Jetzt kommen die Frauen

"Captain Marvel" (2019) mit Brie Larson in der Hauptrolle war die erste Marvel-Verfilmung mit einer Superheldin im Mittelpunkt. Und mit der ist nicht gut Kirschen essen. ProSieben wiederholt den Actionkracher am Sonntagabend.
Andreas Fischer |
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Brie Larson erhielt 2016 den Oscar als beste Hauptdarstellerin in Lenny Abrahamsons Drama "Raum". 2019 spielte sie die Titelrolle in "Captain Marvel".
Marvel Studios 2019 / Chuck Zlotnick 5 Brie Larson erhielt 2016 den Oscar als beste Hauptdarstellerin in Lenny Abrahamsons Drama "Raum". 2019 spielte sie die Titelrolle in "Captain Marvel".
Zeit für neue Heldinnen: Endlich darf mit "Captain Marvel" 2019 eine Frau antreten, um die Menschheit zu retten. Obwohl die das in den vom Machismo geprägten 1990er-Jahren wahrscheinlich nicht einmal verdient hätte.
Marvel Studios 2019 5 Zeit für neue Heldinnen: Endlich darf mit "Captain Marvel" 2019 eine Frau antreten, um die Menschheit zu retten. Obwohl die das in den vom Machismo geprägten 1990er-Jahren wahrscheinlich nicht einmal verdient hätte.
Captain Marvel (Brie Larson, rechts) ist eigentlich Air-Force-Pilotin.
Marvel Studios 2019 5 Captain Marvel (Brie Larson, rechts) ist eigentlich Air-Force-Pilotin.
Nach einem Unfall entwickelt Carol Danvers Superkräfte und wird zu Captain Marvel (Brie Larson).
Marvel Studios 2019 5 Nach einem Unfall entwickelt Carol Danvers Superkräfte und wird zu Captain Marvel (Brie Larson).
Jude Law spielt Dr. Walter Lawson, den ursprüngliche Captain Mar-Vell, und bereitet Carol Danvers (Brie Larson) auf ihre neuen Fähigkeiten vor.
Marvel Studios 2019 / Chuck Zlotnick 5 Jude Law spielt Dr. Walter Lawson, den ursprüngliche Captain Mar-Vell, und bereitet Carol Danvers (Brie Larson) auf ihre neuen Fähigkeiten vor.

Ein Innehalten ist im Marvel Cinematic Universe nicht vorgesehen. Mit "Captain Marvel" kam im März 2019 bereits der 21. Film der Superhelden-Reihe ins Kino. Und trotzdem war dieser Ableger eine Premiere: Zum ersten Mal steht mit Carol Danvers alias Captain Marvel eine weibliche Heldin, gespielt von Oscar-Gewinnerin Brie Larson ("Raum"), im Mittelpunkt. Zeit wurde es: Die gesellschaftlichen Debatten gehen bis heute auch an Marvel nicht vorüber. Dass Captain Marvel ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt auftauchte, hatte freilich andere Gründe als #MeToo. Sie sollte nur einen guten Monat später, im April 2019, in "Avengers: Endgame" den Kampf gegen Thanos aufnehmen. Und der kann sich darin warm anziehen: Die Frau kommt nicht, um Kriege zu führen, sondern um sie zu beenden. Das passende Werkzeug dafür ist sie selbst.

Nick Fury (Samuel L. Jackson) hatte Captain Marvel am Ende von "Avengers: Infinity Wars" (2018), am Ende der Hoffnung, mit einem altmodischen Pager angefunkt. Sein Hilferuf erreicht eine durchaus komplizierte Frau. Das Regie-Duo Anna Boden und Ryan Fleck gibt der Titelheldin genügend Zeit und Raum, sich zu entwickeln und stellt der vielschichtigen Hauptdarstellerin Brie Larson einen prominenten Cast (Ben Mendelsohn, Jude Law, Annette Bening, Lashana Lynch und in Nebenrollen Lee Pace und Djimon Hounsou) an die Seite. Die Filmemacher hatten bislang Independent-Filme und TV-Serien gedreht: Sie wissen, wie wichtig es ist, hin und wieder das Tempo zu drosseln, nehmen dafür eine gewisse Sperrigkeit in Kauf. Es dauert etwas, bis "Captain Marvel" in Gang kommt. Dann aber richtig.

Wer bin ich und wenn ja wie viele?

Wie gesagt, Carol Danvers ist keine einfache Person. Sie leidet unter einer Form von Amnesie, ihre Vergangenheit besteht aus Puzzleteilen, die erst im Laufe des Films ein Bild ergeben: Wer bin ich? Was kann ich? Wo komme ich her? Danvers' Identitätsfindung und Selbstbestimmung sind die erzählerische Klammer eines Films, der trotzdem vor allem ein actionreiches Spektakel ist, das sich nahtlos ins Marvel-Universum einreiht und ihm ein paar neue, ein paar nette und ein paar überflüssige Details hinzufügt.

Klar, die Welt dreht sich auch weiter, ohne zu wissen, warum die Avengers Avengers heißen. Aber Carol Danvers hat diesen Ausdruck von Hochachtung verdient, den ihr S.H.I.E.L.D.-Chef Nick Fury entgegenbringt. Dabei haben die beiden keinen guten Start, bei ihrem Aufeinandertreffen Mitte der 1990er-Jahre. Die eine rotzfrech, der andere misstrauisch, müssen sie eine Strategie entwickeln, damit die Erde nicht zum Kollateralschaden im Krieg zwischen den Kree und den Skrull wird, zweier hochgradig technologisierter Alienrassen, während die Welt zu Klängen von Nirvana, No Doubt und TLC mit Modemgeschwindigkeiten das Internet entdeckt und mit faltbaren Stadtplänen Ausflugs- und Angriffsziele sucht.

Bittersüßes Buddy-Movie und wendungsreicher Agententhriller

Dass sich Fury und Danvers zusammenraufen in dieser Sci-Fi-Mischung aus bittersüßem Buddy-Movie und wendungsreichem Agententhriller, bei dem sich die Grenzen zwischen Gut und Böse immer wieder verschieben, ist Ehrensache. Dass beide über sich und andere hinauswachsen, weil sie ihre Stärken erkennen und sich Fehler eingestehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Immer wieder war Danvers gesagt worden, was sie alles nicht kann: von Macho-Piloten bei der U.S. Air Force, von ihrem Ausbilder (Jude Law), von der Supreme Intelligence (Annette Bening), die über den Kree-Planeten herrscht. Auch Fury hatte seine Zweifel.

Die Erkenntnis, dass Captain Marvel nichts und niemandem etwas beweisen muss, weil sie eine Frau ist, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film - mit rotzigem Grundton und wissendem Lächeln. Man hätte freilich mehr daraus machen können als eine hübsche Parabel vom Hinfallen und Wiederaufstehen kurz vor Danvers' Transformation in ihre unbesiegbare Captain-Marvel-Form. Aber immerhin war nun klar, wer demnächst im Marvel-Universum das Sagen hat. Zeit wurde es.

Captain Marvel - So. 19.07. - ProSieben: 20.15 Uhr

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