Jean Pütz feiert 90. Geburtstag: "Ich hab' da mal was vorbereitet"
Generationen von Fernsehzuschauern kennen Jean Pütz als Wissenschaftsjournalisten und TV-Urgestein. Nun steht für ihn ein besonderer Geburtstag an: Am 21. September wird er 90 Jahre alt.
Das ältere Publikum hat ihn als einen didaktisch genialen Schlaukopf in Erinnerung. Von 1974 bis 2004 erklärte er in der legendären WDR-Sendung "Hobbythek" den Leuten mit anheimelnder Kölner Klangfärbung, wie komplizierte Vorgänge in Naturwissenschaft und Technik im Alltag funktionieren. Das ist ihm unnachahmlich geglückt. Die Zuschauer liebten diesen unprätentiösen, natürlichen Typen, der ihnen auch allerlei Experimente vorführte und dabei stereotyp sagte: "Ich hab' da mal was vorbereitet!"
Mit seiner dunklen Lockenmatte, die das gemütliche Gesicht wild rahmte, und einem mächtig aufgezwirbelten Schnurrbart wirkte er eher wie ein charmanter, etwas aufmüpfiger Student. Man konnte sogar den Eindruck gewinnen, dass der Mann mit den Jahren immer jünger wirkte: Bei den ersten Sendungen 1974 sah man noch einen überaus korrekten Herrn mit glattem, halblangem, akkurat gescheiteltem Haar und sauber gestutztem Schnurrbart auf dem Bildschirm, da war er 38. Im Laufe der Jahre wurde Pütz flippiger, mit Locken und einem Schnauzer, der sogar einem Horst Lichter alle Ehre gemacht hätte.
Vom Elektriker zum Wissenschaftsjournalisten
Vielleicht liegt das auch an seinem Lebensweg, der alles andere als leicht war. Der Sohn eines Kölner Bierbrauers und einer Luxemburgerin hatte in seiner Jugend, die er weitgehend in Luxemburg verbrachte, nach Abschluss der Hauptschule eine Elektrikerlehre gemacht und anschließend als Betriebselektriker im Eisenhüttenwerk Luxemburg gearbeitet. 1955 bestand er eine Aufnahmeprüfung für Sonderbegabte. 1956 begann er ein Ingenieurstudium für Nachrichtentechnik in Köln, das er 1959 als Diplomingenieur abschloss.
Doch Jean Pütz wollte mehr. Er holte das Abitur nach und studierte Physik und Mathematik auf Lehramt. Nach seinem Abschluss 1964 absolvierte er sein Referendariat und studierte parallel Soziologie und Volkswirtschaft. Anschließend arbeitete er als Studienrat und unterrichtete Mathematik, Physik und Elektronik.
Allerdings war Lehrer nie sein Traumberuf, er wollte etwas ganz anderes: als Journalist arbeiten. Schon während seiner Studienzeit in Köln war er freier Mitarbeiter beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), ab 1970 festangestellter Redakteur, der schon bald die Redaktion Naturwissenschaft und Technik leitete und schließlich die "Hobbythek" zu einem großen TV-Erfolg führte.
Ruhestand? Für Jean Pütz keine Option
Auch nach Erreichen des Rentenalters blieb Pütz beruflich aktiv. Für den WDR arbeitete er zunächst als freier Mitarbeiter weiter, später war er unter anderem im ZDF-Magazin "Volle Kanne" zu sehen und tourte mit seiner "Pützmunter"-Show durch Deutschland. Zudem veröffentlichte er rund 80 Bücher. Und auch mit 90 denkt er nicht ans Aufhören: In seinem neuen Buch "Wie wir von fossilen Energien unabhängig werden - Mehr Rationalität statt Heureka-Politik" beschäftigt er sich mit der Energieversorgung der Zukunft und setzt dabei vor allem auf grünes Methanol als weltweit handelbaren flüssigen Energieträger.
Dass Ruhestand für ihn lange keine Option war, machte Pütz bereits mit 83 Jahren deutlich. Damals sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ich kann mir nicht vorstellen, aufzuhören zu arbeiten. Wahrscheinlich mache ich es, bis ich umfalle."
Spätes Vaterglück sorgte für Diskussionen
Aber es gibt noch einen anderen Jean Pütz, über den er vor allem im höheren Alter öffentlich sprach. 2010 wurde er noch einmal Vater - was nach seinen Worten nicht überall auf Zustimmung stieß. "Eine ältere Dame mit klassisch-konservativen Vorstellungen sagte mir mal, dass ich unten durch sei und dass sich das nicht gehöre, in diesem Alter noch Kinder zu bekommen. Aber mir ist das egal, ich habe immer mein Leben gelebt", sagte Pütz der "Bild".
Und weil er schon mal dabei war, teilte er dem Publikum in seiner Biografie "Ich hab' da mal was vorbereitet. Ein Glückspilz packt aus", in Interviews und diversen Talkrunden mit, dass er privat ein ziemlicher Schlawiner war: "Ich war - zugegebenermaßen - ein Lustmolch. So viel Lust wie möglich, aber nicht auf Kosten anderer - und auch nur so, dass man am nächsten Tag auch noch Lust haben konnte. Dieses Prinzip war und ist für mich wie in Stein gemeißelt. Ich bin mir sicher, dass es mich auch vor Drogenkonsum bewahrte."
Auch seine erste Ehe, aus der Sohn Jörn Pütz (geb. 1959) stammt, sei sehr offen gewesen. "Es waren Liaisons ohne Gewissensbisse, auch meine Frau hatte einen Freund. Wir hatten zwei getrennte Wohnungen im selben Haus."
Mit Pina wurde der "Jäger" sesshaft
Über seine zweite Ehe spricht Pütz dagegen kaum. Schließlich begegnete er der Frau, die seine dritte Ehefrau werden sollte: Pina Coluccia, eine gebürtige Süditalienerin. Die 31 Jahre jüngere Altenpflegerin und Bauchtänzerin lernte er an einem FKK-Strand kennen. "Es war wie eine Erleuchtung, ich wollte ihr sofort nachstellen." Mit Pina, seiner großen Liebe, sei er schließlich zur Ruhe gekommen: "Plötzlich war ich nicht mehr Sammler und Jäger, sondern wurde sesshaft." 1999 kam der gemeinsame Sohn Jean Adrian zur Welt, 2004 heiratete das Paar. 2010 folgte Tochter Julie.
Gesundheitliche Rückschläge und ein großer Wunsch
Inzwischen macht sich das Alter auch gesundheitlich bemerkbar, seine Lebensfreude hat Pütz jedoch nicht verloren. Einen Oberschenkelhalsbruch und eine Operation für eine neue Herzklappe hat er hinter sich. Zudem leidet er an altersbedingter Makuladegeneration, sein Sehvermögen liegt nach eigenen Angaben nur noch bei zwei Prozent.
Seinen 90. Geburtstag will Jean Pütz dennoch groß feiern: Auf seinem Bauernhof erwartet er 200 bis 300 Gäste. Und einen besonderen Wunsch hat er noch: Er möchte mit seiner Tochter auf ihrem Abiturball tanzen.
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