Ist die Erde vor dem Kollaps?

Die Hitzewelle dieses Sommers mit ihren vielen Hitzetoten auch bei uns in Deutschland, Waldbrände und versiegende Gewässer geben sicher Anlass genug, die menschengemachte Klimakrise ins Auge zu fassen. ARTE antwortet auf die Frage: "Ist unser Klima noch zu retten?" mit der zynisch aufzufassenden Antwort "Fuck the Planet": So lautet der Titel des Doku-Dreiteilers von Jean-Robert Viallet (Erstsendung, ARTE France), der zur Beantwortung dieser Frage vor allem Rückschau auf die vergangenen Jahrzehnte und ihre Versäumnisse hält.
Die von der wissenschaftlichen Vereinigung Club of Rome 1972 herausgegebene Studie "Die Grenzen des Wachstums" schreckte die Menschheit auf. Der Anstieg der Weltbevölkerung sowie eine stets weiter wachsende Industrie würden bis spätestens 2100 zu einem Kollaps der Erde führen. Bereits damals traten Gegner auf den Plan, die den Bericht bemängelten. Zu wenig seien die menschlichen Reaktionen eingeplant. Inzwischen wurde von neueren Forschungen die Prognose längst bestätigt, dass nicht die Natur für den Menschen, sondern vor allem der Mensch für die Natur gefährlich sei.
Wie der ARTE-Dreiteiler belegt, blieben konkrete Gegenmaßnahmen hinter den wissenschaftlichen Erkenntnissen zurück. Die Erde erwärmte sich weiter. Der Beitrag will aufzeigen: Der Kalte Krieg und die Entwicklung der Atomenergie als "Energie ohne Grenzen" spielten dabei eine wichtige Rolle, aber auch immer wieder die Lobbyisten der Industrie, die Gegenmodelle erstellten.
Gegenüber den Horrormeldungen der jährlich steigenden Erderwärmung hat ein Umweltforscher, der im Film über lange Zeiträume den Stimmen der Vögel lauscht und schließlich die eintretende Stille konstatiert, einen schweren Stand. Eher schon hätte man dem amerikanischen Präsidenten Richard Nixon einiges zugetraut, der den Amerikanern einen weltweiten Energieverbrauch von 30 Prozent (bei sechs Prozent der Weltbevölkerung) bescheinigte und sie dazu ermahnte, "die Gürtel enger zu schnallen". Doch aus dem auch von Jimmy Carter beschworenen Carsharing wurde nicht wirklich was. Auch in der Energiekrise der 70er-Jahre gab's Autoschlangen ohne Ende. Den Anstieg der Erderwärmung durch den Einfluss von Treibhausgasen, der immer neue Rekorde erreicht, wollte niemand so recht verstehen.
Auch 2025 stieg der weltweite CO₂-Ausstoß (38,1 Milliarden Tonnen) auf ein neues Rekordniveau weiter an. Um den Anstieg zu stoppen, reichen die gegenwärtigen Klimaschutz-Anstrengungen noch immer nicht aus. So bleiben die flammenden Appelle von gestern noch immer so aktuell wie eh und je, wie die Doku verdeutlicht. "Der Mensch ist ein Teil der Natur. Wenn er die Natur zerstört, führt er Krieg gegen sich selbst", sagt die amerikanische Biologin Rachel Carson im Film. Die Archivaufnahme ist heute so wichtig wie am Ausgangspunkt der Umweltbewegung in den 60er-Jahren.
Im Anschluss (22.30 Uhr) zeigt ARTE den Fikm: "Irak: Vergiftetes Wasser, verkaufte Nieren". Der Klimawandel trifft den Irak besonders hart. Der Wassermangel wird dort durch eine marode Infrastruktur, Wasserverschmutzung und eine grassierende Korruption noch verschärft. In der Folge ist eine Epidemie von Nierenerkrankungen ausgebrochen. Viele Iraker sehen nur den Ausweg, ihre Niere auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.
Fuck the Planet - Di. 08.09. - ARTE: 20.15 Uhr