Was haben Sie ihr geschenkt?

Mantegna: Eine Schwarzwälder Kirschtorte. Das hatte sie im Internet als typisch deutsch gegoogelt und sich seit Wochen gewünscht. Und danach sind wir nach Nürnberg um ihre Lieblingsband The Killers im Konzert zu sehen. Mia kann sich nur auf wenige Dinge im Leben fixieren. Die Killers sind eines davon, seit sieben Jahren verpassen wir fast kein Konzert.

Was empfehlen Sie Eltern in ähnlichen Situationen?

Mantegna: Man muss die Krankheit annehmen und das Beste daraus machen. Ich erfahre sehr viel schöne Momente mit meiner Tochter, die ich nicht missen möchte. Durch ihre Krankheit bin auch ich ein Stück sensibler geworden in meinem Blick auf die Menschen. Mia wird immer der Mittelpunkt in unserer Familie sein, und das ist gut so. Zum Glück habe ich eine Frau, die das genauso sieht.

Was zeichnet Ihre Frau sonst noch aus?

Mantegna: Sie ist viel stärker als ich und ohne sie würde ich meinen Arsch wahrscheinlich gar nicht von der Couch hochkriegen. Das habe ich früh erkannt und ihr das Ruder übergeben. Sie ist der echte Star und ich laufe nur in ihrem Schatten.

Warum hat die sich für so eine Schlaftablette entschieden?

Mantegna: Weil es ihr gefällt, dass ich der Ruhepol in ihrem Sturm bin. Meine Frau läuft nämlich auf 240 Volt und ich nur auf 110. Sie hat als Beruhigungsmittel einen Hippie geheiratet - die langen Haare sind zwar weg und kiffen tue ich auch nicht mehr, aber im Grunde meines Herzens bin ich immer noch ein Hippie.

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