Joe Cocker: Sein Werdegang, sein Leben, seine Skandale

Er lebte ein bewegtes und bewegendes Leben: Joe Cocker. In seiner jahrzehntelangen Karriere durchlief der Musiker sämtliche Höhen und Tiefen, Erfolge und Skandale. Den Kampf gegen den Krebs verlor Cocker, was auf ewig bleibt ist seine Musik.
| (stk/ln/spot)
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Joe Cocker verlor mit 70 Jahren seinen Kampf gegen den Krebs
ddp images Joe Cocker verlor mit 70 Jahren seinen Kampf gegen den Krebs

70 Jahre wurde Joe Cocker alt. Nun verlor der Sänger mit der markanten Reibeisen-Stimme den Kampf gegen den Krebs. Was übrig bleibt sind nicht nur knapp 40 Alben, sondern eine bewegte Karriere voller Höhepunkte und Erfolge, Skandale und Comebacks.

Sehen Sie auf MyVideo ein Interview mit Joe Cocker zu seinem letzten Album

Der gelernte Gasinstallateur aus der englischen Industriestadt Sheffield wurde weniger mit eigenen Songs als mit Coverversionen weltberühmt. Unvergessen ist sein Auftritt beim Woodstock Festival im August 1962, als er dem Beatles-Hit "With a Little Help from My Friends" eine vibrierende Seelentiefe gab. Joe Cocker hauchte sie dem Erfolgssong nicht ein, er krächzte und schrie dem Publikum seine Gefühle entgegen und drosch mit bloßen Händen auf eine imaginäre Gitarre ein. Von da an hatte er seine Performance für die Ewigkeit gefunden, von da an war er ein Star.

Er machte "Unchain My Heart" (von Trini Lopez) und "Summer In The City" (Lovin Spoonful) zu großartigen Klangerlebnissen und Welthits. Randy Newmans Lied "You Can Leave Your Hat On" wurde durch Joes Interpretation für den Film "9 1/2 Wochen" zur internationalen Striptease-Hymne. Mit Billy Prestons Ballade "You're So Beautiful" rührte Cocker das Publikum zu Tränen, und für "Up Where We Belong" - im Duett mit Jennifer Warnes - bekam er 1983 den Grammy Award.

Es gab allerdings auch den anderen Joe Cocker. Den unkontrollierten und unkontrollierbaren Junkie und Säufer, der sturzbetrunken auf die Bühne wankte, wenn er denn kam... Oft schrien Tausende seiner Fans vergeblich im Chor: "Joe, trink aus und komm raus!" Das begann Mitte der 1970er-Jahre, und Joe Cocker schien einem unausweichlichen Ende entgegen zu taumeln.

Er selbst bekannte in mehreren Interviews: "Erst als ich Anfang 50 war, machte ich mir langsam Sorgen. Ich trank alleine, musste saufen. Die Leute hatten Angst vor mir. Ich habe oft die ganze Nacht hindurch gesoffen. So lange, bis ich bewusstlos war... Und wenn du erst mal in dieser Abwärtsspirale bist, dann ist es schwierig, da wieder rauszukommen. Ich brauchte Jahre, das zu schaffen."

Vermutlich hätte er es ohne seine amerikanische Frau Pam Baker, eine Erzieherin, die er 1987 heiratete, nicht aus dieser schweren Zeit geschafft. Seither lebte er mit ihr auf der abgeschiedenen Mad Dog Ranch beim 500-Seelen-Nest Crawford im US-Staat Colorado. "Mein Haus hat sechs Schlafzimmer. Wenn die Tochter und Enkel meiner Frau kommen, verziehe ich mich in meine Räume. Die anderen dürfen ja noch trinken! Da sitze ich dann und denke: Dass ich nicht saufen darf, ist die Strafe Gottes!"

2007 wurde der ehemalige Blues-Rüpel von Königin englische Queen zum "Officer of the Order of the British Empire" ernannt. Er erinnerte sich an die feierliche Zeremonie: "Da sagte ihr Mann Philip zu mir: 'Ist ja ein Wunder, dass Sie überhaupt noch sprechen können!' Er meinte wohl meine rauchige Stimme. Ich habe das mal als Kompliment gesehen."

Die Schlacht gegen den Alkohol gewann Cocker, nicht jedoch den Kampf gegen den Krebs. Der Musiker erlag der Erkrankung auf seiner Ranch, dem Haus mit den vielen Schlafzimmern. Der Sänger ist von uns gegangen, aber eines wird bleiben: Cocker gehört nach so vielen Jahren, Erfolgen und Skandalen auf ewig zu den Unvergessenen der Rock- und Bluesmusik, gemäß seiner wundervollen Ballade "N'oubliez jamais", in der es heißt: "Sing dein eigenes Lied und vergiss niemals."

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